Anfang 2023 veränderte sich sein ganzes Leben
Jeremy Renners Name stand lange Zeit für den harten, schweigsamen Helden: Er war der einsame Scharfschütze in „The Hurt Locker“, der knallharte Geheimagent in den „Mission: Impossible“-Filmen oder Hawkeye in den „Avengers“. Doch am 1. Januar 2023 änderte sich alles. Offen sprach er mit dem Guardian über das Geschehene, wie er sich heute fühlt und welchen Einfluss der schlimme Unfall auf ihn hatte.
Ein 14.000 Kilogramm schwerer (nahezu 14 Tonnen) Schneepflug überrollte ihn, als er versuchte, seinen Neffen zu retten. Sein Körper erlitt Verletzungen an fast jeder Stelle: „Sechs Rippen brachen an 14 Stellen. Mein Becken an drei Stellen, meine Knöchel, das linke Schienbein, mein Handgelenk, Schlüsselbein, Schulterblatt, Kiefer, Augenhöhlen – alles zerbrochen. Mein Hinterkopf riss schwer auf, meine Lunge kollabierte, und eine Rippe durchbohrte meine Leber“, zählt er in seinen Memoiren „My Next Breath“ auf.
Er überlebte auf wundersame Weise. „Was ich erlebte, als ich starb, war eine kollektive Göttlichkeit und ein wunderschöner, kraftvoller Frieden. Das ist der aufregendste Frieden, den man fühlen kann. Der größte Adrenalinkick. Alles stoppte... vielleicht für dreißig Sekunden, vielleicht für eine Minute. Für mich war das klar. Alles ergab einen perfekten Sinn.“
Er lernte neu zu atmen, zu gehen und zu lieben
Nach dem Unfall mit dem Schneepflug schwebte Renner wochenlang zwischen Leben und Tod. Seine Nachbarn Rich und Barb, die er zuvor nicht kannte, gaben ihm Kraft, bis der Rettungshubschrauber eintraf. „Ich musste meinen Körper überzeugen, dass die Lage nicht so schlimm ist, und mein Geist überwand die größten Hindernisse, die ich je hatte. Er sagte: ‚Nein!‘ Es war Trotz. Doch tief im Inneren... gab es einen Grund zu leben.“ erzählt er heute.
Was hielt ihn am Leben? Etwas ganz Alltägliches: „Viele Menschen warteten darauf, mit mir Ski zu fahren! Ich wollte sie nicht im Stich lassen. Das wurde zu etwas ganz Großem.“
Statt Hollywood-Star ein echter Held
Früher tat sich Renner schwer mit dem Ruhm. Es gab Zeiten, da aß er lieber auf der Toilette am Flughafen, um Fans zu entgehen. Heute ist alles anders. „Ich erfahre eine so schöne Intimität, Offenheit, Verletzlichkeit, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit von Menschen, wie nie zuvor. Es geht nicht nur um ein Selfie – es entsteht echte menschliche Verbindung. Ein Austausch auf einer anderen Ebene. Sie fühlen: ‚Er ist auch nur ein Mensch, wie ich.‘“
Sein Leben bekam eine neue Bedeutung
Nach dem Unfall bekam sein Leben eine neue Ausrichtung: Nicht nur die Schauspielerei, sondern auch Vaterschaft und Wohltätigkeit rückten in den Mittelpunkt. Seine Tochter Ava steht über allem – das Buch widmete er ihr: „meine Lebensenergie... mein Ein und Alles, mein Einziges, meine Nummer eins.“
Auf seinem Album „Love and Titanium“ singt er genau davon – der Titel sagt alles: Liebe und Titan. Zwei Dinge, die ihm bei der Heilung halfen. „Mein ganzes Bein von Knie bis Fuß besteht aus Titan.“
Heute sieht Renner seine Stiftung RennerVation als seine Hauptaufgabe an. Sie unterstützt benachteiligte Kinder und solche aus Pflegefamilien, während alte Schulbusse für Gemeinschaftszwecke umgebaut werden.
„Der Unfall hat meinen Fokus wirklich in diese Richtung gelenkt. Ich kann noch arbeiten, aber mein Hauptziel ist jetzt, überall zu helfen, wo ich kann. Das erfüllt mich viel mehr als alles, was ich je gemacht habe – abgesehen davon, mein Kind großzuziehen.“
Seine innere Stärke wurde ihm wirklich wichtig
„In meinem Mund herrscht immer noch totales Chaos“, gesteht er lachend. „Es sieht gut aus, aber wenn ich ihn schließe, fühlt es sich an, als würde ich alle Zähne zerquetschen.“ Gleichzeitig fügt er hinzu: „Mein Geist fühlt sich immer noch wie 20 an.“
Obwohl er einst für seine körperliche Fitness und Stunts berühmt war, legt er heute viel mehr Wert auf seine innere Stärke. „Ich habe mich nie so sehr mit anderen verbunden gefühlt, war nie so offen und liebevoll. Und ich habe nie so viel Wohlwollen erfahren. Diese Verbindung war lange tief in mir verborgen, jetzt steht sie im Vordergrund. Und das ist alles, was zählt.“ sagt der Schauspieler, der es heute als Privileg sieht, leben zu dürfen.











