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Teenager finden mich peinlich – und ich lerne, mich damit wohlzufühlen

Barbara Weber3 Min. Lesezeit
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Teenager finden mich peinlich – und ich lerne, mich damit wohlzufühlen — Lebensstil

„Weißt du, wer über 30 ist und immer noch hier? Was macht der eigentlich mit seinem Leben?“ „Ja, das ist echt ziemlich peinlich!“

Im Zelt liegend hörte ich das Gespräch der Jugendlichen neben uns auf dem Festival und musste lächeln. Klar, mit 20 dachte ich auch, das Leben endet mit 30. Jetzt bin ich 36 und genieße die Freiheit, dass Teenager mich peinlich finden – und zum Glück ist mir das egal.

Wahrscheinlich hat jeder mittelalte Comedian schon mal darüber gesungen, wie furchteinflößend Teenager sein können. Sie tragen ihre Gleichgültigkeit wie eine Rüstung. Ihr Wissen über eine Welt, mit der wir nicht mehr Schritt halten können, nutzen sie als Waffe.

Es ist erstmal beängstigend zu merken, dass wir zur Zielscheibe von Augenrollen geworden sind. Aber besser, wir akzeptieren es lächelnd. Es ist völlig okay, andere Interessen zu haben oder neben den Pflichten des Erwachsenseins keine Zeit und Energie für die neuesten Trends zu haben.

Und ehrlich gesagt verstehe ich manches, von dem ich weiß, auch nicht – egal wie oft ich höre, dass Knöchelsocken out sind und hohe Socken angesagt, kann ich keine Begeisterung dafür aufbringen.

Peinlich? Für einen 14-Jährigen sicher. Mit 36 wäre es für mich peinlich, mich darum zu kümmern oder einem Teenager böse zu sein, weil er so über mich denkt. Nicht weil er Recht hätte, sondern weil er 14 ist, seine eigenen Probleme hat und sich noch entwickelt. Ich glaube nicht, dass er ewig nach den Socken entscheidet, wer cool ist.

Seit jeher ist es die Aufgabe der Teenager, die Generationen vor ihnen zynisch zu betrachten – und das ist gut so. Wie sollte sich die Welt sonst weiterentwickeln, wenn nicht durch hitzköpfige Jugendliche, die ehrlich und voller Überzeugung sagen: Wir machen es besser!

Als Erwachsene sollten wir auch sehen, dass ein Großteil dieses Trotz aus Angst entsteht: Angst, ausgeschlossen zu werden, anders zu sein und nicht dazuzugehören.

Das Schöne am Über-30-Sein ist, dass wir erkennen: Das alles ist nicht so wichtig, wie wir es als Teenager dachten. Wir haben unsere Freunde, unsere Werte und suchen nicht mehr verzweifelt nach der Lösung, von allen gemocht zu werden. Wir akzeptieren, dass wir nicht für jeden perfekt sind – auch nicht für die Augenrollenden, hohen Socken tragenden, unbekannte Musik hörenden Teenager. Und das ist okay. Mit über 30 reicht es uns, ihre großen Pläne, unvermeidlichen Fehler und das Leben mit liebevoller Gelassenheit zu begleiten – während wir heimlich die neuen Slangwörter googeln.

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