Es gibt Versprechen, die man sich selbst auf der Heimfahrt eines verunglückten Urlaubs macht: „Nie wieder. Mit niemandem. Nie."
Man nimmt sich fest vor, künftig nur noch zu zweit zu reisen – oder allein auf einer einsamen Insel. Denn die Kombination aus Familiendynamik und mediterraner Hitze kann explosiver sein als schlecht gelagertes Feuerwerk. Und dann, ein paar Jahre später, ertappt man sich dabei, wie man wieder Apartments für die ganze Familie bucht. Weil sich – zum Glück – sowohl man selbst als auch die Eltern verändert haben.
Als Sparsamkeit und Familienmarotten aufeinandertrafen
Die Erinnerung an unser erstes großes gemeinsames Abenteuer ist noch heute lebendig – dabei liegt es schon gut sechzehn Jahre zurück. Damals entdeckten wir Kroatien für uns, und das mediterrane Lebensgefühl löste Wandertouren und Städtetrips auf einen Schlag ab. Um möglichst viel Zeit am Meer zu verbringen, sparten wir, wo es ging: eine gemeinsame Unterkunft, geteilte Reisekosten.
So starteten wir damals – mein frischer Freund und ich, meine Eltern, meine Schwester und ihr Freund. Ich war entspannt, wir verstanden uns ja grundsätzlich gut, und ich dachte naiv, die kleinen Eigenheiten der Familie würden sich schon irgendwie tolerieren lassen. Die Realität holte uns bereits bei der Ankunft ein. Während wir uns mit der Vermieterin abstimmten, hatten die anderen sich schon häuslich eingerichtet – und wir standen am Ende vor dem kleinsten Zimmer ohne Ausblick.
Nach diesem unschönen Auftakt folgte die eigentliche Ernüchterung: Wir merkten, dass unsere Freiheit dahin war. Gewohnt, spontan zu entscheiden wohin und wann, mussten wir uns nun nach allen anderen richten – die Familie fand es selbstverständlich, dass wir ihre Autos nutzten. Obwohl mein Freund und ich bis dahin nie gestritten hatten, entluden wir die aufgestaute Spannung aneinander.
Ich verstand, warum er es tat – er wollte weder mit meiner Mutter noch mit meinem Schwager aneinandergeraten. Also blieb ich der Blitzableiter. Aus dem Traumurlaub wurde in kürzester Zeit ein Countdown bis zur Heimreise. Doch kaum hatten wir die eigene Wohnungstür hinter uns geschlossen, war die Spannung zwischen uns wie weggeblasen.
Damals schworen wir uns heilig: Nie wieder gemeinsam Familienurlaub.
Jahrelang hielten wir daran fest. Da uns die Arbeit ohnehin viel ins Ausland führte, vermissten wir das gemeinsame Großfamilienreisen kein bisschen.
Dann kamen die Enkelkinder
Das Leben schrieb, wie es das so tut, ein neues Kapitel: Die Enkelkinder wurden geboren – und plötzlich verschoben sich alle Prioritäten. Wir spürten, dass es schön wäre, doch wieder gemeinsam zu verreisen. Einerseits, damit die Kinder Gesellschaft haben. Andererseits – ganz ehrlich – damit auch wir ab und zu einen gestohlenen Abend für uns genießen können.
Ein romantisches Abendessen am Meer, während die Großeltern auf die Kleinen aufpassen, ist in dieser Lebensphase das schönste Geschenk überhaupt. Diesmal gingen wir die Sache klüger an und wollten die alten Fehler nicht wiederholen. Wir zogen klare Grenzen: Jeder reiste mit dem eigenen Auto an, und obwohl wir am selben Ort übernachteten, mietete jeder sein eigenes Apartment.
Dieses „getrennt, aber doch zusammen"-Modell funktionierte erstaunlich gut. Wir verbrachten genau so viel Zeit miteinander, wie wir wollten, hatten eigene Programme – und niemand hatte das Gefühl, in die Privatsphäre des anderen einzudringen oder auf irgendetwas verzichten zu müssen.
Seitdem haben wir mehrere solcher Reisen hinter uns – und auch für diesen Sommer ist bereits alles gebucht. Es ist schön zu sehen, wie wir uns über die Jahre aneinander geschliffen haben. Wir fahren längst nicht mehr nur an nahe gelegene Strände, sondern unternehmen mit den Großeltern auch Flugreisen. Allein würden sie sich nicht mehr in fremde Länder wagen, kein Auto mieten oder Behördengänge erledigen – aber mit uns kommen sie begeistert mit. Im Gegenzug sind sie so anpassungsfähig geworden, wie ich es mir früher nicht einmal zu träumen gewagt hätte.
Das Geheimnis, glaube ich, liegt darin, dass wir uns und ihnen Zeit gelassen haben, um zu wachsen – und gelernt haben, die Freiheit des anderen zu respektieren.
Heute erlebe ich gemeinsame Reisen nicht mehr als Last, sondern als Chance: eine Chance, Erinnerungen zu sammeln, die man tief im Herzen bewahrt. Denn genau diese geteilten Momente sind es, auf die wir in Jahrzehnten mit warmer Sehnsucht zurückblicken werden. Das Leben gibt manchmal eine zweite Chance auf Familienfrieden – man muss nur den richtigen Abstand finden.











