Das Flugticket kostet 30 Euro, das aufgegebene Gepäck aber 70 – und ich sage jedes Mal Nein. Nicht zum Reisen, sondern zum sinnlosen Geldverschwenden.
Für mich ist das längst kein Verzicht mehr, sondern ein befreiendes Spiel: Wie schaffe ich es, eine ganze Woche lang stylisch und selbstbewusst mit nur einem Rucksack auf der Schulter auszukommen?
Freiheit beginnt dort, wo das Schleppen aufhört
Viele versuchen es mit einem kleinen Hartschalenkoffer am Gate – und scheitern oft an ein paar Zentimetern. Ein weicher Rucksack gibt nach, passt sich an und landet problemlos in der Schablone. Airlines ändern ihre Vorschriften jederzeit, aber weiches Material bleibt flexibel. Mir hat deshalb noch niemand meinen Rucksack beanstandet.
Ich reise mit einem klassischen Modell, würde heute aber einen vollständig aufklappbaren Rucksack wählen – er lässt sich einfach besser durchsuchen und ordentlicher packen. Und noch ein praktischer Vorteil: Am letzten Reisetag, wenn die Unterkunft weit vom Flughafen liegt und keine Gepäckaufbewahrung in Sicht ist, trägt sich ein Rucksack über Kopfsteinpflaster deutlich angenehmer als ein rollender Koffer. Das richtige Gepäck ist aber nur der Rahmen – die eigentliche Kunst beginnt bei der Frage, was hineinkommt. Genau hier hilft der Kapselgarderobe-Ansatz enorm weiter.
Das Geheimnis liegt nicht darin, weniger zu packen – sondern klüger
Packen bedeutet für mich keine Entbehrung, sondern logisches Planen, bei dem jedes Teil seinen Zweck erfüllt. Ich nehme ausschließlich Kleidungsstücke mit, die sich untereinander kombinieren lassen – so entstehen aus wenigen Teilen viele verschiedene Outfits, die problemlos für mehr als eine Woche reichen.
Im Sommer ist es besonders einfach: Ein Top nimmt kaum mehr Platz ein als ein Paar Socken, und ein Einteiler ist bereits ein vollständiges Outfit für sich. Wenig Volumen, maximale Wirkung.
Auch bei den Schuhen denke ich konsequent: Ich reise in bequemen Sneakern, die für lange Spaziergänge und kleine Ausflüge taugen – und die ich sowieso nicht in den Rucksack quetschen will. Drinnen liegt nur eine schicke, wasserfeste Sandale mit Gummiband, die am Strand, beim Abendessen und sogar in öffentlichen Duschen funktioniert.
Kleidung rolle ich grundsätzlich zusammen, dickere Stücke vakuumiere ich zusätzlich. So bleibt genug Platz für 100-ml-Fläschchen mit Shampoo, Duschgel und Sonnencreme. Reise ich mit Familie, teilen wir auf, wer was mitbringt – doppelt einpacken entfällt.
Ein oft unterschätzter Punkt ist das Handtuch. Die meisten Unterkünfte stellen eines, aber verlassen sollte man sich darauf nicht – besonders im Ausland. Bei einer Buchnung in Spanien fragte der Gastgeber sogar extra nach, ob wir fliegen, um uns Handtücher bereitzulegen. Nicht alle sind so aufmerksam, also lieber vorher nachfragen. Muss ein Handtuch mit, kommt nur ein Mikrofaserhandtuch in Frage: Es nimmt kaum Platz weg und trocknet in Minuten.
Die „Vielleicht-brauche-ich-es"-Falle
Viele packen nach dem Motto „Könnte ja nützlich sein" – und schleppen am Ende Dinge mit, die sie nie anrühren. Aber mal ehrlich: Wer innerhalb Europas reist, kann fast alles, was fehlt, für ein paar Euro vor Ort kaufen. Das allein ist schon Argument genug, auf teures Übergepäck zu verzichten.
Mein persönlicher Trumpf: Ich buche bewusst Unterkünfte mit Waschmaschine oder Waschmöglichkeit. Ein paar Waschmittelkapseln oder ein kleines Stück Seife nehmen fast keinen Platz weg – ermöglichen aber, mit deutlich weniger Kleidung auszukommen. Und ja, ich habe auch schon ein T-Shirt am Waschbecken des Hotels ausgewaschen, weil ein unerwarteter Fleck keine andere Wahl ließ. Das gehört einfach zum Reisen dazu.
Wenn auf dem Rückweg trotzdem alles ein bisschen eng wird im Rucksack, hat sich eine kleine Notlösung bewährt: eine Tüte aus dem Duty-Free-Shop. Ich kaufe eine Flasche Wasser oder ein kleines Souvenir, verteile ein paar Sachen um – und die Tüte gilt offiziell nicht als zusätzliches Gepäckstück. Nicht übertreiben, aber ein kleiner Trick darf sein.
Aufgegebenes Gepäck ist für mich heute nur noch unnötiger Stress: anstehen beim Check-in, warten am Band, und die nagende Frage, ob der Koffer nach dem Umsteigen auch wirklich ankommt. Der Minimalismus beim Reisen hat mir gezeigt, was wirklich zählt – und was nur unnötiges Gewicht auf meinen Schultern ist.











