Ich lebe eigentlich in einem recht ordentlichen Zuhause. Trotzdem gab es Schubladen und Schränke, die mich immer wieder auf irgendeine Art beschäftigten – Kleidungsstücke, die darin verschwanden, Dinge, die ich seit Jahren aufbewahrte, ohne wirklich zu wissen warum. Als ich von der KonMari-Methode hörte, dachte ich: ein paar nützliche Ordnungstipps, mehr nicht. Nach einem Monat war meine Meinung eine völlig andere.
Es geht bei dieser Methode nicht einfach ums Aufräumen. Es geht um bewusstes Auswählen – und das hat mich mehr beschäftigt, als ich erwartet hatte.
Nicht Zimmer für Zimmer, sondern Kategorie für Kategorie
Die KonMari-Methode geht auf die japanische Ordnungsexpertin Marie Kondo zurück, die weltweit bekannt wurde – nicht nur durch ihre Bücher, sondern auch durch ihre Netflix-Serie. Ihr Ansatz: Nicht fragen, was weg kann, sondern was man wirklich behalten möchte.
Das Prinzip der Methode ist denkbar einfach, aber ungewohnt: Man geht nicht raumweise vor, sondern nach Kategorien. Zuerst kommt die Kleidung, dann Bücher, Papierkram, verschiedene Alltagsgegenstände (auf Japanisch „Komono") und zum Schluss Erinnerungsstücke.
Der Vorteil: Man sieht auf einen Blick, wie viel man von einer Sache wirklich hat – und was nur aus Gewohnheit geblieben ist. Bei der Kleidung wurde das besonders schnell deutlich.
Was möchte ich wirklich behalten?
Eines der bekanntesten Prinzipien von KonMari ist das japanische Konzept Tokimeku – sinngemäß: „Macht es mich glücklich?" Marie Kondos Idee ist, nur das zu behalten, was einem echte Freude bereitet, und den Rest loszulassen.
Ich habe dieses Prinzip weniger als strenge Regel verstanden, mehr als Orientierungshilfe. Die eigentliche Frage für mich war: Benutze ich das wirklich? Mag ich es? Hat es noch einen Platz in meinem Leben?
Bei der Kleidung war das besonders aufschlussreich. Ich fand überraschend viele Teile, die ich seit Monaten – manchmal Jahren – nicht mehr getragen hatte und trotzdem nicht hergeben wollte. Manche davon konnte ich einfach nicht loslassen, bei anderen dachte ich immer: „Das kommt bestimmt nochmal." Am Ende habe ich mich von deutlich mehr Kleidung getrennt als geplant – und vermisse davon nichts.
Vertikal statt gestapelt – eine kleine Veränderung mit großer Wirkung
Zur KonMari-Methode gehört auch eine bestimmte Art, Kleidung zu lagern: vertikal gefaltet und nebeneinandergestellt, statt aufeinandergestapelt. Jedes Teil steht wie ein kleines Rechteck aufrecht in der Schublade.
Ich hatte vorher auch die Angewohnheit, Sachen übereinanderzulegen. Das Ergebnis: Sobald ich etwas aus der unteren Lage brauchte, begann das große Wühlen und Neuordnen.
Die vertikale Methode hat bei mir wirklich funktioniert. Ich sehe sofort, was ich habe, und das Einräumen nach der Wäsche geht deutlich schneller. Nicht jede Schublade ist perfekt geworden – aber das war auch nie das Ziel.
Aufbewahren, weil es „vielleicht noch mal nützlich sein könnte"
Beim Sortieren tauchte immer wieder derselbe Gedanke auf: Das brauche ich vielleicht noch. Das ziehe ich irgendwann nochmal an. Das lasse ich noch reparieren.
Natürlich gibt es Dinge, die man sinnvollerweise aufhebt. Aber ich habe gemerkt, dass ich manches gar nicht aus praktischen Gründen behalte – sondern weil es mir schwerfällt, es loszulassen.
Und in diesem Moment geht es eigentlich nicht mehr um den Gegenstand selbst.
Manchmal hängen wir an Dingen, weil sie zu einem früheren Lebensabschnitt gehören – oder einfach, weil wir es gewohnt sind, dass sie da sind.
Ich habe mehr mitgenommen als eine ordentlichere Wohnung
Was mich am meisten überrascht hat: Beim Aufräumen habe ich nicht nur herausgefunden, was ich benutze und was nicht. Ich habe auch gemerkt, wie viel ich aus reiner Gewohnheit festhalte – an Dingen, die zu einem früheren Ich gehören, die ich aber nie wirklich hinterfragt hatte.
Meine Wohnung ist nicht perfekt geworden. Aber sie ist klarer, übersichtlicher – und es fühlt sich einfach besser an, nach Hause zu kommen.
Was mir an der KonMari-Methode am Ende am meisten gefallen hat: Sie bringt einem nicht bei, wie man immer Ordnung hält. Sie bringt einem bei, bewusster wahrzunehmen, was man wirklich in seinem Leben haben möchte.
Ist die KonMari-Methode wirklich für jeden geeignet?
Die Methode funktioniert am besten, wenn man sie an den eigenen Alltag anpasst – als Orientierung, nicht als starre Regel. Wer sich von Perfektionismus freimacht, kann echte Erleichterung erleben.
Muss man wirklich alles auf einmal aussortieren?
Nein. Auch wenn Marie Kondo empfiehlt, jede Kategorie in einer Session durchzugehen, kann man das eigene Tempo wählen. Wichtiger ist die bewusste Entscheidung, was bleiben darf – nicht die Geschwindigkeit.
Was ist mit Dingen, an denen man emotional hängt?
Erinnerungsstücke kommen bei KonMari bewusst zuletzt. Bis dahin hat man bereits geübt, Entscheidungen zu treffen – das macht es leichter, auch bei sentimentalen Gegenständen ehrlich mit sich selbst zu sein.
Hält die Ordnung dauerhaft an?
Das hängt weniger von der Methode ab als von der eigenen Einstellung. Der eigentliche Effekt von KonMari ist nicht Ordnung um der Ordnung willen, sondern ein bewussterer Umgang damit, was man überhaupt besitzt.











