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„Warum bist du noch Single?“ – Die mentalen Herausforderungen des Single-Daseins und gesellschaftliche Erwartungen

Elisabeth Müller4 Min. Lesezeit
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„Warum bist du noch Single?“ – Die mentalen Herausforderungen des Single-Daseins und gesellschaftliche Erwartungen — Geist & Seele
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Aus dem Teufelskreis auszubrechen ist schwer, denn ab einem gewissen Alter wird das Single-Dasein zum echten Nachteil. Anfangs steht das Alleinsein für Freiheit: Ausprobieren, Selbstständigkeit, das Gefühl, dass „jetzt noch alles möglich ist“... Keine Anpassung, keine Rechenschaftspflicht, deine Entscheidungen gehören nur dir.

Doch plötzlich verändert sich die Stimmung unmerklich: Single-Sein wird nicht mehr als Selbstverständlichkeit gesehen, sondern – so viele – als erklärungsbedürftig. Ab einem Punkt geht es nicht mehr darum, ob du es genießt, sondern warum du noch immer so lebst.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass dieser Übergang viel früher beginnt, als wir vermuten, und nicht primär wegen fehlender Romantik schwerfällt, sondern wegen der mentalen Belastungen. Forschende der Universität Zürich begleiteten über 17.400 junge Erwachsene über Jahre und erhielten überraschend klare Einblicke, wann das Alleinsein wirklich zur Herausforderung wird – nicht theoretisch, sondern im Alltag und Wohlbefinden.

Wann es noch keine Rolle spielt – und wann doch

Die Studie zeigt: In den ersten Beziehungen, mit 16–17 Jahren gibt es praktisch keinen Unterschied im Wohlbefinden zwischen Singles und Paaren. Auch wenn es sich als Teenager wie eine Frage von Leben und Tod anfühlt, ob man jemanden hat, sagen die Zahlen etwas anderes. Einsamkeit oder Depression sind bei Alleinstehenden nicht höher.

In diesem Alter passiert so viel gleichzeitig, dass der Beziehungsstatus einfach keine zentrale Rolle spielen kann. Doch der Wendepunkt kommt schnell. Mit 18 Jahren zeigen sich messbare Unterschiede in der Lebenszufriedenheit: Singles sind etwas weniger zufrieden als ihre in Beziehungen lebenden Altersgenossen. Anfangs kaum sichtbar, entwickelt sich von hier an eine klare Trennung.

Mit etwa 19 Jahren verändert sich auch das Einsamkeitsgefühl. Fast alle suchen ihren Platz, doch Singles erleben Isolation schneller und intensiver. Nicht unbedingt, weil ihnen liebe Menschen fehlen, sondern weil sie immer öfter das Gefühl haben, in bestimmten Dingen allein zu sein. Forschende betonen: Das ist kein kurzer Übergang, der von selbst verschwindet. Im Verlauf der Zwanziger wachsen die Unterschiede sogar stetig.

Warum wird es nach 24 wirklich schwer?

Untersuchungen zeigen: Ab 24 Jahren steigen die „mentalen Kosten“ des Single-Daseins deutlich an. Das Gefühl von Einsamkeit steigt stark, während die Lebenszufriedenheit weiter sinkt. Ab diesem Alter entfernen sich das Wohlbefinden von Singles und Paaren messbar voneinander.

Verzweifelte, einsame Frau in eine Decke gehüllt, sitzt auf dem Boden

Depressionen folgen einem anderen Rhythmus: Unterschiede zeigen sich ab etwa 23 Jahren und werden Mitte bis Ende Zwanzig besonders deutlich. Expert:innen sprechen jedoch nicht von einem plötzlichen Bruch, sondern von einem langsam wachsenden Prozess, der lange unterschätzt wird – vor allem, wenn äußerlich „alles in Ordnung“ scheint.

Forscher:innen sehen den größten Einfluss nach einem bestimmten Alter nicht in anhaltender Traurigkeit, sondern im Druck gesellschaftlicher Erwartungen.

Ein 19-jähriger Single gilt gesellschaftlich als „völlig okay“, doch eine 28-jährige Person ohne ernsthafte Beziehungserfahrung fühlt sich schnell außen vor, als hätte sie etwas verpasst und muss sich erklären.

Ende Zwanzig steigen die Erwartungen an Bindung und Familiengründung, was den inneren Druck kontinuierlich erhöht.

Der Teufelskreis, aus dem es schwer ist auszubrechen

Geringeres Wohlbefinden erschwert das Kennenlernen und Verbinden: Weniger Energie, mehr Unsicherheit, ein stärkeres Gefühl von Risiko – und gleichzeitig verschlechtert anhaltendes Alleinsein die Lage weiter. Dieser sich selbst verstärkende Kreislauf beginnt bei vielen schon Anfang Zwanzig und wird mit der Zeit immer schwerer zu durchbrechen – nicht, weil es unmöglich wäre, sondern weil immer mehr Lasten zu tragen sind.

Wichtig ist: Die Studie räumt mit einem Missverständnis auf. Das Wohlbefinden mit 16–17 Jahren sagt nicht voraus, wer langfristig allein bleibt. Es stimmt also nicht, dass „wer in jungen Jahren keinen Partner findet, später keine Chance auf Glück hat“.

Außerdem berichteten Teilnehmende, die während der Studie ihre erste romantische Beziehung eingingen – auch Mitte oder Ende Zwanzig –, sofort von mehr Glück und weniger Einsamkeit. Diese Vorteile hielten bis etwa 29 Jahre an, selbst wenn die Beziehung später endete.

Was sagt uns diese Studie wirklich?

Sie sagt nicht, dass du ohne Beziehung kein erfülltes Leben führen kannst – viele Singles sind ausgeglichen und zufrieden. Vielmehr zeigt sie, dass ab einem gewissen Alter die mentalen Belastungen des Alleinseins sich summieren und einen Teufelskreis erzeugen, aus dem es ohne Bewusstsein immer schwerer wird auszubrechen. Die gute Nachricht: Dieses Muster ist nicht unvermeidlich. Verbindung kann jederzeit echte Verbesserungen bringen.

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