Nach über 100 Jahren kommt die erste weibliche Führungskraft
Der Guardian hat kürzlich Blaise Metrewelis besondere Geschichte beleuchtet, die wirklich motivierend wirkt. Es brauchte mehr als 100 Jahre – genau genommen 116 –, bis der MI6, der legendäre britische Auslandsgeheimdienst, eine Frau an die Spitze berief. Ein interessantes Detail: Blaises Name spricht für sich. Er steht für Abenteuer, Modernität und eine Prise filmische Frechheit (denken wir nur an Modesty Blaise). Mutig, stilvoll und von historischer Bedeutung zugleich.
Metreweli übernimmt diesen Herbst die Leitung der Position „C“ – das reale Pendant zu dem „M“, den wir aus den James-Bond-Filmen kennen. Aktuell führt sie die Technologieabteilung des MI6, die Q-Abteilung, die angeblich vom Bond-Universum inspiriert ist. Während Q im Film immer ein Mann war, haben in der Realität bereits mindestens zwei Frauen diese Rolle übernommen – darunter auch Metreweli.
Interessanterweise wird die Figur M auf der Leinwand von Judi Dench und neuerdings von Ralph Fiennes verkörpert, doch im echten Leben galt lange eine ganz andere Logik. Dass Männer führten, war keine Gesetzmäßigkeit, sondern Gewohnheit. Und diese Gewohnheit wurde nun endlich durchbrochen.
Warum hat es so lange gedauert?
Die Antwort ist weniger politisch oder fachlich, sondern vielmehr emotional. Über Jahrhunderte schien es beim MI6 eine unausgesprochene Regel zu geben: Geheimagenten akzeptieren keine Befehle von einer „Ersatzmutter“.
Filme hingegen bevorzugen seit langem weibliche Führungspersönlichkeiten. Seit Judi Denchs legendärer Darstellung ist es für Zuschauer selbstverständlich, dass M eine Frau sein kann – ja, sogar sollte. Kein Zufall, dass Kristin Scott Thomas in der Apple-TV-Serie Slow Horses eine weibliche Geheimdienstchefin spielt. Die strenge, aber liebevolle Chefin funktioniert auf der Leinwand hervorragend als Frau. Doch die Realität sah bis dieses Jahr anders aus.

Warum Frauen mal hier, mal dort nicht befördert werden
Der Ausschluss von Frauen aus Führungspositionen beruht auf unterschiedlichen Gründen, je nach Bereich. Im Technologiesektor etwa wird ihnen oft vorgeworfen, „die Technik nicht zu verstehen“ – oder wenn doch, dann „es zu ernst zu nehmen“. Das ist ein Stempel für „gefährliche Professionalität“, den Jesse Armstrong in seiner Satire Mountainhead treffend persifliert: „no meals, no deals, no heels“ – also keine Mahlzeiten, keine Geschäfte, keine High Heels. Frauen, Gesundheitsbewusstsein und echte Geschäftstätigkeit würden hier nur den „Jungsclub“ stören.
In der Politik ist ein anderer Vorwand typisch. Frauen wird oft ein „Lehrerinnen-Stil“ vorgeworfen – wie es Hillary Clinton oder Harriet Harman erlebt haben. Als wäre es einfach Pech, zu nah an der Tafel geboren zu sein.
In der Geschäftswelt heißt es oft, Frauen seien „zu nett“, „zu empathisch“ oder „nicht hart genug“. Dabei zeigen viele Studien, dass weibliche Führungskräfte die Unternehmensleistung positiv beeinflussen. Dennoch ist der Ausschluss von Frauen meist eine emotionale Entscheidung – was besonders ironisch ist, da genau das Gegenteil behauptet wird: dass Frauen „zu emotional“ seien.
So hat Blaise Metreweli den Durchbruch geschafft
Statt diesen widersprüchlichen Erwartungen zu entsprechen, hat Blaise Metreweli einfach ihr Ding gemacht. Sie versuchte nicht, „nicht Frau zu sein“ oder einen Mann zu spielen. Sie zeigte, dass eine kompetente, mutige und intelligente Frau genauso die beste Wahl für die Leitung einer Organisation sein kann, die von Geheimnissen und Loyalität geprägt ist. Das ist die wahre Inspiration: Man muss nicht männlich sein, um zu führen – es reicht, authentisch exzellent zu sein.











