Die Bindungstheorie wurde in den 60er Jahren erforscht und zeigte schon damals, wie sehr sie unsere Beziehungen bestimmt.
Die Mehrheit
Viele Menschen ordnen sich einem unsicheren Bindungsstil zu, doch tatsächlich gehören 60 % der Gesellschaft zum sicheren Typ. Nur die restlichen 40 % verteilen sich auf ängstliche, vermeidende und desorganisierte Bindungen – und obwohl viele sich als ängstlich einschätzen, machen sie nur ein Prozent aus.
Das „perfekte“ Paar
Ängstliche und vermeidende Menschen ziehen sich an, weil ihr Bindungsstil unbewusst die Dynamik mit den Eltern nachspielt. Doch das tut beiden nicht gut, denn es vertieft ihre Traumata.
Die Panik
Bindungspanik taucht auch in sicheren Beziehungen auf, zum Beispiel so: Die Frau ist sauer, weil ihr Mann nicht gesagt hat, dass er später nach Hause kommt. Sie hat sich Sorgen gemacht und das Essen ist kalt geworden. Der Mann erklärt defensiv, dass er Überstunden machen musste, was öfter vorkommt – eigentlich sollte die Frau dann einfach ohne ihn essen. Trotzdem streitet sie weiter, warum er nicht wenigstens angerufen hat, und er entschuldigt sich, weil er viel zu tun hatte. Sie versteht nicht, warum sie so ausflippt, und er nicht, warum sie so unvernünftig ist.
Klingt bekannt? Das ist der Moment, in dem beide Bindungspanik haben. Die Frau fühlt sich ignoriert, der Mann versteht nicht, warum aus einer Kleinigkeit so ein Streit wird. Ihre Panik löst seine Abwehr aus, seine Abwehr ihre Wut – doch beide fürchten um ihre Beziehung.

Ideal
Sichere Bindung heißt nicht, dass du in jeder Beziehung perfekt reagierst oder jede Situation meisterst.
Es gibt Hoffnung
Wenig bekannt ist, dass Bindungsstile veränderbar sind. Sie sind Muster, keine Persönlichkeitsmerkmale. Mit neuen Erfahrungen, Selbstreflexion und bewusster Anstrengung können wir sichere Verhaltensweisen entwickeln.
Nicht genug
Es heißt, „Liebe allein reicht nicht immer“, und manchmal auch nicht elterliche Liebe. Bindungsstil ist ein emotionales Muster, das auf Kindheitserfahrungen basiert und bis ins Erwachsenenalter wirkt. Jeder Elternteil liebt sein Kind bedingungslos, doch das garantiert nicht immer sichere Bindung. Auch in liebevollen Familien kann ein Kind unsicher binden, wenn Fürsorge nicht konstant ist oder ein Elternteil emotional distanziert bleibt.
Der Schlüssel ist Kommunikation
Der größte Einfluss auf die Bindung hat nicht die gezeigte Liebe, sondern wie Eltern auf die nonverbale Kommunikation ihres Kindes reagieren. Konkret: wie Eltern in den ersten zwei Lebensjahren auf Weinen, Gurren und Lachen reagieren.

Sex
Vermeidende „klammern“ sich an Sex, weil er eine vertraute, gefühlslose Bindung darstellt. (Interessant – und wenig überraschend – ist, dass übermäßiger Pornokonsum Männer vermeidender macht.) Ängstliche nutzen Sex, um Partner zu finden und zu halten. Für sicher gebundene Menschen ist Sex Spaß, Stimulation und Ausdruck von Liebe und Nähe.
Als Eltern
Unsere Kinder können Kindheitserinnerungen triggern. Wenn dein eigener Elternteil emotional nicht da war, fällt es dir vielleicht schwer, für dein Kind da zu sein, wenn es dich braucht.
Mehr
Wir haben nicht nur einen Bindungsstil. Die Theorie ist stark vereinfacht, wir sind komplexe Wesen mit allen vier Stilen in uns. Jemand kann in Freundschaften sicher gebunden sein, aber in der Partnerschaft ängstlich. Oder nach einer vermeidenden Beziehung ängstlich gewesen sein und mit einem sicheren Partner selbst sicher binden.











