Einmal im Jahr reisen wir für ein paar Tage nur zu zweit weg. Seit der Geburt unserer Tochter ist dieses kleine Ritual besonders wertvoll für uns, denn es bedeutet Zeit, die wir ganz füreinander haben.
Dieses Jahr brachte ein günstiges Flugticket die Idee ins Rollen, und so landeten wir schließlich auf Malta. Die kleine Insel wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, doch schnell wurde klar: Ihre Geschichte, das mediterrane Flair und die Nähe zum Meer machen sie zu einem lohnenden Reiseziel für mehrere Tage.
Flexible Lösungen auf einer kleinen Insel – alles rund ums Thema Mobilität
Wir entschieden uns bewusst gegen einen Mietwagen – und haben es keine Sekunde bereut. In Gruppen las ich, dass Parkplätze knapp sind und Staus häufig vorkommen. Deshalb kauften wir die lokale „Tallinja“-Verkehrskarte, die wir fast komplett nutzten. Trotz der Vorhersagen fuhren die Busse an Wochentagen pünktlich und häufig. Statt überfüllter Busse erlebten wir eine entspannte und gut nachvollziehbare Fahrt.

Unser einziger Sonntag fiel auf einen Feiertag, sodass wir die sommerliche Menschenmenge auf Malta erleben konnten. Die Unannehmlichkeiten durch die Menge waren spürbar, doch dank guter Vorbereitung meisterten wir auch das gut. Wir luden die Uber- und Bolt-Apps herunter und riefen bei langen Wartezeiten einfach ein Auto. Die Fahrten kosteten 8–12 Euro, und oft sparten wir dadurch Stunden. Insgesamt war das Projekt, ergänzt durch die Verkehrskarte, deutlich günstiger als ein Mietwagen, der nur Ärger mit Parkplätzen gebracht hätte.
Nach Gozo fuhren wir mit der Schnellfähre ab Valletta – eine riesige Erleichterung, denn wir mussten nicht zum entfernten Hafen fahren, und die Fahrt dauerte nur 45 Minuten. Auf der Rückfahrt bekamen wir als Bonus ein kostenloses Ticket für den Barrakka-Lift, was eine angenehme Überraschung war. So konnten wir die Treppen vermeiden und bequem zu unserer Unterkunft in der Hauptstadt zurückkehren.
Kirchen, die außerhalb der Zeit zu existieren scheinen

Ein Hauptgrund für unsere Wahl Maltas neben dem günstigen Flug war die Geschichte. Auf jeder Reise suchen wir Ruinen, alte Siedlungen und Gebäude – hier wurden wir von einer wahren Fülle überwältigt. Auf der Hauptinsel besuchten wir die Tempel von Ħaġar Qim und Mnajdra, auf Gozo den Ġgantija-Tempel. Alle Orte hatten Ausstellungen, sodass wir nicht nur vor Ruinen standen, die älter als die Pyramiden sind, sondern auch die Geschichten und Geheimnisse dieser antiken Bauwerke erleben konnten.
Besonders spannend war, dass wir zur Herbst-Tagundnachtgleiche auf der Insel waren. Die Ausrichtung der Tempel folgt genau dem Wechsel von Licht und Dunkelheit. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie es vor Tausenden von Jahren gewesen sein muss, als die Menschen hier lebten und im Rhythmus der Natur (und wer weiß, was noch) ihren Alltag gestalteten.
Nicht alles glänzt so, wie auf den Postkarten
Natürlich gab es auch Dinge, die uns weniger beeindruckten. Marsaxlokk, der Hafenort mit seinen bunten Luzzu-Booten, war für mich etwas enttäuschend. Außer den Strandrestaurants und Souvenirs gibt es wenig, was einen längeren Aufenthalt rechtfertigt – vor allem, wenn kein Markttag ist. An manchen Stellen fiel uns Müll auf, vermutlich wegen des Tourismus, was dem Charme etwas schadete.
In den Drei Städten hatten wir unsere einzige unangenehme Erfahrung: Am Wassertaxi stand 3 Euro pro Person, doch als wir dran waren, verlangte man plötzlich 5 Euro. Es ist kein großer Betrag, aber in einem EU-Land erwartet man solche Gesten nicht. Das war jedoch der einzige negative Punkt unserer gesamten Reise – also lasst euch davon nicht abschrecken.

Alltags-Tipps, die deine Planung erleichtern, wenn du hierher reist
Das Reisen auf Malta ist grundsätzlich sehr einfach – auch für Menschen, die keine Fremdsprache sprechen oder älter sind. Der Flughafen ist klein und übersichtlich, in größeren Orten stehen die Geschäfte dicht beieinander, und sogar ein 24-Stunden-Laden war dabei. Die Preise sind ungefähr auf deutschem Niveau, und das Meer war Ende September so angenehm warm, dass sogar ich, sonst ein Thermalbad-Fan, baden ging. Trotzdem lohnt es sich, eine leichte Jacke oder einen Blazer mitzunehmen, denn in Bussen und Museen wird die Klimaanlage oft sehr stark aufgedreht.
Wer die Städte erkundet, sollte sich auf steile Straßen und viele Treppen einstellen. Das ist aber kein Hindernis: Mit etwas Fitness schafft das jeder. Radfahren oder Roller fahren empfehle ich nicht, da es viele Höhenunterschiede, unerwartete Treppen und oft kaputte Straßenbeläge gibt – besonders beim Schauen kann das unangenehme Überraschungen bringen. Und nicht zu vergessen: Linksverkehr! Mit Taxi- und Busfahrten lassen sich die Sehenswürdigkeiten aber sehr bequem erreichen, und davon gibt es wirklich viele dicht beieinander.

Malta ist winzig, aber mit einer Reise kann man längst nicht alles abhaken – auch wir haben unsere Bucket List nicht abgearbeitet. Die Insel zeigt uralte Geschichte und weltliches Flair zugleich, bietet einladende Strände, Spaziergänge wie eine Zeitreise ins Mittelalter und lebendige Märkte. Sie ist ein echter Schmelztiegel der Kulturen: Arabisch, afrikanisch, mediterran und lokal mischen sich mit einem Hauch britischem Kolonialflair – mit all seiner Schönheit und Vielfalt.











