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Hitze am Steuer: Warum du bei über 27 Grad unbemerkt zum riskanteren Fahrer wirst

Nyul Debóra5 Min. Lesezeit
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Hitze am Steuer: Warum du bei über 27 Grad unbemerkt zum riskanteren Fahrer wirst — Gesundheit
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Im Sommer denken die meisten von uns an genug Wasser, an Sonnencreme und daran, sich in der Mittagshitze in den Schatten zu retten. Dass die Hitze aber auch hinter dem Steuer zur echten Gefahr werden kann, spricht kaum jemand aus.

Dabei belastet hohe Temperatur nicht nur unser Wohlbefinden. Sie kann Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Entscheidungsfähigkeit spürbar verschlechtern – und genau das führt zu Fehlern, die uns an einem normalen Tag wohl nicht passieren würden.

Studien zeigen: An heißen Tagen steigt das Risiko für Verkehrsunfälle – auch für solche mit tödlichem Ausgang.

Auf den ersten Blick scheint die Klimaanlage moderner Autos das Problem zu lösen. Die Realität ist allerdings deutlich komplexer.

Hitze belastet auch unser Gehirn

Carlos Alós-Ferrer, Ökonom und Verhaltensforscher sowie Professor an der Lancaster University Management School, schrieb auf der Plattform Psychology Today darüber, dass extreme Hitze das Urteilsvermögen schwächt und die Selbstkontrolle senkt. Die Folge: Wir treffen leichter voreilige Entscheidungen, reagieren ungeduldiger auf Verkehrssituationen und unsere Gedanken schweifen schneller ab.

Beim Fahren zeigt sich das oft ganz konkret. Zu schnelles Fahren, plötzliche Spurwechsel, vergessene Blinker, riskante Überholmanöver, zu geringer Abstand oder ein aggressiver Fahrstil nehmen zu. Und im sommerlichen Stau entstehen hitzige Situationen besonders leicht.

Ein seit Jahrzehnten bekanntes Phänomen

Den Zusammenhang zwischen Hitze und Verkehrsunfällen haben Forscher nicht erst entdeckt. Schon Untersuchungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren kamen zu dem Ergebnis, dass hohe Temperaturen die Konzentration senken, die Müdigkeit verstärken und sogar Schläfrigkeit auslösen können.

Aktuelle Studien bestätigen das noch deutlicher. Große Hitze verlangsamt die Reaktionszeit, erhöht die Gefahr der Ablenkung, und grelles Sonnenlicht kann zusätzlich die Sicht verschlechtern. Jeder dieser Faktoren steigert das Unfallrisiko für sich – zusammen aber schaffen sie eine noch gefährlichere Lage.

5 Anzeichen, dass die Hitze dein Fahren bereits beeinflusst

Wenn du am Steuer Folgendes bemerkst, solltest du vorsichtiger werden und eine kurze Pause einlegen:

  • Du kannst dich schwerer konzentrieren.
  • Du fühlst dich gereizter.
  • Du gähnst häufiger oder fühlst dich müde.
  • Du erkennst Gefahren später.
  • Du bist ungeduldiger im Verkehr.

Wer verstehen möchte, warum ihn die Hitze auch abseits des Autos reizbarer macht, findet Antworten in unserem Beitrag über die Wirkung von Hitze auf Stimmung und Konzentration.

Auch die Statistik ist alarmierend

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass an heißen Tagen das Risiko für Verkehrsunfälle – auch für tödliche Kollisionen – steigen kann.

Eine US-amerikanische Analyse, die mehr als 46 Millionen polizeiliche Unfalldaten auswertete, ergab: An Tagen mit über 27 Grad Celsius lag die Rate tödlicher Verkehrsunfälle um fast 9 Prozent höher als an gemäßigten Tagen zwischen 10 und 16 Grad.

Eine spanische Studie stellte fest, dass das Unfallrisiko während einer Hitzewelle insgesamt um knapp 3 Prozent zunahm. Betrachtete man aber ausschließlich Fälle, die eindeutig auf Fahrfehler zurückgingen, lag der Anstieg schon bei rund 8 Prozent.

