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„Dass ein Mann bei der Geburt dabei ist, ist ein größeres Opfer als die Schmerzen der Mutter" – Der erschreckende Doppelstandard beim weiblichen Körper

Angela Fischer5 Min. Lesezeit
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„Dass ein Mann bei der Geburt dabei ist, ist ein größeres Opfer als die Schmerzen der Mutter" – Der erschreckende Doppelstandard beim weiblichen Körper — Beziehung
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Männer finden Frauenkörper attraktiv – aber sobald dieser Körper irgendetwas tut, was er nun mal tut, ist der Ekel groß. Ein Doppelstandard, der sich durch Beziehungen, Freundschaften und den Alltag zieht. Und der mehr verrät, als vielen bewusst ist.

Der Doppelstandard

Peniswitze, Penisfotos, Penisskulpturen als Partygag – alles völlig normal, wer sich daran stört, gilt schnell als prüde. Aber sag das Wort Klitoris, Menstruation oder Vagina – und plötzlich weichen die Männer zurück, als hättest du etwas Anstößiges gesagt. Als wäre der weibliche Körper in Ordnung, solange er funktioniert wie gewünscht, aber sobald er sich als das zeigt, was er ist, wird er zum Problem.

„Igitt – pack das sofort weg!"

Ich stand in der Küche und spülte ab, als aus dem Bad ein angewidertes „Igitt, pack das sofort weg!" zu mir herüberschallte. Ich rief zurück, was er meine. Die Antwort kam mit einem Ton tiefer Abscheu: „Tampon." Kurzes Herzstolpern meinerseits – hatte ich etwa einen benutzten Tampon liegen lassen? Nein. Es war die offen stehende Tamponschachtel, die ihn so aus der Fassung gebracht hatte. In diesem Moment dachte ich: Wenn ihn das schon so verstört, was würde er wohl sagen, wenn ich eines Tages ein Kind bekomme und stille? Ich wusste damals bereits, dass er nicht der Vater meiner Kinder werden würde.

„Das kann ich wirklich nicht von mir erwarten"

Mein damaliger Freund weigerte sich, mir meine Menstruationstasse ins Bad zu bringen – sie lag in einem kleinen Samtbeutel, er hätte sie also weder sehen noch anfassen müssen. Trotzdem: Er lehnte ab. Das sei „wirklich zu viel verlangt".

Und als ich ihn ein anderes Mal bat, beim Einkaufen Binden mitzunehmen, verweigerte er auch das. Er sei doch nicht ihr Mädchen für alles, so seine Begründung. Für jemanden, dessen Körper sich jeden Monat verändert und der dabei auf Unterstützung angewiesen ist, ist das keine Kleinigkeit – das ist eine Aussage über Respekt.

„Zsoltikám, lass uns kurz rausgehen…"

Wir besuchten ein befreundetes Paar mit einem Neugeborenen. Alle standen gerührt um das schlafende Baby, als ich die Mutter fragte, ob sie gut Milch habe. Der Vater verkündete daraufhin theatralisch: „Komm, lass uns kurz rausgehen, solange die Frauen über ihre Frauensachen reden" – und die Männer verließen kichernd den Raum.

Ich verstand es nicht. Was für ein Vater kann es nicht einmal hören, dass sein Kind gestillt wird? Wie soll das funktionieren, wenn das Baby um drei Uhr nachts schreit und die Mutter Unterstützung braucht?

Wenn der Körper das tut, wofür er da ist

Bei einem Abendessen – alle Anwesenden hatten kleine Kinder – erzählte eine Frau, dass ihr beim Stillen manchmal schon der Anblick ihres Babys tagsüber gereicht hatte, damit die Milch einschoss. Eine völlig normale physiologische Reaktion. Die Männer am Tisch verzogen das Gesicht, als hätte jemand etwas Unaussprechliches gesagt. Einer stand auf und verschwand Richtung Toilette – um sich, wie es schien, zu übergeben.

Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster.

„Danach könnte ich nicht mehr mit ihr schlafen"

Ein Kollege verkündete stolz, dass er Vater wird. Nach den Glückwünschen fragte eine Kollegin unschuldig, ob sie eine Geburt mit Partner planen. Der bis dahin sympathische Mann lachte und sagte: „Um Gottes willen, nein – danach könnte ich nicht mehr mit ihr schlafen!" Die männlichen Kollegen nickten grinsend, die Frauen tauschten schweigend Blicke aus.

Niemand sagte etwas. Aber alle dachten dasselbe.

Das größte „Opfer" – angeblich

Mein Bruder war bei der Geburt seines Sohnes dabei. Die Familie feierte ihn wie einen Helden. Seine Frau – die 18 Stunden lang mit einem fast vier Kilogramm schweren Baby in den Wehen lag – wurde von niemandem außer mir gewürdigt.

Dass ein Mann bei der Geburt dabei ist, gilt als größeres Opfer als die Schmerzen der Mutter. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Die große Brustdebatte

Auf einer Party durfte ich einer einstündigen Diskussion von fünf angetrunkenen Männern über Brüste beiwohnen. Großer Busen sei besser als kleiner – aber großer Busen hänge irgendwann. Das könne man zwar operieren, aber Silikon sei ja auch nicht das Wahre. Natürlich sei besser, aber natürlich sei eben entweder zu klein oder zu groß und hänge dann sowieso bald. Kein Körper bestand den Test. Kein einziger.

Einseitige Erwartungen

Beim ersten Date erklärte mir ein Mann, dass er Frauen keinen Oralsex gibt – das sei „nichts für ihn." Ich fragte, ob er das umgekehrt von seiner Partnerin erwarte. „Natürlich, bei jedem Mal", antwortete er ohne zu zögern.

Ich versuchte, ruhig zu bleiben, und fragte ihn, ob er schon mal darüber nachgedacht habe, dass er vielleicht schwul sein könnte – wenn er zwar Sex mit Frauen will, aber nichts mit dem weiblichen Körper zu tun haben möchte. Er war empört. Ich fand die Frage völlig berechtigt.

„Hallo, Mädels!"

Ein Mann erzählte einen Witz: Was sagt ein Blinder, wenn er am Fischmarkt vorbeigeht? „Hallo, Mädels!" Alle Männer lachten. Ich fragte, was er wohl sagt, wenn er am Käseladen vorbeigeht. „Hallo, Jungs?" Niemand lachte. Stattdessen beleidigte Blicke.

Über den Intimgeruch von Frauen darf man Witze machen. Über den von Männern nicht. Als wären Männer von Natur aus ein Blumengarten und Frauen das Gegenteil davon.

Der weibliche Körper ist kein Objekt, das man nach Belieben bewundern oder ablehnen kann. Er ist ein menschlicher Körper – mit allem, was dazugehört. Wer das nicht akzeptieren kann, sollte ehrlich darüber nachdenken, was er wirklich von Frauen erwartet.

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