Am deutlichsten wurde mir klar, dass Hygiene vor allem Gewohnheitssache ist, als ich in einem eher armen, aber dicht besiedelten Land unterwegs war. Ein Ort, an dem uns dringend davon abgeraten wurde, Leitungswasser zu trinken oder Eiswürfel ins Getränk zu geben. Wir haben alle Regeln befolgt, aber kaum war das Flugzeug gelandet, rannten wir schon zur Toilette.
Nach ein paar Tagen der Umstellung fühlten wir uns sicherer und wagten es sogar, auf der Straße zu essen – vorher undenkbar. Die Gesundheitsbehörden hätten dort wohl alle Straßenverkäufer und Läden schließen können, das wäre noch untertrieben. Trotzdem lebten die Menschen und blühten auf, tranken nicht nur bedenkenlos Leitungswasser, sondern mussten ihre Flüssigkeitszufuhr praktisch von überall decken. Sicher, das ist nicht die gesündeste Lebensweise und birgt Risiken, aber manchmal gibt es einfach keine Alternative.
Deshalb habe ich mich zuhause viel weniger verrückt gemacht, was Desinfektion angeht, und alle starken Chemikalien schon lange vor meiner Mutterschaft verbannt. Als unsere Tochter kam, habe ich noch bewusster auf giftige Stoffe verzichtet und ihre Umgebung nicht zu 99,9 % keimfrei gemacht.
Unsichtbare Realität auf Bildern
Ich übertreibe also nicht, wenn ich sage, dass es viel sinnvoller ist, den Toilettensitz vor dem Spülen herunterzuklappen, nachdem ich diese Bilder gesehen habe.
Eine Umfrage unter 2000 Erwachsenen im Vereinigten Königreich ergab, dass 55 % diese Routine nicht für wichtig halten, obwohl 72 % angeben, sich seit der Pandemie mehr um Hygiene zu kümmern als je zuvor.

Im Auftrag von Harpic untersuchten Experten, was sich in unserer Toilette verbirgt. Selbst nach mehrmaligem Spülen mit klarem Wasser bleiben potenziell schädliche Bakterien und Krankheitserreger zurück. Um das sichtbar zu machen, nutzten die Forscher eine Spezialkamera für Zeitlupenaufnahmen.

So konnten sie Aerosole – also in der Luft schwebende Tröpfchen und Bakterien – sichtbar machen, deren Spuren sich gut verfolgen lassen. Die Bilder zeigen, dass die Tröpfchen aus der Toilettenspülung nicht nur nahe Oberflächen erreichen, wie etwa unsere Zahnbürste oder das Handtuch, sondern sogar auf die Gesichter der Toilettennutzer gelangen können.
Warum klappen wir den Toilettensitz nicht automatisch zu?
47 % der Befragten gaben an, dass ihnen das Gesundheitsrisiko durch die Toilettennutzung bisher gar nicht bewusst war, 15 % vergessen einfach diese Routine. Doch nachdem die Forscher allen die Bilder gezeigt hatten, änderte sich die Meinung: 95 % sagten, sie würden ab sofort garantiert den Deckel schließen, bevor sie spülen.
Noch schlimmer bei Urinalen
Eine frühere Studie wies bereits auf die Gefahren beim Spülen hin. Ein Bericht in der Fachzeitschrift Physics of Fluids zeigte ähnliche Ergebnisse bei Männern, die Urinale benutzen. Simulationen ergaben, dass das Spülen eines Urinals noch problematischer sein kann als das Spülen einer herkömmlichen Toilette. Die Aerosole erreichen die Nutzer viel schneller.
Der Studienautor erklärt, dass während des Spülens die Partikel nach außen verteilt werden und mehr als 57 % aus dem Urinal entweichen. Der Sprühnebel aus einer normalen Toilette steigt zwar höher, braucht aber länger, um den Menschen zu erreichen. Laut Modell bleiben die Tröpfchen etwa eine Minute in der Luft, bevor sie absinken und je nach Umgebung absterben oder sich vermehren.











