Nach dem Ende meiner Ehe brauchte ich vor allem eines: einen Ort, der wieder meiner war. Ich dachte, das Schwerste läge bereits hinter mir. Ich hatte mich geirrt. Die eigentliche Zerreißprobe begann erst mit der Suche nach einer kleinen Mietwohnung – und sie brachte mich mehr als einmal an meine Grenzen.
Als ich von zu Hause auszog und eine Ehe hinter mir ließ, zog ich zunächst bei einem Freund ein. Ich hatte Glück: Zsolti bot mir das komplette Obergeschoss seines geräumigen Hauses an, ohne Gegenleistung, ohne Fristen. Ich hätte bleiben können, so lange ich wollte.
Aber es war nie mein Ziel, dauerhaft dort zu wohnen – auch wenn ich damals noch keine Ahnung hatte, wie es weitergehen sollte. Ich kam aus einer eigenen Immobilie und war überhaupt nicht auf die Kosten einer Mietwohnung eingestellt. Trotzdem spürte ich irgendwann ganz deutlich: Jetzt muss ich den Schritt in ein eigenständiges Leben wagen.
Eine unter tausend
Eine geübte Wohnungssucherin war ich nicht. Ich hatte nur eine vage Vorstellung davon, wie das kleine Zuhause aussehen sollte, in das ich gern einziehen würde – und natürlich ein festes Budget im Kopf.
Beim Durchklicken der Anzeigen musste ich allerdings blitzschnell einsehen: Meine Ansprüche und das Geld, das ich fürs Wohnen ausgeben konnte, lagen weit auseinander. Die ganze Stadt und das gesamte Umland kamen infrage, ich dachte mir, das mit dem Pendeln bekomme ich schon irgendwie hin.
Doch in der Gegend, die für mich ideal gewesen wäre, fand ich einfach nichts Passendes. Und hier erlebte ich zum ersten Mal ein Phänomen, das mich noch lange begleiten sollte: Viele Vermieter antworten überhaupt nicht.
Ich weiß, ich weiß – alle sind furchtbar beschäftigt, und auf jede Wohnungsanzeige melden sich Tausende …
Schwarzer Humor mitten in der Stadt
Trotz des holprigen Starts fand ich relativ schnell das kleine Nest, das mir ideal erschien. Ich hatte nie in der Innenstadt gewohnt, doch das Leben wollte es so: Eine frisch renovierte Erdgeschosswohnung in einem Altbau, mit Blick in den Innenhof, wurde mein Zuhause. Für einen Monat.
Schon am allerersten Tag wachte ich davon auf, dass jemand wie ein Tier brüllte. Ich konnte nicht orten, woher der Lärm kam – oder ob da gerade jemand misshandelt wurde, denn auch dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf.
Zuerst hoffte ich noch, es sei ein einmaliger Vorfall gewesen. Doch leider stellte sich heraus: Genau über mir wohnte ein Mann, der sich nicht im Griff hatte. Er stritt mit sich selbst, rannte durch die Wohnung, kratzte am Parkett, warf mit Stühlen – und das sind nur ein paar der Dinge, mit denen ich Tag für Tag konfrontiert war.
Da ich von zu Hause aus arbeite, bekam ich das komplette Programm mit – und irgendwann konnte ich mich nicht einmal mehr auf meine Arbeit konzentrieren.
Wie in einem Horrorfilm
Das eigentlich Absurde daran: Ich hatte bei der Besichtigung ausdrücklich nachgefragt, ob es besonders laute Nachbarn gebe. Natürlich lautete die Antwort: nein. Wie sich herausstellte, war es jedoch ein Problem, das seit Jahren bestand – die Hausverwaltung und die anderen Bewohner versuchten es in den Griff zu bekommen, indem sie immer wieder die Polizei riefen.
Als ich mich beim Vermieter meldete, war das am Ende auch sein einziger Ratschlag. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich in meinem seelischen und körperlichen Zustand genau das nicht gebrauchen konnte. Und das war nur eine von vielen Merkwürdigkeiten.
Die Galeriewohnung wurde von einer Klimaanlage beheizt – und weil das Innengerät völlig falsch platziert war, wärmte es den unteren Bereich überhaupt nicht auf. Super. Die Lösung des Vermieters: Ich solle doch einfach einen Heizlüfter einstecken. Als wäre das eine ernsthafte Antwort auf so eine Situation.
Nach ein paar Tagen kam heraus, dass der Vormieter den Abfluss nie gereinigt hatte, sodass ich mich zusätzlich mit dem aufsteigenden Kanalgeruch herumschlagen durfte. Ich fühlte mich tatsächlich wie in einem Horrorfilm – zum Horrorpreis.
