Wenn wir an Italien denken, sehen die meisten von uns sonnendurchflutete Plätze, lange Mittagessen, malerische Kleinstädte und dieses Gefühl der Leichtigkeit vor Augen. Doch das Dolce Vita ist nur eine Seite einer Welt, die seit Jahrhunderten Millionen Menschen in ihren Bann zieht.
Hinter der glänzenden Oberfläche zeichnet sich ein anderes Bild ab: ein Land, das mit sozialen Spannungen ringt, sich im Wandel befindet und keineswegs frei von Schwierigkeiten ist. Genau diese vielschichtige Wirklichkeit legt der neue Roman von Gergely Péterfy, Digó, offen.
Das Buch lädt zu einer besonderen Reise ein: nach Orvieto, eine der schönsten historischen Städte Umbriens, wo sich auf den Seiten ein Alltag entfaltet, den Reisende nur selten zu Gesicht bekommen.
Die Geschichte eines anderen Italiens
Digó zeigt nicht das Italien der Postkarten. Im Hintergrund des Romans steht ein Land, das von immer häufigeren Waldbränden, dem heißen Schirokko, einer alternden Gesellschaft und der Last, sein historisches Erbe zu bewahren, gleichermaßen auf die Probe gestellt wird.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die internationale Gemeinschaft Orvietos. In der Stadt leben Einheimische, wohlhabende Zugezogene aus dem Ausland und osteuropäische Einwanderer Seite an Seite – Letztere verrichten oft unsichtbar die Arbeit, ohne die der Alltag nicht funktionieren würde. Pflegekräfte, Reinigungskräfte, Betreuerinnen und Handwerker bilden jene gesellschaftliche Schicht, ohne die das Leben vieler Familien undenkbar wäre und die dennoch selten im Rampenlicht steht.
Ein Neuanfang in Umbrien
Der Protagonist des Romans, Henrik Winter, kommt aus Budapest nach Umbrien – mitten in der Zeit der Corona-Pandemie. Der ausgebrannte Intellektuelle beschließt, seinem bisherigen Leben den Rücken zu kehren und sich für ein stilleres, zurückgenommenes Dasein zu entscheiden.
Doch die neue Umgebung bringt ihm nicht die erhoffte Ruhe. Je tiefer er die Stadt und ihre Bewohner kennenlernt, desto klarer wird ihm: Menschliche Beziehungen, soziale Unterschiede und persönliche Schicksale sind weitaus komplexer, als er je gedacht hätte.
Henrik wird Teil einer Geschichte, in der sich Liebe, Verlust und die Unausweichlichkeit des Schicksals miteinander verweben. Eine der spannendsten Fragen des Romans lautet: Wie viel unseres eigenen Lebens können wir wirklich selbst gestalten – und wie sehr sind wir den Ereignissen um uns herum ausgeliefert?
Eine glaubwürdige Welt aus echten Erfahrungen
Auch wenn Digó ein fiktives Werk ist, prägen die persönlichen Erlebnisse des Autors die Atmosphäre und den sozialen Hintergrund des Romans entscheidend. Die menschlichen Beziehungen, der Alltag der osteuropäischen Einwanderer sowie die Welt der wohlhabenden nordeuropäischen Zugezogenen und der italienischen Elite beruhen auf Erfahrungen, die dem Leser dieses vielschichtige Milieu nahebringen.
Genau diese Authentizität ist eine der größten Stärken des Romans: Er idealisiert Italien nicht, zerstört aber auch nicht seinen Zauber. Vielmehr zeigt er, dass Schönheit und Härte, Tradition und Wandel im italienischen Alltag zugleich präsent sind.
Mehr als Reisebericht oder Liebesgeschichte
Digó geht über eine klassische Neuanfangsgeschichte hinaus: Anhand einzelner Schicksale beleuchtet der Roman auch die gesellschaftlichen und menschlichen Fragen des heutigen Europa. Der Leser lernt nicht nur die Stimmung Umbriens kennen, sondern begegnet Themen, die ganz Europa beschäftigen: Abwanderung, Identität, alternde Gesellschaften, soziale Unterschiede und die Möglichkeit des Neuanfangs.
Besonders reizvoll dürfte das Buch für alle sein, die Romane lieben, die einen bekannten Schauplatz aus einer neuen, unerwarteten Perspektive zeigen. Denn Gergely Péterfys Werk erinnert daran, dass sich hinter den verlockendsten Reisezielen echte Menschen, echte Schicksale und oft schwere Entscheidungen verbergen.
Im Schatten des Dolce Vita
Letztlich handelt Digó davon, welche vielschichtigen menschlichen Geschichten sich hinter einem scheinbar perfekten Leben verbergen. Die Gassen Orvietos, die Hügel Umbriens und das italienische Lebensgefühl sind in diesem Roman keine bloße Kulisse, sondern Teil einer Welt, die zugleich wunderschön, zerbrechlich und zutiefst menschlich ist.
Gergely Péterfys neuer Roman richtet sich an alle, die neugierig sind, was sich hinter den Postkarten und Instagram-Fotos verbirgt – und die das weniger bekannte, aber ungemein faszinierende Gesicht Italiens kennenlernen möchten.
Worum geht es in dem Roman „Digó"?
Der Roman erzählt von Henrik Winter, der aus Budapest ins umbrische Orvieto zieht, um neu anzufangen. Über sein Schicksal beleuchtet das Buch die weniger bekannte Seite Italiens: soziale Spannungen, Einwanderung und den Alltag jenseits des Dolce Vita.
Wer hat den Roman geschrieben?
Der Autor ist Gergely Péterfy. Für die Atmosphäre und den gesellschaftlichen Hintergrund des Romans waren seine persönlichen Erfahrungen prägend, auch wenn es sich um ein fiktives Werk handelt.
Wo spielt die Geschichte?
Die Handlung spielt in Orvieto, einer der schönsten historischen Städte Umbriens. Die Stadt und ihre internationale Gemeinschaft stehen im Zentrum des Romans.
Für wen ist das Buch geeignet?
Für alle, die Romane mögen, die einen bekannten Ort aus einer neuen Perspektive zeigen – und die wissen wollen, was sich hinter den Postkartenbildern und dem perfekten Lebensgefühl Italiens wirklich verbirgt.











