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Darum nehmen heute ein Viertel der jungen Leute nie das Telefon ab

Margarete Wolf4 Min. Lesezeit
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Darum nehmen heute ein Viertel der jungen Leute nie das Telefon ab — Lebensstil

Anfang dieses Jahres zeigte eine Umfrage, dass ein Viertel der 18- bis 34-Jährigen ihr Telefon nie abgenommen hat (nicht einmal). Mehr als die Hälfte der Befragten vermutet, dass ein unerwarteter Anruf schlechte oder unerwünschte Nachrichten bringt. Die Studie ergab auch, dass viele der Generation Z Anrufe zuerst filtern und lieber per SMS antworten. SMS ist die beliebteste Kommunikationsform, gefolgt von Nachrichten über soziale Medien und der umstrittensten Methode unserer Zeit: Sprachnachrichten.

Es scheint, als sei die Ära der Telefonate vorbei, in der Teenager der 90er und 2000er riesige Rechnungen auf den Festnetzanschlüssen ihrer Eltern verursachten.

Obwohl Anrufe während der Pandemie für viele lebensrettend waren, kehren wir offenbar zu alten Gewohnheiten zurück – und vielleicht auch zu einer allgemeinen Scheu vor Gesprächen. Kurz nach der Veröffentlichung dieser überraschenden Zahlen berichtete man von einem finnischen Friseur, der einen sprachlosen „Stillen Service“ anbot, der das übliche Plaudern beim Friseurbesuch eliminierte. Dieser Service wurde besonders bei Menschen beliebt, die sich eine ruhige Auszeit wünschten. So verständlich die Suche nach Ruhe ist, stellt sich doch die Frage: Warum fürchten wir uns so sehr vor einem guten, altmodischen Telefongespräch?

Darum nehmen viele Befragte das Telefon nicht ab

Viele Menschen sind so an Textnachrichten und WhatsApp gewöhnt, dass ein Anruf sie regelrecht schockt“, erklärt Dr. Roz Halari, Neuropsychologin. „In einer Nachricht haben wir Sicherheit und Kontrolle. Wir bestimmen das Tempo und können jederzeit antworten. Bei einem Anruf müssen wir sofort reagieren und ein Stück Kontrolle abgeben.“ Außerdem, so Halari, ist es am Telefon oft schwer, Menschen richtig einzuschätzen.

„Du siehst weder Mimik noch Körpersprache, dein Gehirn bekommt keine Gesprächssignale – besonders, wenn du jemanden nicht gut kennst oder lange nicht gesehen hast. Du weißt eigentlich nicht, was die Person denkt, sondern hörst nur den Tonfall.“

In einer Nachricht haben wir Sicherheit und Kontrolle – wir bestimmen das Tempo und können jederzeit antworten.“ Doch wie Halari und andere Experten betonen, haben Anrufe großen Wert: Sie stärken Beziehungen und heben die Stimmung. Wenn wir die vertraute Stimme eines geliebten Menschen hören, schüttet unser Gehirn Oxytocin aus – das Bindungshormon, das durch eine geschriebene Nachricht auf dem Bildschirm nicht ausgelöst wird.

Wie wir die Freude am Telefonieren wiederfinden

Der Schlüssel scheint „wenig, aber regelmäßig“ zu sein. Josh Smith, Experte für die Kunst des Gesprächs und Autor von „Great Chat“, bietet eine einfache Methode gegen die Angst: „Eine neue Studie der Universitäten Sussex und Pennsylvania zeigt, dass Menschen mit sozialer Angst, die eine Woche lang täglich Gespräche initiieren, ihre Ängste abbauen können. So haben wir die volle Kontrolle über die Überwindung der Telefonangst.

„Fang klein an: Ruf tagsüber deinen Partner, deine Eltern oder deinen Mitbewohner an, um dich kurz zu melden. Am nächsten Tag ruf einen Freund spontan an, um zu plaudern. Schon bald hast du den Mut, unbekannte Nummern anzunehmen oder Kollegen anzurufen, um Dinge zu klären – statt passiv-aggressive E-Mails zu schreiben.“

Eloise Skinner, Psychotherapeutin, stimmt dem zu. Sie empfiehlt, positive Erlebnisse neu aufzubauen, damit Telefonate mit Verbundenheit und Zufriedenheit verbunden werden. „Die Anrufe müssen nicht häufig oder formell sein“, sagt sie. „Man kann mit gelegentlichen Anrufen starten und eine Routine entwickeln, um sich ab und zu telefonisch zu melden. Wenn wir uns an glückliche Telefonate erinnern, können sich unsere Gefühle beim Abnehmen verändern – aus Angst wird Vorfreude oder Spannung.

In den letzten Wochen habe ich bewusst mehr Telefonate initiiert, angefangen mit einem Freund, der ins Vereinigte Königreich gezogen ist. Nach ein paar Runden telefonischem Pingpong (ich erreichte ihn nicht, er mich nicht) sprachen wir etwa eine halbe Stunde über große und kleine Dinge: Liebe, Arbeit, Mittagessen. Wir tauschten ständig Nachrichten aus, aber dieses kurze Gespräch ließ mich wirklich verbunden fühlen. Ein paar Tage später brachte ein unerwarteter Anruf eines ehemaligen Kollegen uns innerhalb von Minuten zum Lachen – obwohl wir monatelang nicht gesprochen hatten. Keiner dieser Anrufe löste Angst aus, im Gegenteil: Sie bereiteten Freude. Wenn du ähnliche Ängste hast, probiere diese Methoden gerne aus.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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