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KI lügt oft. Darum solltest du deine Reise nicht komplett der künstlichen Intelligenz überlassen

Deborah Keller4 Min. Lesezeit
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KI lügt oft. Darum solltest du deine Reise nicht komplett der künstlichen Intelligenz überlassen — Freizeit
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Stell dir vor: Du planst deine nächste große Reise mit leuchtenden Augen. Am Laptop tippst du in ChatGPT: „Ich möchte eine malerische Tour durch Südamerika, am liebsten an einem versteckten, spirituellen Ort.“ Sekunden später bekommst du den Vorschlag: der „Sacred Canyon of Humantay“ – ein mystischer Canyon mit beeindruckenden Wasserfällen und atemberaubenden Bergen. Doch da gibt es ein kleines Problem.

Fiktive Orte und echte Gefahren

Die BBC berichtete kürzlich von mehreren Fällen, in denen KI bei der Reiseplanung falsch lag und dadurch Reisenden ernsthafte Probleme bereitete.

In den peruanischen Bergen erzählte Miguel Angel Gongora Meza, Tourguide bei Evolution Treks Peru, von zwei ausländischen Touristen, die sich auf den „Sacred Canyon of Humantay“ vorbereiteten – allein und ohne Führung. Sie zeigten ihm einen Screenshot mit einem KI-generierten Text, der selbstbewusst und begeistert wirkte und detaillierte Beschreibungen enthielt.

„Sie zeigten mir den Screenshot, voll von lebendigen Adjektiven – aber es war nicht wahr. Der Sacred Canyon of Humantay existiert nicht!“ – berichtete Gongora Meza der BBC.

„Der Name ist eine Mischung aus zwei echten Orten, aber deren Beschreibungen haben nichts miteinander zu tun. Die Touristen zahlten fast 160 Euro, um auf einer abgelegenen Schotterstraße bei Mollepata zu landen – ohne Ziel.“

Der Guide warnt: Das ist nicht nur ärgerlich, sondern lebensgefährlich. „Solche Fehlinformationen sind in Peru riskant“, erklärt er. „Höhe, Wetter, schwierige Wege – all das erfordert Planung. Wenn ein KI-Programm nur Bilder und Namen vermischt, entsteht eine komplett erfundene Route, und du stehst plötzlich auf 4000 Metern ohne Sauerstoff und Netz.“

Sonnenuntergang auf einem gesperrten Gipfel – auch in Japan keine sichere Sache

Die übertriebene Kreativität der KI sorgt nicht nur in Südamerika für Probleme. Ein japanisches Paar, Dana Yao und ihr Mann, wollte mit Hilfe von KI einen romantischen Sonnenuntergang auf dem malerischen Mount Misen erleben.

ChatGPT erstellte einen Plan: Spaziergang durch Miyajima, dann um 15 Uhr Aufstieg zum Gipfel, pünktlich zum Sonnenuntergang, und mit der letzten Seilbahn bequem zurück. „Da begann das Problem“, erzählt Yao. „ChatGPT sagte, die letzte Bahn fährt um 17:30 Uhr, aber sie war längst geschlossen. Wir saßen auf dem Gipfel fest.“

Eiffelturm in Peking? Warum KI "halluziniert"

Solche Fehler häufen sich. Ein anderes KI-Tool namens Layla empfahl einen Eiffelturm-Besuch in Peking (!), während einer britischen Reisenden eine italienische Marathonroute vorgeschlagen wurde, die zeitlich und räumlich unmöglich war. „Der Plan ergab keinen Sinn“, sagte die Reisende der BBC. „Wir hätten mehr Zeit mit Reisen als mit Aktivitäten verbracht.“

Eine Studie aus 2024 mit Menschen, die KI für ihre Reiseplanung nutzten, zeigt deutlich: Vertraue solchen Plänen nicht blind. 37 % fühlten sich unzureichend informiert, 33 % erlebten falsche oder ungenaue Empfehlungen.

Warum passiert das überhaupt?

„KI unterscheidet nicht zwischen Ratschlag, Reiseplan oder Rezept“, erklärt Rayid Ghani, Professor an der Carnegie Mellon University. „Sie erzeugt nur Worte. Was sie sagt, klingt glaubwürdig – aber ist nicht zwangsläufig wahr.“

KI wie ChatGPT verbindet Wörter und Sätze statistisch. Manchmal klappt das perfekt. Doch oft „halluziniert“ sie, wie Experten sagen, und liefert komplett erfundene Inhalte. Das Problem: Nutzer erkennen das nicht immer.

Wenn KI die Realität verzerrt

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf Texte. Manche Social-Media-Videos zeigen komplett KI-generierte Sehenswürdigkeiten – etwa eine nicht existierende Seilbahn in Malaysia, die Touristen vergeblich suchten.

Auch YouTube und Netflix „verbessern“ alte Inhalte mit KI, ändern Kleidung, Frisuren oder Gesichtszüge realer Menschen – oft ohne deren Zustimmung. Die Grenzen zwischen Realität und „KI-Traumwelt" verschwimmen immer mehr.

Der Preis falscher Erlebnisse und der Wert echter Reisen

Psychotherapeut Javier Labourt sagt: Der wahre Geist des Reisens liegt in authentischen Begegnungen – mit Menschen, Orten, Kulturen. Wenn KI vorab verzerrte Infos liefert, entsteht schon vor der Abreise ein falsches Bild.

„Reisen bietet eine einzigartige Chance, andere Kulturen kennenzulernen – das fördert Empathie und Offenheit“, erklärt Labourt. „Aber wenn KI dich schon zu Hause täuscht, stellst du dir einen Ort vor, der gar nicht existiert.“

Wie nutzt man KI sinnvoll für die Reiseplanung?

Experten raten: Statt kompletter Verbannung ist bewusster Umgang der Schlüssel.

Hier ein paar Tipps:

  • Sei konkret in deinen Fragen und verlasse dich nicht auf nur eine Antwort.
  • Prüfe alle Infos zusätzlich mit verlässlichen Quellen – Karten, offizielle Webseiten, Bewertungen.
  • Nutze KI als Inspiration, nicht als alleinige Wahrheit.

Das Geheimnis einer guten Reise: offene Augen und flexible Haltung

Vergiss nicht: Keine Reise verläuft perfekt. Dinge ändern sich. Aber genau das macht sie oft besonders und unvergesslich.

„Verharre nicht in Enttäuschung“, rät Labourt. „Frag dich: Wenn du schon da bist, wie kannst du das Beste daraus machen? Es bleibt eine besondere Reise.“

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