Die Forscher beobachteten außerdem, dass jedes einzelne Grad Celsius mehr das Risiko von Unfällen durch Fahrfehler weiter erhöht. Ähnliche Ergebnisse gab es in Südkorea und Italien – ein Hinweis darauf, dass das Phänomen keine Frage des Landes, sondern der menschlichen Physiologie ist.

Warum wir uns sicherer fühlen, als wir tatsächlich sind

Ein spannendes psychologisches Phänomen: Die meisten Autofahrer halten ihre eigenen Fahrkünste für überdurchschnittlich. Statistisch kann das gar nicht stimmen.

Laut Carlos Alós-Ferrer ist die Hitze gerade deshalb so gefährlich, weil sie keine Ausnahmen macht. Egal, wie routiniert jemand ist – hohe Temperaturen können bei jedem die Konzentration senken und die Reaktionen verlangsamen. Und oft merken wir die Veränderung nicht, weil wir das Gefühl haben, wie immer zu fahren.

So fährst du an den heißesten Tagen sicherer

Das Wichtigste: Rechne damit, dass bei Hitze nicht nur du, sondern auch alle anderen langsamer reagieren.

Halte mehr Abstand, lass dir mehr Zeit zum Bremsen und drossle dein gewohntes Tempo. Schon ein paar Stundenkilometer weniger können in einer unerwarteten Situation wertvolle Sekunden bedeuten.

Achte vor der Fahrt auf ausreichend Flüssigkeit und kühle den Innenraum des Autos möglichst vor. Bei längeren Strecken solltest du regelmäßig Pausen einlegen.

Auch auf Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter-Nutzer solltest du besonders achten – sie leiden ebenso unter der Hitze, sind bei einem Zusammenstoß aber deutlich verletzlicher. Wer sich für die aktuellen Regeln interessiert, findet mehr in unserem Beitrag zu den neuen Vorschriften für E-Scooter.

Und wenn es sich einrichten lässt: Weiche den heißesten Stunden aus und fahre lieber am frühen Morgen oder Abend. Wer beruflich flexibel ist, kann mit Homeoffice oder gleitenden Arbeitszeiten das Risiko des Fahrens in der Hitze zusätzlich senken.

Sommerliches Fahren verlangt mehr Aufmerksamkeit

Durch den Klimawandel werden Hitzewellen immer häufiger und länger. Damit stellt die sommerliche Verkehrssicherheit die Fahrer vor neue Herausforderungen. Autos entwickeln sich zwar stetig weiter, doch der wichtigste Sicherheitsfaktor bleibt weiterhin der Mensch.

Wenn wir uns bewusst machen, dass große Hitze unbemerkt unsere Konzentration und unsere Entscheidungen verschlechtert, haben wir bereits einen wichtigen Schritt zu mehr Sicherheit im Verkehr getan. Gegen die Hitze sollten wir nicht nur unseren Körper wappnen, sondern auch unseren Fahrstil anpassungsfähiger machen.

Beeinträchtigt Hitze wirklich die Fahrtüchtigkeit?

Ja. Hohe Temperaturen können Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Urteilsvermögen spürbar verschlechtern, was zu mehr Fehlern und einem höheren Unfallrisiko führt.

Reicht die Klimaanlage im Auto nicht aus?

Sie hilft, löst das Problem aber nicht vollständig. Die Wirkung der Hitze auf Konzentration und Reaktionen ist komplexer und lässt sich nicht allein durch kühle Luft ausgleichen.

Ab welcher Temperatur wird es besonders riskant?

Eine US-amerikanische Analyse zeigte, dass an Tagen mit über 27 Grad Celsius die Rate tödlicher Verkehrsunfälle um fast 9 Prozent höher lag als an gemäßigten Tagen.

Wie erkenne ich, dass die Hitze mein Fahren beeinflusst?

Typische Anzeichen sind Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, häufiges Gähnen oder Müdigkeit, ein spätes Erkennen von Gefahren und mehr Ungeduld im Verkehr.

Was hilft, an heißen Tagen sicherer zu fahren?

Mehr Abstand halten, langsamer fahren, ausreichend trinken, den Innenraum kühlen, regelmäßig Pausen machen und möglichst die kühleren Morgen- oder Abendstunden nutzen.

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