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Je mehr du scheiterst, desto erfolgreicher kannst du werden – aber nicht so, wie du denkst

Deborah Keller4 Min. Lesezeit
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Je mehr du scheiterst, desto erfolgreicher kannst du werden – aber nicht so, wie du denkst — Lebensstil
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In Zeiten von Social Media ist es leicht, das Gefühl zu bekommen, dass alle anderen weiter sind, erfolgreicher und selbstsicherer als man selbst. Während fremde Karrieren, Beziehungen und Lebensstile makellos wirken, erleben viele ihre eigenen Misserfolge als persönliches Versagen. Dabei sagen Experten: Genau das Scheitern kann eines der wertvollsten Werkzeuge für Wachstum sein – nur eben nicht so, wie es motivierende Zitate gerne darstellen.

Lybi Ma, leitende Redakteurin der Psychology Today, ist überzeugt: Erfolgreiche Menschen kommen nicht weiter, weil sie Fehler vermeiden – sondern weil sie gelernt haben, gesund mit Misserfolgen umzugehen. Es geht nicht darum, das Scheitern zu romantisieren, sondern darum, wieder aufstehen zu können.

Nicht jeden Misserfolg muss man überwinden

Die moderne Selbstoptimierungskultur predigt gerne: „Gib niemals auf." Das klingt auf den ersten Blick inspirierend – schafft aber häufig unrealistische Erwartungen. Manche Situationen funktionieren schlicht nicht. Das zu akzeptieren ist keine Schwäche, sondern Reife.

Lybi Ma verweist auf einen bemerkenswerten chinesischen Begriff: suanle bedeutet so viel wie „es ist verbittert" oder „es ist verdorben" – ein Ausdruck dafür, dass man erkennt, dass in einer bestimmten Situation keine realistische Fortsetzung mehr möglich ist, und deshalb einen neuen Weg einschlägt. Ähnlich bedeutet mei banfa schlicht: „Es gibt keinen Weg."

Diese Haltung unterscheidet sich grundlegend vom westlichen Denken, das auf permanenten Kampf setzt. Es geht nicht darum, Wände um jeden Preis zu durchbrechen – sondern zu erkennen, dass wahre Stärke manchmal darin liegt, die Richtung zu wechseln.

Scheitern ist kein persönlicher Fehler

Der Evolutionspsychologe Glenn Geher betont: Misserfolg sollte niemals als persönliches Versagen interpretiert werden. Seiner Beobachtung nach sind die erfolgreichsten Menschen oft genau jene, die im Leben die meisten Rückschläge erlebt haben.

Schwierigkeiten bauen mentale Widerstandskraft auf.

Wer bereits mehrfach enttäuscht wurde, verloren oder neu angefangen hat, bleibt beim nächsten Hindernis stabiler. Nicht weil er das Scheitern liebt – sondern weil er gelernt hat, damit umzugehen.

Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der viele schon früh das Gefühl haben, irgendwie zurückgeblieben zu sein. Social Media zwingt uns zum ständigen Vergleich, während online jeder nur seine beste Version zeigt. Schnell entsteht der Eindruck, alle anderen kämen mühelos voran – während man selbst auf der Stelle tritt.

Zu viel Selbstvertrauen kann nach hinten losgehen

Experten weisen auch auf eine andere Falle hin: Wer so erzogen wurde, dass er sich stets als besonders oder außergewöhnlich talentiert erlebt, tut sich im Erwachsenenleben oft schwer mit Misserfolgen. Übermäßige Absicherung und das Fernhalten von Schwierigkeiten in der Kindheit kann dazu führen, dass man später kaum Werkzeuge hat, um mit Niederlagen umzugehen.

Viele wachsen mit dem Glauben auf, dass alles möglich ist, wenn man es nur stark genug will. Die Realität ist komplexer. Nicht jeder Traum erfüllt sich genau so, wie wir es uns vorgestellt haben – und das bedeutet nicht, dass wir weniger wert sind.

Das Leben bietet oft neue Richtungen an. Lybi Ma nennt das Beispiel eines jungen Sportlers, der es nicht in den Profieishockey-Betrieb schaffte – und trotzdem eine erfolgreiche Karriere im Gesundheitswesen aufbaute. Scheitern ist also oft kein Ende, sondern eine Weiche in eine andere Möglichkeit.

Scheitern muss nicht glorifiziert werden

Die Motivationskultur neigt dazu, Misserfolge zu idealisieren – als wäre jede Enttäuschung automatisch der Vorraum zu einem großen Erfolg. Lybi Ma hält auch das für keine gesunde Haltung.

Nicht jede Niederlage birgt eine tiefe Lektion oder ein „verstecktes Geschenk". Manchmal laufen die Dinge einfach schief. Und auch das gehört zum Leben.

Übermäßiges Selbstmitleid hilft genauso wenig wie das Feiern des Scheiterns. Hilfreicher ist es, die Situation nüchtern zu betrachten: die Lehren ziehen – und dann weitergehen.

So gehst du gesund mit Misserfolgen um

Die Grundlage psychologischer Entwicklung ist Akzeptanz. Experten sind sich einig: Was wirklich hilft, ist, sich nicht in Scham oder Selbstkritik zu verlieren.

Stattdessen lohnt es sich:

  • sich auf echte Ziele zu konzentrieren – nicht auf bloße Leistung,
  • negative Gefühle wahrzunehmen und zu beobachten, ohne sich von ihnen mitreißen zu lassen,
  • Fehler nicht endlos zu analysieren,
  • die Lehren zu ziehen,
  • neue Strategien auszuprobieren,
  • und es erneut zu versuchen.

Misserfolg ist nicht zwangsläufig das Gegenteil von Erfolg – er ist oft ein Teil davon. Man muss ihn nicht lieben oder feiern. Aber man kann lernen, mit ihm zu leben, ohne das Vertrauen in sich selbst zu verlieren.

Das wahre Geheimnis des Erfolgs ist oft der Neuanfang

Wirklich erfolgreiche Menschen sind nicht fehlerlos. Sie sind anpassungsfähig. Sie können umdenken, verändern und eine neue Richtung finden – auch dann, wenn etwas nicht funktioniert.

Scheitern ist also keine Sackgasse. Manchmal ist es einfach das Zeichen, dass es Zeit ist, anders weiterzumachen.

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