Wie wohl jeder gesunde Menschenverstand fand auch ich die Bewegung unglaublich wichtig – selbst wenn mein Körperbau von den toxischen Schönheitsidealen der Medien als „glücklich“ gilt. Denn Taille oder lange Beine schützen nicht davor, dass uns die kapitalistische Gesellschaft etwas verkaufen will. Und das gelingt nur, wenn sie uns ein schlechtes Gefühl vermittelt. Deshalb konnte ich mich auch so gut in jene Frauen hineinversetzen, deren Körper anders aussahen als die Models auf Magazincovern und die sich deshalb weniger schön oder begehrenswert fühlten.
Es ist schlicht schrecklich – und, seien wir ehrlich, krank –, dass jemand sich wegen seines Körpers schlecht fühlen muss. Das sollten wir als Gemeinschaft niemals zulassen.
Deshalb freue ich mich sehr und unterstütze die Body-Positivity-Bewegung nach wie vor begeistert, die gegen die Flut der Medien ankämpft und uns alle daran erinnert, dass Schönheit viele Gesichter hat.
Es klingt verrückt, aber als die Bewegung endlich populär wurde, war es schon eine revolutionäre Idee, dass Frauen ihren Körper lieben, stolz darauf sein und sich nicht von der Meinung anderer – vor allem von Männern – abhängig machen müssen. Selbstliebe bedeutet nicht nur persönliche Freiheit, sondern auch mentale Heilung. Unser Körper ist kein Feind, kein Projekt und keine Sammlung von Fehlern, die versteckt werden müssen. Er ist unser Zuhause.

Body Positivity heißt nicht, andere schlecht fühlen zu lassen
Body Positivity ist eine der besten und wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre. Umso schmerzlicher ist es, wenn ich sehe, wie manche sie verdrehen, missbrauchen und dazu nutzen, dass sich diesmal Frauen mit anderem Körperbau unwohl fühlen sollen.
Immer öfter stoße ich auf Aussagen, die genau jene Frauen angreifen, die zufällig dem früheren Schönheitsideal entsprechen: schlanke, sportliche oder modellhafte Frauen, die nichts falsch gemacht haben – sie sehen einfach so aus.
Ich habe schon Comedians auf der Bühne gehört, die darüber scherzen, „Männer mögen eigentlich kurvigere Frauen, nicht solche, die aussehen wie ein Pfannenstiel“. Das Publikum lachte. Ich saß da und fühlte mich nicht als Witz, sondern als Körper, der erneut im Kreuzfeuer von Erwartungen steht – diesmal nicht, weil ich zu dick bin, sondern weil ich es bin. Was wäre, wenn dieser Witz über eine Plus-Size-Frau ginge? Im Sinne von Political Correctness würde so ein Auftritt – völlig zu Recht – sofort abgesetzt.
Ich habe auch Kommentare unter klassischen Aktfotografien gesehen, in denen Menschen von „Body Shaming“ sprechen, nur weil die Körper der Skulpturen proportional, glatt und straff waren. Als wäre es heute schon ein Verbrechen, solche Körper einfach nur zu zeigen. Dabei geht es doch genau darum, zu akzeptieren, dass weibliche Körper sehr vielfältig sein können.
Manche sind kurvig, andere straff, manche haben volle Brüste, andere behalten ihren jungenhaften Körper – wenn wir nur von einem Schönheitsideal zum nächsten wechseln und dabei weiterhin Körper bewerten, was haben wir dann wirklich verändert?
Dann frage ich mich: Wo ist die ursprüngliche Botschaft von Body Positivity geblieben? Dass jeder Körper zählt. Dass wir mit jeder Figur liebenswert, stolz und vollwertig sein können.
Body Positivity sollte nicht bedeuten, dass wir jetzt anfangen, andere Körper zu kritisieren. Wir brauchen keine neue Schönheitsdiktatur – diesmal das genaue Gegenteil der alten –, sondern genau das Gegenteil: die Befreiung von allen Zwängen.
Das patriarchale Denken hat jahrhundertelang den Wert der Frau daran gemessen, wie attraktiv sie für Männer ist. Jetzt haben wir die Chance, diese Vorstellung endlich abzuschütteln – aber das gelingt nur, wenn wir nicht gegeneinander, sondern füreinander arbeiten. Wenn wir erkennen, dass unser Körper kein Urteilssaal anderer ist, sondern der Träger unseres eigenen Lebens. Und das unabhängig davon, wie viel wir wiegen, wie unsere Hüften, Haut oder Brust aussehen.











