Kennst du das? Dein Partner kommt aus dem Supermarkt, Tüten in beiden Händen, zufriedenes Gesicht – und als du auspackst, findest du drei Sorten Chips, ein Stück Premium-Steak, das niemand bestellt hat, aber kein Brot. Nichts, woraus sich ein Abendessen zaubern ließe. Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Und jetzt gibt es sogar wissenschaftliche Belege dafür.
Was die Studie herausgefunden hat – und warum sie ernst zu nehmen ist
Das amerikanische National Bureau of Economic Research hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die ursprünglich den Einfluss von Homeoffice auf das Einkaufsverhalten untersuchte. Die Grundannahme war einfach: Wer von zu Hause arbeitet, kauft zu anderen Zeiten und in anderen Mustern ein. Das war zu erwarten.
Was die Forscher nicht erwartet hatten, waren die Zahlen aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Haushalte, in denen jemand ins Homeoffice wechselte, gaben im Schnitt 10 Prozent mehr für Einkäufe aus – das war der Gesamtdurchschnitt. Doch als man schaute, woher dieser Anstieg kam, zeigte sich: Der Effekt war drei- bis fünfmal stärker in Haushalten, in denen der Mann das Einkaufen übernahm, als dort, wo die Frau einkaufte. Die Männer haben den Schnitt also maßgeblich nach oben gezogen – bei den Frauen veränderte sich kaum etwas.
Männer gehen häufiger in den Laden, verbringen dort aber weniger Zeit. Das führt in der Regel dazu, dass sie weniger durchdacht und weniger bewusst einkaufen.
Warum ist das so? Die Sozialisation, über die wir selten reden
Kate Mangino, Autorin des Buches Equal Partners, sagt: Die Antwort liegt nicht in Faulheit oder böser Absicht. Sie liegt viel tiefer – nämlich darin, wie Mädchen und Jungen von klein auf sozialisiert werden.
Mädchen empfangen von früh an unzählige kleine, oft unsichtbare Signale, dass der Haushalt ihre Verantwortung ist. Nicht durch eine große, explizite Lektion – sondern dadurch, wer gebeten wird, den Tisch zu decken. Wer beim Kochen hilft. Wem gesagt wird, sie soll darauf achten, was zu Hause gebraucht wird. Diese Signale summieren sich, und irgendwann werden sie nicht mehr zu Wissen, sondern zu Instinkt.
Jungen empfangen diese Signale nicht. Von ihnen wird nicht erwartet, dass sie im Kopf behalten, wer was isst, was schneller aufgebraucht wird, worauf man bei Angeboten achten sollte, welche Marke man kauft und welche nicht. All das muss man lernen – und wer es nie gelernt hat, wird es als Erwachsener auch nicht intuitiv wissen.
Einkaufen ist nicht nur eine körperliche Aufgabe – und genau das ist der Punkt
Mangino zufolge hat Haushaltsarbeit drei verschiedene Ebenen, die wir gerne miteinander vermischen:
- Körperliche Arbeit: In den Laden gehen, die Tüten nach Hause tragen. Das ist sichtbar, messbar – und Männer übernehmen davon in den letzten Jahrzehnten tatsächlich mehr.
- Kognitive Arbeit: Planen, Einkaufsliste schreiben, Preise vergleichen, wissen was noch vorrätig ist und was fehlt, welches Gericht für welchen Tag geplant ist und was dafür gebraucht wird. Weniger sichtbar – aber enorm aufwendig.
- Emotionale Arbeit: Das Wissen darüber, wer was mag, wessen Lieblingsessen was ist, worauf das Kind allergisch reagiert, was der Partner nicht isst, was zu den Mahlzeiten der Woche passt. Das ist am schwersten zu übertragen. Männer leisten zwar zunehmend mehr körperliche Arbeit – das ist eine echte Veränderung, die man nicht kleinreden sollte. Aber die kognitive und emotionale Last lebt nach wie vor überwiegend in den Köpfen der Frauen. Und die lässt sich nicht einfach mit einer Liste übergeben. Denn die Liste selbst ist schon Arbeit.
Warum eine Liste allein nicht reicht
Viele kennen diesen Rat: Schreib eine Liste, dann klappt's. Die Erfahrung zeigt meistens: Es klappt trotzdem nicht. Zum einen, weil das Schreiben der Liste selbst kognitive Arbeit ist – man muss durchdenken, was noch da ist, was aufgebraucht wird, was die Woche braucht. Das macht in der Regel die Person, die sowieso alles im Kopf trägt. Zum anderen, weil die Liste nie vollständig ist.
Es gibt immer etwas, das „selbstverständlich" ist – nur eben für eine Person selbstverständlich, für die andere nicht. Das Brot zum Beispiel. Brot braucht man immer. Das steht nicht auf der Liste, weil es jeder weiß. Außer demjenigen, der nie regelmäßig eingekauft hat.
Was du tun kannst, wenn es bei euch genauso läuft
Das Erste und vielleicht Wichtigste: Hör auf, jeden Fehler selbst auszubügeln. Wenn du jedes Mal zurück in den Laden gehst, das Abendessen umdisponierst, leise seufzt und nichts sagst, bestätigst du damit genau das: dass das deine Aufgabe ist – und dass du es richtest, wenn etwas schiefläuft.
Mangino empfiehlt stattdessen: Zurückschicken. Das Brot fehlt? Er soll es holen. Die falsche Pasta gekauft? Er soll herausfinden, was man damit kochen kann. Das ist keine Bestrafung – das ist Lernen. Genau so, wie jeder Mensch etwas lernt: durch Konsequenzen, nicht durch Vermeidung.
Was langfristig noch mehr bewirkt als jede Liste: Redet darüber, wer welchen Druck rund um den Haushalt spürt. Nicht als Vorwurf, nicht als Streit – sondern als ehrlichen Austausch. Oft weiß der Partner schlicht nicht, wie viel mentale Energie es kostet, den gesamten Haushalt im Kopf zu tragen. Nicht weil es ihn nicht interessiert. Sondern weil er es nie lernen musste und niemand ihm gezeigt hat, dass es das überhaupt gibt. Wenn man das ausspricht, beginnt sich oft etwas zu verändern. Nicht über Nacht – aber es beginnt.
Und wenn gar nichts funktioniert?
Manchmal hilft es, loszulassen. Wenn er die falsche Pasta mitbringt, wird daraus trotzdem ein Abendessen. Wenn er den teureren Kaffee kauft, aber immerhin selbst einkaufen gegangen ist – vielleicht ist es das wert, um eine Sache weniger im Kopf zu haben.
Das Ziel ist kein perfekter Einkauf. Und auch nicht, dass er alles genauso macht wie du. Das Ziel ist, dass die kognitive und emotionale Last nicht dauerhaft auf einer Seite liegt. Denn das ist auf lange Sicht nicht tragbar – weder für die Beziehung noch für die Person, die alles trägt.











