Senk deine Ansprüche nicht – aber es gibt Dinge, die du loslassen solltest.
Wir alle haben eine lange Wunschliste im Kopf, wenn es um die große Liebe geht. Doch manchmal ist nicht der andere das Problem, sondern der Maßstab, den wir anlegen. Vielleicht bist ja du diejenige, die sich selbst im Weg steht?
Ehrlich zu sich selbst sein
Über andere urteilen wir schnell und gerne. Bevor wir das tun, lohnt sich aber ein ehrlicher Blick nach innen: Wo stehen wir selbst eigentlich im Leben?
Bevor du in dein Dating-Profil schreibst, dass du jemanden suchst, der 200 Bücher im Monat liest, die Welt bereist, 14 Sprachen spricht, den Everest ohne Sauerstoff besteigt, fünfzig Tierheime unterstützt, in seiner Freizeit ehrenamtlich arbeitet, dabei richtig gut verdient und natürlich groß, sportlich, gut aussehend und obendrein hingebungsvoll ist, dir jeden Wunsch von den Augen abliest und dich rundum glücklich macht – tja, dann ist vielleicht ein wenig Selbstreflexion angebracht.
Denn vielleicht liegen wir selbst am liebsten den ganzen Tag vor Netflix und haben seit dem Abitur kein Buch mehr in der Hand gehabt.
Die Chemie
Es ist ein Fehler, auf den sofortigen Funken zu warten. Vielleicht gab es eine Liebe, mit der vom ersten Moment an alles gestimmt hat – aber das heißt nicht, dass es künftig bei jedem anderen genauso sein muss.
Chemie bedeutet nur, dass wir uns zu jemandem hingezogen fühlen – nicht, dass wir wirklich zusammenpassen.
Der erste Fehler
Viele streichen einen potenziellen Partner schon nach dem ersten Fehltritt von der Liste. Dabei läuft beim Kennenlernen nun mal nicht alles perfekt.
Vielleicht wusste der andere gar nicht, dass er etwas Falsches tut. In so einem Fall solltest du ihn nicht wegschicken, sondern das Gespräch suchen. Weiß er dagegen längst, dass dich etwas stört, und tut es trotzdem wieder – dann ist Ärger berechtigt.
Du musst also niemanden sofort blockieren, nur weil er ein Date abgesagt hat. Vielleicht ist ihm wirklich etwas dazwischengekommen. Verabschiede dich erst dann, wenn sich das schlechte Verhalten wiederholt und zum Muster wird.
Die Erwartungen
Soziale Medien und Filme beeinflussen uns stärker, als wir es uns je eingestehen würden – dabei ist das eine künstliche Welt, die mit der Realität nichts zu tun hat.
Jage nicht dem gefilterten, überromantisierten Bild hinterher, sondern such das, was dich wirklich glücklich macht.
Das Gepäck
Ich habe eine schlechte Nachricht: Über 30 startet niemand mehr mit einem unbeschriebenen Blatt – du kannst also nicht erwarten, dass da keine Vergangenheit ist.
Es gibt keinen Menschen, dem in diesem Alter nicht mindestens einmal das Herz gebrochen wurde – manche haben sogar schon eine Scheidung hinter sich. Nach einer solchen seelischen Verletzung öffnen wir uns schwerer und fassen langsamer Vertrauen.
Trotzdem gilt: Du solltest niemanden abschreiben, nur weil er eine Vergangenheit hat. Jeder trägt positive und negative Liebeserfahrungen mit sich – außer vielleicht Teenager, die ihre erste große Liebe gerade erst erleben.
Wir Erwachsenen müssen den anderen mit genau dem Gepäck annehmen, mit dem er kommt. Denn all diese Erfahrungen haben ihn zu dem Menschen gemacht, der heute vor uns steht.
Wer über 30 alle aussortiert, die geschieden sind oder eine große Enttäuschung hinter sich haben, schränkt seine Möglichkeiten drastisch ein.
Die vermeintliche Telepathie
Frauen vergessen gern, wie fein und vielschichtig sie kommunizieren. Ein Tonfall, ein Blick, eine Geste – wir verstehen uns oft mit halben Worten. Männer ticken da völlig anders: Wenn ich es überspitzt sagen soll, sind sie oft geradlinig und schlicht gestrickt.
Sie deuten keine Geste, keinen Tonfall und keinen Blick – sie verstehen nur Worte. Und selbst da keine subtilen Andeutungen, sondern klare Aussagen. Du kannst nicht erwarten, dass ein Mann von selbst weiß, was du brauchst und dir wünschst. Gedanken lesen kann er nämlich nicht.
Natürlich ist es nicht leicht, sich jemandem zu öffnen und seine Seele preiszugeben. Aber genau das ist das Risiko, das wir für die Liebe eingehen.
Bedeutet das, ich soll meine Ansprüche senken?
Nein. Es geht nicht darum, den Maßstab herunterzuschrauben, sondern darum, unrealistische oder starre Erwartungen loszulassen, die dir eher im Weg stehen.
Sollte ich jemanden meiden, der eine Scheidung hinter sich hat?
Nein. Über 30 hat fast jeder eine Vergangenheit. Wer geschiedene oder enttäuschte Menschen grundsätzlich ausschließt, verkleinert seine Chancen erheblich.
Wann sollte ich das Kennenlernen wirklich beenden?
Erst dann, wenn sich schlechtes Verhalten trotz eines klärenden Gesprächs wiederholt und zum Muster wird – nicht schon nach einem einzigen Fehltritt.
Warum verstehen Männer manche Signale nicht?
Weil viele Männer eher auf klare Worte als auf feine Andeutungen, Blicke oder Gesten reagieren. Sag also offen, was du brauchst, statt darauf zu warten, dass er es errät.











