Ihr Name steht in kaum einem Schulbuch. Dabei hat sie eine der folgenreichsten Entdeckungen der Wissenschaftsgeschichte gemacht – lange bevor die Welt überhaupt verstand, was der Klimawandel bedeutet. Eunice Newton Foote erkannte als Erste, wie Kohlendioxid die Erde aufheizt. Und trotzdem wurde sie vergessen.
Eine Frau mit Wissensdurst in einer Welt, die ihr keine Türen öffnete
Eunice Newton Foote wurde 1819 im US-Bundesstaat Connecticut geboren. Von früh an interessierte sie sich leidenschaftlich für die Naturwissenschaften – zu einer Zeit, in der Frauen der Zugang zu Bildung und Forschung weitgehend verwehrt war. Dass sie trotzdem wissenschaftlich arbeitete, war alles andere als selbstverständlich.
Ihr Forschungsschwerpunkt lag auf dem Zusammenhang zwischen atmosphärischer Temperatur und verschiedenen Gasen. In einem ihrer wichtigsten Experimente füllte sie unterschiedliche Gase – darunter Kohlendioxid – in Glaszylinder und setzte sie dem Sonnenlicht aus. Das Ergebnis war eindeutig: CO₂ erhitzte sich deutlich stärker als normale Luft. Foote hatte damit die physikalische Grundlage des Treibhauseffekts beschrieben.
Veröffentlicht, ignoriert, vergessen
Ihre Erkenntnisse wurden 1856 im renommierten American Journal of Science veröffentlicht – nur drei Jahre nachdem Joseph Fourier theoretisch beschrieben hatte, dass die Erdatmosphäre wie ein Treibhaus wirken könnte. Doch während Fourier auf der Ebene der Theorie blieb, lieferte Foote konkrete Messdaten. Ihre Arbeit war präziser, greifbarer – und hätte eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient.
Stattdessen geriet Footes Forschung fast vollständig in Vergessenheit. Als Entdecker des Treibhauseffekts gilt bis heute der britische Wissenschaftler John Tyndall – obwohl er seine Ergebnisse erst Jahre nach ihr veröffentlichte.
Der Grund für diese Ungerechtigkeit liegt auf der Hand: Frauen waren im wissenschaftlichen Betrieb des 19. Jahrhunderts schlicht nicht vorgesehen. Foote wurde von den großen wissenschaftlichen Gesellschaften ausgeschlossen, ihre Entdeckungen fanden kein Gehör – und so verschwanden sie aus dem kollektiven Gedächtnis.
Eine historische Ungerechtigkeit mit Folgen bis heute
Eunice Newton Footes Geschichte ist kein Einzelfall – sie steht exemplarisch dafür, wie systematisch Frauen aus der Wissenschaftsgeschichte herausgeschrieben wurden. Ihre Forschung hätte den Diskurs über den Klimawandel möglicherweise um Jahrzehnte vorverlagert. Was sie geleistet hat, verdient heute mehr Anerkennung denn je – nicht nur als historische Fußnote, sondern als Fundament moderner Klimaforschung.
Wer sich fragt, warum Mädchen und junge Frauen in der Wissenschaft noch immer unterrepräsentiert sind, findet in Footes Geschichte einen Teil der Antwort. Welches Bild von Wissenschaft wir Kindern vermitteln, hat weitreichende Konsequenzen – damals wie heute.
Was wir von einer vergessenen Wissenschaftlerin lernen können
Footes Beispiel erinnert uns daran, dass wissenschaftliche Glaubwürdigkeit nichts mit dem Geschlecht zu tun hat – sondern mit der Qualität der Arbeit. Ihre Entdeckungen sind heute ein anerkannter Teil der Klimaforschung. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit sichtbar zu machen und zu korrigieren.
Eunice Newton Foote wird vielleicht nie so bekannt sein wie Albert Einstein. Aber ihr Name gehört in jedes Lehrbuch über den Klimawandel – und ihre Geschichte sollte all jene inspirieren, die trotz Widerständen ihrer Neugier folgen.











