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„Gefällt mir jemand, schreib ich einfach auf Instagram" – Ist die Kunst des Flirtens ausgestorben?

Szőke Angéla4 Min. Lesezeit
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„Gefällt mir jemand, schreib ich einfach auf Instagram" – Ist die Kunst des Flirtens ausgestorben? — Beziehung
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Eine vergangene Kunst

Mit Mitte vierzig ertappe ich mich dabei, einer Zeit nachzutrauern, in der ein einziger Blick über einen vollbesetzten Tisch mehr sagen konnte als zehn Nachrichten. Damals war Flirten ein kleines, aufregendes Spiel – voller Andeutungen, schlagfertiger Bemerkungen und dieser prickelnden Spannung, die man nur dann spürt, wenn man weiß: Da passiert gleich etwas.

Heute? Eine Kollegin hat mir kürzlich lachend erzählt, dass ihr Verlobter ihr per Chat einen Ringemoji mit Fragezeichen geschickt hat – und das war der Heiratsantrag. Sie fand es süß. Ich war entsetzt.

„Ich bin nicht so der Typ für Worte"

„Ich bin nicht so der Typ für Worte."

Das sagte mir neulich mein Neffe, als ich ihn aufforderte, endlich mit dem Mädchen zu reden, das ihn beim Stadtbummel aus der Gruppe heraus angeschaut hatte. Ich erklärte ihm, dass Flirten gar keine große Rede braucht – ein Blickkontakt, eine Tür aufhalten, ein kleines, aufmerksames Lächeln reicht völlig aus.

Was passierte stattdessen? Er schlich sich schüchtern zu ihr, fragte nach ihrem Instagram-Account, und sie chatteten zwei Tage lang – bis das Ganze im Nichts versandete. Genau das zeigt, warum echtes Flirten so wertvoll ist: Es verrät dir schon früh, ob zwischen euch Chemie besteht.

Warum Flirten heute vom Aussterben bedroht ist

Ich habe das Thema kürzlich mit Freundinnen diskutiert, und wir waren uns einig: Flirten ist zur Seltenheit geworden. Ein männlicher Bekannter meinte, Flirten funktioniere nur, wenn man attraktiv sei. Quatsch.

Ich erinnere mich noch genau an einen Mann, der mich einmal mit nichts als seinem Charme vollkommen um den Verstand gebracht hat. Groß war er nicht, umwerfend aussehend auch nicht – aber er warf mir vom anderen Ende des Tisches diesen Blick zu, sagte genau das Richtige im richtigen Moment, und als er mir am Ende des Abends den Mantel hielt und seine Hand eine Sekunde länger auf meiner Schulter ruhte als nötig, war es um mich geschehen.

Kein Aufdrängen, kein Überrumpeln – einfach Selbstbewusstsein. Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem: Selbstbewusstsein ist heute Mangelware.

Chronisch online, aber menschlich offline

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt wirklich gut geflirtet habe – und ich vermisse es. Online-Dating und soziale Medien haben das spontane Kennenlernen fast vollständig verdrängt. Wer braucht noch einen mutigen Blick, wenn es eine App gibt?

Wir schauen kaum noch vom Handy auf. Wer soll da noch jemanden mit einem einzigen Blick einfangen? Und wenn uns doch jemand im echten Leben auffällt, dann suchen wir ihn nicht dort – wir googeln ihn, finden seinen Instagram-Account und schreiben ihm eine DM. Schriftlich. Ohne Stimme, ohne Blick, ohne das Kribbeln des Moments.

Wenn du wissen willst, warum Online-Partnersuche echte Verbindungen so schwer macht, bist du damit nicht allein.

Dabei ist Flirten keine Raketenwissenschaft

Das ist der Teil, der mich wirklich aufregt: Flirten ist nicht kompliziert. Es ist keine mystische Fähigkeit, die nur Auserwählten vorbehalten ist. Es ist eine ganz normale menschliche Interaktion.

Du gibst ein kleines Signal. Wenn die andere Person positiv reagiert – lächelt, antwortet, sich zuwendet – machst du weiter. Wenn nicht, lässt du es. Das war's. Warum fühlt sich das heute für so viele Menschen wie eine unmögliche Aufgabe an?

Flirten schützt beide Seiten

Ein weiterer Vorteil, den viele vergessen: Flirten ist sicherer als ein direkter Angriff. Auf einer Party, bei einem Abendessen oder einem Freundestreffen tauscht man Blicke und Worte aus – und wenn der Funke nicht überspringt, kann sich jeder elegant zurückziehen, ohne dass es peinlich wird.

Wenn jemand dagegen sofort mit „Darf ich deine Nummer haben?" aufmacht, ist das mutig – aber auch riskant. Denn ein Nein in diesem Moment ist für beide unangenehm. Flirten gibt euch beiden Zeit und Raum, um zu spüren, ob es sich lohnt.

Was Flirten wirklich bedeutet

„Du hast einen tollen Körper."

Das war der erste Satz, mit dem mich ein Mann ansprach, nachdem wir uns kurz angeschaut hatten. Als ich enttäuscht reagierte, sah er mich nochmal an und wiederholte es einfach. Jede Lust auf ein Gespräch war sofort weg.

Für mich ist Flirten Stimulation – das Vorspiel zum eigentlichen Kennenlernen. Die größte erogene Zone ist das Gehirn, und genau dort setzt echtes Flirten an. Ich erinnere mich an ein Abendessen, bei dem ich – obwohl damals nicht single – mit einem Bekannten eines Bekannten so brillant geflirtet habe, dass ich noch tagelang an seine schlagfertigen Antworten und seine bedeutsamen, aber respektvollen Blicke gedacht habe. Niemand hat jemanden betrogen, wir haben uns nie wiedergesehen – und trotzdem ist es eine meiner liebsten Erinnerungen geblieben.

Das ist die Magie des Flirtens. Und es wäre schade, sie für immer zu verlieren.

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