Ich, das Allroundtalent
Ich bin der Typ, der versucht, alles selbst zu lösen. Ich studierte den Raum und die Möglichkeiten aus lüftungstechnischer Sicht, ließ mich von einer KI, einem Freund und Klima-Fachleuten beraten, um die Wohnung im Winter bewohnbar zu machen. Ich ließ den Abfluss reinigen, Dichtungen anbringen, wo keine waren, und ging die Probleme noch auf tausend andere Arten an.
Der Vermieter war kooperativ, aber ich spürte, wie ihm langsam die Geduld ausging. Nun, mir auch. Also machte ich mich unter Zeitdruck auf die Suche nach einer neuen Wohnung und kündigte an, zum Monatswechsel auszuziehen.
Ich wollte über die Vertragsstrafe verhandeln, schließlich zog ich nicht deshalb vorzeitig aus, weil mir gerade danach war. Natürlich musste ich den vollen Betrag zahlen – obwohl ich der Meinung bin, dass es sich ganz klar um einen Fall höherer Gewalt handelte.
Leider hatte ich damals nicht die Kraft, mir rechtliche Hilfe zu holen. Und natürlich hörte ich auch den Satz, ich sei einfach zu empfindlich. Ja, ich weiß. Aber ich glaube nicht, dass das Ertragen eines aggressiven Nachbarn, 17 Grad im Wohnbereich und all der übrige Wahnsinn zu dem gehören, was man für so viel Geld erwarten darf.
Freiheit – irgendwann später
Die zweite Wohnung schien ideal: Blick auf den Gellértberg, direkt auf die Freiheitsstatue, Ruhe und Stille. Ehrlich gesagt bemerkte ich anfangs nicht einmal, dass ich überhaupt Nachbarn hatte. Wunderbar. Und weil ich gezielt einen Ort ohne feste Mindestlaufzeit gesucht hatte, war ich umso glücklicher.
Drei Tage später kam die böse Überraschung. Ich sitze mitten in der Arbeit, es klopft. Vor der Tür stehen der Vermieter und noch etwa vier weitere Leute – sie seien gekommen, um sich die Wohnung anzusehen. Welche Wohnung?, fragte ich. Die, in der ich wohne? Es stellte sich heraus, dass sie verkauft wurde – nur mir hatte man vergessen, das zu sagen.
Natürlich machte ich sofort klar, dass das so nicht geht, und fragte, womit ich denn eigentlich rechnen müsse, falls jemand die Wohnung kauft. Man versprach mir, sie werde nur an einen Investor verkauft, der mich als Mieterin übernimmt.
Spätestens beim dritten Kaufinteressenten wurde klar, dass das nicht ganz so laufen würde – einer plante sogar schon, wohin er seine Kommode stellen wollte. Das Sahnehäubchen: Diese Besichtigungen wurden oft nicht angekündigt, oder man meldete sich eine halbe Stunde vorher, kam eine halbe Stunde zu spät oder gar nicht.
Das Fass läuft über
Beim sechsten Mal, als man einfach durch mein Leben marschierte, wurde mir endgültig klar: Ich möchte nicht warten, bis der Vermieter mir den Vertrag kündigt – und eine weitere Mietwohnung will ich auch nicht.
Ich hatte genug von den Widrigkeiten, genug von diesem Gefühl, ausgeliefert zu sein. Also holte ich tief Luft und beschloss: Auch wenn ich noch nicht wusste, was aus dem gemeinsamen Haus mit meinem Mann werden würde – ich kaufe mir eine kleine Wohnung.
Doch die Reihe der „Abenteuer“ war damit noch längst nicht zu Ende. Es war naiv zu glauben, dass ich im Handumdrehen mein eigenes kleines Nest haben würde …
Warum ist die Wohnungssuche nach einer Trennung so schwierig?
Nach einer Trennung startet man oft ohne Vorbereitung und mit einem knappen Budget in die Suche. Wie in meinem Fall passen Ansprüche und finanzielle Mittel selten zusammen – und viele Vermieter melden sich auf Anfragen gar nicht erst zurück.
Was kann man bei einer Wohnungsbesichtigung tun, um böse Überraschungen zu vermeiden?
Ich hatte ausdrücklich nach lauten Nachbarn gefragt – und trotzdem eine falsche Antwort bekommen. Gezieltes Nachfragen hilft, garantiert aber leider nicht, dass man die ganze Wahrheit erfährt.
Muss man bei einem vorzeitigen Auszug die volle Vertragsstrafe zahlen?
In meinem Fall musste ich den vollen Betrag zahlen, obwohl ich es für einen klaren Fall höherer Gewalt hielt. Ohne rechtliche Unterstützung ist es schwer, dagegen etwas auszurichten.
Darf der Vermieter die Wohnung während des Mietverhältnisses zum Verkauf anbieten?
Mir passierte genau das – Besichtigungen mit Kaufinteressenten fanden oft unangekündigt statt. Ein Versprechen, nur an einen Investor zu verkaufen, der mich übernimmt, gab mir am Ende keine echte Sicherheit.











