1. Phase: Abhängigkeit
Manche werden sehr früh selbstständig, weil sie lernen, dass sie sich oft auf niemanden verlassen können. Andere erhalten zu viel Aufmerksamkeit und Verwöhnung, stehen immer im Mittelpunkt und müssen nie eigene Herausforderungen meistern. Dadurch fehlt ihnen das nötige Selbstvertrauen und die innere Stärke. Wer praktisch nie aus dieser Phase herauskommt, erwartet auch als Erwachsener, dass andere ihre Probleme lösen und ihr Leben lenken.
2. Phase: Gegenabhängigkeit
Diese Phase ist geprägt von persönlicher Verantwortung und Eigeninitiative. Nicht alle schaffen es vollständig, sie zu verlassen. Kinder, die Konflikte und starke Gefühle fürchten, können sich nicht von ihren Eltern lösen. Selbst in den Dreißigern oder später können sie noch wegen Kindheitstraumata wütend auf ihre Eltern sein und ihnen Misserfolge anlasten. Manche rebellieren dann oder holen nach, was sie als Teenager verpasst haben.
Erwachsene, die in dieser Phase stecken bleiben, sehen oft nur, was sie nicht sein konnten, statt was sie geworden sind. Sie neigen zu Abhängigkeiten oder toxischen Beziehungen und fühlen sich ständig wütend und einsam – sie trotzen der Welt, obwohl sie längst keine Teenager mehr sind.
3. Phase: Unabhängigkeit
Diese Phase ist – so sehr wir sie uns wünschen – sehr zerbrechlich, besonders in den ersten Jahren. Wir sind noch halb in der Gegenabhängigkeit, kämpfen mit realen und großen Ängsten und fürchten unbewusst, zurückzufallen. Gleichzeitig ist es beängstigend, sich die Frage zu stellen, ob es überhaupt einen Rückweg gibt, denn die Verantwortung liegt jetzt bei uns. Viele trotzen noch ein wenig, indem sie zum Beispiel keine Unterstützung von ihren Eltern annehmen oder niemanden um Hilfe bitten. Sie hüten ihre frisch gewonnene Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wie einen Schatz.
Kinder, die Traumata erlebt haben, schaffen es ohne Hilfe kaum in diese Phase. Und auch diejenigen, die hier zu starr bleiben, kommen nicht weiter. Wer Zusammenarbeit als Schwäche sieht, bleibt zwar unabhängig, versteht aber nicht, dass er mehr bewirken kann, wenn er andere in sein Leben einbezieht.
4. Phase: Interdependenz
Hilfe anzunehmen macht uns nicht schwach, und Unterstützung zu suchen heißt nicht, dass wir es allein nicht schaffen könnten. Es bedeutet nur, dass es alleine länger dauern würde. Jetzt vertrauen wir anderen genug, um um Hilfe zu bitten, und wissen, dass unsere Liebsten uns Halt geben können.
Die Herausforderung in dieser Phase ist, die Balance zu halten: anderen erlauben zu helfen, aber selbst die Führung im eigenen Leben behalten.











