Es ist wichtig, den Punkt zu erkennen, an dem eine Beziehung noch zu retten ist – auch mit externer Hilfe, sagt Sándor Piroska, Paarberaterin und Mediatorin. Sie betont, wie lange es sinnvoll ist, Unterstützung zu suchen.
Wenn Streit, Konflikte und Verletzungen zu zahlreich werden, erklärt die Expertin, lässt sich oft nichts mehr reparieren. Dann geht es vor allem darum, dass beide Seiten ihre Sichtweisen teilen, erklären, was ihrer Meinung nach zur Entfremdung geführt hat, und die Trennung so friedlich wie möglich gestalten.
Solange Hoffnung besteht, sollten alle Beteiligten alles tun, um die Situation zu klären – besonders, wenn gemeinsame Kinder da sind.
Typische Herausforderungen in jedem Lebensalter
Die Expertin beobachtet, dass viele Beziehungsprobleme einfach durch bestimmte Lebensphasen entstehen können. Die Geburt eines Kindes ist ein klassischer Wendepunkt, der nicht jede Ehe unbeschadet übersteht. Frischgebackene Mütter verändern sich stark, die Intimität zum Partner nimmt ab, und viele Männer fühlen sich dadurch allein gelassen.
Das gesunde Gleichgewicht zwischen Mutterrolle und Ehefrau zu finden, gelingt nicht allen. Zudem wird der Mangel an körperlichem Kontakt bei Frauen oft durch Stillen und Wiegen kompensiert. Die ständige Bereitschaft macht Eltern müde und erschöpft, was die Situation zusätzlich belastet. Hier hilft es, wenn das Paar offen über die Lage spricht und beide Seiten sagen, was sie belastet und was sie sich wünschen.

Ein weiteres häufiges Problem entsteht, wenn eine dritte Person in die Beziehung tritt. Laut der Therapeutin ist nicht immer nur die Person schuld, die eine Affäre eingeht. Meist steckt dahinter das Bedürfnis, einen Mangel auszugleichen.
Um die 40 Jahre klopft die sogenannte Mittelkrise an, die nicht mit der Midlife-Crisis verwechselt werden sollte. Dabei geht es vor allem um die Fragen: Bin ich am richtigen Platz? Mache ich die richtige Arbeit? Lebe ich mein Leben so, wie ich es möchte?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen „Nein“ lautet, gibt es noch Chancen, Dinge zu verändern und lang gehegte Träume zu verwirklichen. Viele nutzen diese Möglichkeit.
Die Midlife-Crisis, auch Nobelpreis-Syndrom genannt, beginnt eher nach dem 50. Lebensjahr. Dann trifft die Erkenntnis, dass etwas Wichtiges im Leben fehlt, viele wie ein Schlag. Sie versuchen alles sofort nachzuholen, weil sie glauben, nicht mehr viel Zeit zu haben.
Typische Beziehungskrisen entstehen auch, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder das Paar in Rente geht, berichtet die Mediatorin aus ihrer Erfahrung. Die Partner sind wieder nur zu zweit, haben viel Zeit füreinander und müssen den Alltag neu gestalten. Wenn es vorher Konflikte gab, werden diese jetzt oft größer. Scheidungen um die 60 sind schwieriger als bei Jüngeren, weil Paare dann finanziell eng verbunden sind, Gewohnheiten stark verankert sind und das ganze Leben auf das gemeinsame Zusammenleben ausgerichtet ist. Veränderungen sind dann besonders schwer und schmerzhaft.
In den meisten Beziehungen ist Sex die größte Herausforderung. Sándor Piroska betont, dass sexuelle Probleme nie aus sich selbst entstehen, sondern immer eine Folge von etwas anderem sind.
Hinter sexuellen Schwierigkeiten steckt meist ein tieferliegendes Problem, das in der Therapie erkannt und so gut wie möglich gelöst werden sollte.

Gehen Therapeuten auch zu Therapeuten?
Man könnte denken, Paarberater leben in perfekten Ehen und lösen Probleme wie im Lehrbuch. Sándor Piroska erzählt von einem Paar, bei dem sowohl Mann als auch Frau denselben Beruf hatten. Trotz beruflichem Erfolg fanden sie keine Lösung für ihre private Krise. Sie steckten mitten in einer bitteren Scheidung, stritten sich um Wohnung und Kinder, bis sie externe Hilfe suchten. Am Ende normalisierte sich ihre Beziehung, was sie allein nicht geschafft hätten.
Nicht nur Paare gehen zur Paartherapie
Die Expertin erklärt, dass Mediatoren auch bei Konflikten außerhalb von Partnerschaften helfen. Sie hat auch familiäre Streitigkeiten gelöst und suchte vor unserem Interview mit einer Mutter und Tochter nach Wegen, wie sie friedlich zueinanderfinden können.
Außerdem bitten viele wegen Spannungen unter Kollegen um Unterstützung. Mediatoren können auch helfen, Probleme zwischen Chef und Mitarbeiter zu überbrücken. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation und darin, dass alle Beteiligten aktiv an der Lösung mitarbeiten.
Bilder: photography33, nd3000











