Diese Muster sind oft so alltäglich und tief in uns verwurzelt, dass wir ihre negativen Auswirkungen gar nicht bemerken – bis wir plötzlich einem unsicheren, ängstlichen oder selbstzweifelnden jungen Erwachsenen gegenüberstehen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass wir diese elterlichen Gewohnheiten korrigieren können, wenn wir unsere eigenen schlechten Muster erkennen.
Die Ablehnung oder Verharmlosung der Gefühle des Kindes
Das klingt schon beim ersten Lesen schlecht und vielleicht verstehst du nicht, warum jemand so etwas tun sollte. Stell dir aber ein Kind auf dem Spielplatz vor, das weint und von seiner Mutter, seinem Vater oder seiner Großmutter getröstet wird mit: „Ach komm, wein nicht, es ist nichts passiert!“ oder „Darüber musst du doch wirklich nicht traurig sein!“
Diese Sätze wirken harmlos, vermitteln dem Kind aber die Botschaft, dass seine Gefühle nicht gültig oder störend sind. Langfristig kann das dazu führen, dass das Kind lernt, seine eigenen Gefühle zu unterdrücken, weil es glaubt, sie seien „schlecht“ oder „überflüssig“.
Ein Artikel von Psychology Today besagt, dass eine solche emotionale Entwertung langfristig das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung des Kindes zerstört. Wenn ein Kind nicht lernt, dass seine Gefühle in Ordnung sind und verarbeitet werden können, wird es als Erwachsener Schwierigkeiten haben, Stress oder Konflikte zu bewältigen – oder es wird seine eigenen Gefühle sogar vor sich selbst verbergen.
Was kannst du anders machen? Höre zuerst die Gefühle deines Kindes ohne Urteil an. Wenn es weint, versuche nicht sofort zu trösten oder abzulenken, sondern frage: „Was tut dir weh?“ Gib ihm Raum und Zeit, seine Gefühle zu erleben, und bestärke es darin, dass das, was es fühlt, völlig in Ordnung ist.

Übermäßige Kontrolle und Anpassungserwartungen
Eltern machen oft den Fehler, das Leben ihres Kindes zu streng zu kontrollieren – sie wählen die beste Schule, den besten Kurs, den besten Sport aus, alles im Interesse einer „erfolgreichen Zukunft“. Wer wünscht sich das nicht für sein Kind? Aber wenn ein Kind ständig das Gefühl hat, den Erwartungen der Eltern entsprechen zu müssen, weil es sonst „nicht gut genug“ ist, wird sein Selbstvertrauen langsam zerstört.
Durch die übermäßige Kontrolle kann das Kind das Gefühl bekommen, keinen wirklichen Einfluss auf sein Leben zu haben, was zu Frustration, Angst oder sogar Depression führen kann. Außerdem lernt es, dass es nur dann wertvoll ist, wenn es den Erwartungen entspricht – nicht um seiner selbst willen geliebt wird, sondern wegen seiner Leistungen.
Was kannst du anders machen? Es ist wichtig, deinem Kind zu erlauben, eigene Entscheidungen zu treffen – natürlich innerhalb altersgerechter Grenzen. Unterstütze seine Interessen, auch wenn sie nicht mit deinen Vorstellungen übereinstimmen. Und vor allem: Lobe es für seine Anstrengungen, nicht nur für seine Ergebnisse.

Das "Verbessern" des Kindes, wenn es sich nicht so verhält, wie es „sollte"
Viele Eltern versuchen – mit den besten Absichten – ständig, ihr Kind „zu korrigieren“. Wenn das Kind zu ruhig ist, versuchen sie, es „zu ermutigen“, offener zu sein. Wenn es zu sensibel ist, sagen sie: „Sei nicht so eine Mimose.“ Dabei lernt das Kind, dass es nicht gut genug ist, so wie es ist.
Es ist klar, dass gute Absichten dahinterstehen: Man möchte, dass das Kind sich einfügt und das Beste aus sich herausholt. Laut einem Artikel von Psychology Today untergräbt diese Gewohnheit jedoch langsam das Selbstbild des Kindes. Es traut sich immer weniger, es selbst zu sein, weil es glaubt, nur akzeptabel zu sein, wenn es sich verändert. Das kann besonders zerstörerisch sein, wenn das Kind ohnehin introvertierter oder sensibler ist.
Was kannst du anders machen? Statt zu versuchen, dein Kind „umzuformen“, beobachte es lieber und lerne von ihm. Akzeptiere sein Temperament und hilf ihm, Situationen zu finden, in denen es es selbst sein kann. Wenn du es darin unterstützt, wer es wirklich ist, schenkst du ihm das größte Geschenk: die Fähigkeit zur Selbstakzeptanz.
Als Eltern ist Liebe das Wichtigste, aber allein nicht genug – die Qualität des elterlichen Verhaltens ist mindestens genauso wichtig. Wenn wir wirklich das Beste für unser Kind wollen, müssen wir nicht nur unser Handeln, sondern auch dessen Auswirkungen hinterfragen. Die Achtung der emotionalen Welt der Kinder, die Unterstützung ihrer Selbstständigkeit und die bedingungslose Akzeptanz tragen alle dazu bei, dass sie gesunde, selbstbewusste Erwachsene werden. Und letztlich – ist das nicht der Traum jedes Elternteils?











