Meinungsartikel von Barbara Weber
Ich bin wahrscheinlich nicht die Einzige, die das so empfindet: Was die eigene Generation trägt, wirkt selbstverständlich, normal, stimmig. Was Ältere anziehen, hat manchmal etwas leicht Verstaubtes – als wäre die Zeit irgendwann stehen geblieben. Und was Jüngere tragen? Oft zu laut, zu viel, zu fremd. Aber ehrlich gesagt gilt das wohl in alle Richtungen. Jede Generation versteht sich selbst am besten – und betrachtet alle anderen mit einem kleinen Stirnrunzeln.
Jede Generation bringt ihr Eigenes mit
Die Wahrheit ist: Wir alle sehen die anderen ein bisschen verzerrt. Unser eigener Stil ist emotional aufgeladen – damit sind wir aufgewachsen, daran hängen Erinnerungen, er ist unser innerer Maßstab geworden.
Von dort aus wirkt alles andere entweder altmodisch oder unverständlich neu.
Dabei ist es eigentlich offensichtlich: Mode gehört keiner einzigen Generation. Es ist eher ein Kreislauf, bei dem jede Altersgruppe etwas einbringt – nur eben nicht dasselbe.
Die Generation Z geht an Mode ganz anders heran als alle vor ihr. Ob etwas „vorteilhaft" oder „angemessen" für einen bestimmten Anlass ist, interessiert sie herzlich wenig. Bei ihr dreht sich alles um Selbstausdruck. Sie kombiniert scheinbar Unpassendes, mischt Stile, spielt mit Geschlechterrollen, Schnitten und Proportionen – manchmal fast so, als wolle sie provozieren.
Aber genau das ist der Punkt. Sie experimentieren. Sie haben keine Angst davor, „komisch auszusehen". Und genau deshalb öffnen sie neue Türen. Kein Wunder, dass die großen Modehäuser und Marken ständig beobachten, was auf TikTok und auf der Straße passiert. Die Inspiration fließt heute nicht mehr von oben nach unten – sie kommt von unten.
Wer übersetzt die Ideen in den Alltag?
Und doch: Die Rolle der Millennials ist mindestens genauso wichtig. Wenn ich ehrlich bin, sind sie oft diejenigen, die diese experimentelle Energie in etwas Tragbares übersetzen. Was Gen Z auf die Spitze treibt, filtert die Millennial-Generation auf das heraus, was auch im Alltag funktioniert – aufregend und gleichzeitig lebbar.
Vielleicht liegt das an der Lebensphase. Job, Familie, Verantwortung – da muss die Garderobe auch praktisch sein. Man kann sich nicht alles leisten, aber man will auch nicht komplett auf Stil verzichten. So entsteht eine Art Filter: Was setzt sich wirklich in der Alltagsmode durch – und was bleibt ein interessantes Experiment?
Wer bleibt im Spiel?
Aus dieser Perspektive ist die Frage „Wer diktiert die Mode?" eigentlich etwas irreführend. Gen Z liefert den Impuls, die Ideen, die Kühnheit. Die Millennials sortieren, verfeinern und integrieren. Und die älteren Generationen – auch wenn wir das selten zugeben – sorgen für Stabilität: Sie bewahren das, was langfristig Bestand hat.
Dabei neigen wir alle dazu, die Modewahl anderer Generationen ziemlich selbstsicher zu kritisieren. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich: Mode ist eigentlich keine Generationenfrage. Es ist eine Frage der Courage. Wer traut sich zu spielen? Wer ist bereit, aus dem Gewohnten auszubrechen? Wer fürchtet nicht den Blick der anderen, sondern nur die eigene Langeweile?
Vielleicht ist Gen Z da gerade einen Schritt voraus. Vielleicht sind Millennials vorsichtiger. Aber das ist kein Endzustand – nur eine Momentaufnahme.
Am Ende ist Mode wirklich nur ein Spiel. Ein Werkzeug, um zu zeigen, wer wir sind – oder wer wir sein möchten. Und in diesem Spiel kommt es nicht darauf an, welcher Generation du angehörst. Sondern nur darauf, ob du überhaupt mitmachst.











