Wir daten, gehen zusammen aus, heiraten und tun dabei so, als wollten alle – Frauen und Männer – dasselbe, obwohl das nicht stimmt. Jeder spielt dieses Spiel, seit es Menschen gibt. Mann und Frau treffen sich, werden glücklich, dann passiert etwas und Herzen brechen. Oder sie bleiben zusammen und lernen, wie sie miteinander umgehen, lernen die Sprache des anderen, schließen aber dabei ernsthafte Kompromisse. Sehr ernste Kompromisse. Ich weiß das, weil es in jeder meiner Beziehungen so war.
Wir fürchten, die Wahrheit auszusprechen, dabei sind Männer vom Sex motiviert, Frauen vom Sicherheitsgefühl. Wenn wir das verstehen, finden wir Antworten auf viele Fragen.
Männer wollen Sex, für uns ist es mehr als nur körperlicher Kontakt. In uns wirkt ein uralter Instinkt, wie bei allen Männchen: unsere Samen zu verbreiten und möglichst viele Nachkommen zu zeugen. Sex bedeutet für uns Verbindung, Hingabe, Macht, Erleichterung, Frieden und Liebe – auch wenn wir Letzteres nicht immer zugeben.
Jeder Mann möchte, dass die Frau – seine Frau – ihn begehrt. Das ist unsere Liebessprache, auch wenn die Gesellschaft uns einredet, es sei ein tierisches, primitives Verhalten, das wir schämen sollten.
Die Aufgabe des Mannes – evolutionär gesehen noch gar nicht so lange her – war es, mit seinen Gefährten auf die Jagd zu gehen, Mammuts zu erlegen und dem Stamm Nahrung zu bringen, damit niemand hungert. Heute arbeiten wir den ganzen Tag, können unsere Instinkte nicht ausleben, müssen Respektlosigkeiten und alle Herausforderungen des Lebens ertragen. Deshalb betteln wir fast darum, zuhause wieder Mann sein zu dürfen.

Und was passiert, wenn wir diesen Sex nicht bekommen?
Wir fühlen uns abgelehnt, ignoriert und um körperliche Zärtlichkeit beraubt. Das verletzt nicht nur unsere Gefühle, sondern laugt uns mit der Zeit regelrecht aus. Dann ziehen sich Männer zurück, werden zum „faulen Typen“, mit dem man über nichts reden kann, zum Ehemann, dem alles egal ist und der sich nicht einbringt. Denn innerlich sterben wir, und niemand merkt es. (Wir erzählen es auch niemandem, weil wir von klein auf lernen, dass Schmerz Schwäche ist und wir ihn unterdrücken sollen.)
Frauen suchen Sicherheit, denn das Leben lehrt sie, Angst zu haben. Männer sind stärker, sie sind die Jäger, und auch wenn es schwer ist, das zu sagen – wie in der Tierwelt – ist das schwächere Geschlecht oft die Beute. Auch wenn unsere Gesellschaft versucht, dieses Machtungleichgewicht auszugleichen, gibt es im Feminismus noch viel zu tun.
Frauen sehnen sich also nach Sicherheit – nicht nur für sich, sondern auch für ihr ungeborenes Kind, denn Nachkommen können nur in einer sicheren Umgebung erfolgreich großgezogen werden. Dafür braucht es einen Mann, der sie schützt. (Früher vor rivalisierenden Stämmen oder Säbelzahntigern, deshalb fühlen sich Frauen noch heute zu großen, muskulösen Männern hingezogen.) Ein Männchen, das „das Mammut nach Hause bringt, damit es etwas zu essen gibt“, also heute genug Geld hat, um sie und später die Kinder zu versorgen.
Doch nicht nur materielle Sicherheit zählt, sondern auch emotionale, denn der Mensch ist eine Art, die ihre Jungen viele Jahre lang unterstützt, bis sie selbstständig sind – und das gelingt nur, wenn Vater und Mutter in relativer Harmonie leben.
Heute geht die Frau aber auch „auf Mammutjagd“, also arbeiten. Ist sie Single, braucht sie oft keinen Mann, weil sie sich selbst versorgen kann – verständlicherweise wird sie da wählerisch bei der Partnerwahl. Ist sie Mutter und muss arbeiten, damit die Familie über die Runden kommt, ist es kein Wunder, dass neben Job, Haushalt und Kindererziehung abends kaum Energie bleibt, sich dem Ehemann hinzugeben, damit er sich als Mann fühlen kann.
Wir sollten es nicht zu einfach machen und denken, Frauen geben Männern Sex im Austausch für Sicherheit – auch wenn diese Erklärung logisch klingt. Es ist keine Transaktion, sondern Gegenseitigkeit. Daran sollten wir denken, wenn wir das nächste Mal darüber klagen, dass die Hälfte aller Ehen in Scheidung endet.











