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Die Wissenschaft hinter Neid: Warum es wirklich weh tun kann

Margarete Wolf3 Min. Lesezeit
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Die Wissenschaft hinter Neid: Warum es wirklich weh tun kann — Lebensstil

Ich bin mir sicher, die meisten Menschen denken von sich, sie seien nicht neidisch. Aber was, wenn Neid nicht immer das ist, was wir glauben? Es ist nicht unbedingt dieses dunkle, bösartige Gefühl, von dem wir uns am liebsten distanzieren würden, sondern vielmehr eine instinktive, zutiefst menschliche Reaktion. Ein Spiegel, der zeigt, wonach wir uns sehnen, was uns fehlt oder wo wir uns zurückgesetzt fühlen. Auch wenn wir es nicht gern zugeben, ist Neid in unserem Leben präsent und berührt laut Wissenschaft nicht nur unsere Seele, sondern buchstäblich auch unseren Körper.

Studien belegen, dass unser Gehirn beim Neid dieselben Bereiche aktiviert wie bei körperlichem Schmerz. Neurologen der japanischen Keio-Universität zeigten etwa, dass beim Gedanken an jemanden, den man beneidet – etwa einen erfolgreichen Kollegen oder einen Freund, der gerade erreicht hat, wonach man selbst strebt – der für Schmerz zuständige Teil des Gehirns, der anteriore cinguläre Kortex, aktiv wird.

Mit anderen Worten: Neid tut nicht nur sprichwörtlich weh, sondern auch biologisch. Diese Reaktion ist aus evolutionärer Sicht gut nachvollziehbar. Neid funktioniert als Warnsystem. Er macht uns aufmerksam darauf, dass jemand etwas hat, das wir auch wollen. Für unsere Vorfahren war das ein Antrieb zum Überleben. Wenn jemand bessere Werkzeuge, mehr Nahrung oder einen sichereren Unterschlupf hatte, motivierte Neid die anderen, es ihm gleichzutun. Heute, wo soziale Medien uns ständig das „perfekte“ Leben anderer zeigen, kann dieser natürliche Impuls schnell toxisch werden.

Es gibt zwei Arten von Neid

Forschungen unterscheiden zwei Arten von Neid: bösartigen und inspirierenden Neid. Ersterer entsteht, wenn wir den Erfolg anderer als Bedrohung empfinden und oft Ärger, Minderwertigkeitsgefühle oder sogar Wut spüren.

Inspirierender Neid hingegen spornt uns an, uns weiterzuentwickeln, zu lernen und selbst das zu erreichen, was wir bei anderen sehen. Interessanterweise sind Menschen, die Neid in Motivation verwandeln können, glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben.

Wissenschaftler betonen auch, wie wichtig es ist, auf wen wir neidisch sind. Neid auf nahe stehende Personen wie Freunde, Kollegen oder Geschwister ist intensiver. Denn dann spüren wir nicht nur materielle oder soziale Unterschiede, sondern fühlen auch eine Bedrohung unseres Selbstwerts. Psychologen nennen das „Selbstwertbedrohung“. Je ähnlicher uns die Person ist, desto stärker wirkt ihr Erfolg auf uns.

Die gute Nachricht: Neid ist nicht nur unvermeidlich, sondern kann auch nützlich sein, wenn wir lernen, damit umzugehen. Der Schlüssel liegt in der Selbstreflexion. Wenn wir das nächste Mal merken, dass uns der Erfolg eines anderen sticht, lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu fragen: Was sagt das über mich aus? Was fehlt mir, das ich bei der anderen Person sehe? Solche Fragen helfen, negative Gefühle in echte Selbsterkenntnis zu verwandeln.

Studien zeigen außerdem, dass Menschen, die Dankbarkeit üben, seltener Neid empfinden. Das überrascht nicht, denn wer bewusst wahrnimmt, was er hat, fühlt weniger, dass andere „besser dran“ sind. Neid ist also kein Feind, sondern ein Warnsignal. Es liegt an uns, ob es Bitterkeit oder Inspiration in uns entfacht. Denn der Schmerz, den wir fühlen, entsteht nicht durch den Erfolg anderer, sondern weil wir tief in uns wissen, dass wir das Potenzial für dasselbe haben – wir haben nur noch nicht den ersten Schritt gewagt.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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