Reiche Männer, durchtrainierte Körper, beliebig viele Frauen – das ist das Versprechen, mit dem selbsternannte „Alphamännchen“ im Netz Millionen junger Männer anlocken. Doch hinter der Fassade steckt etwas viel Trauriges. Genau das zeigt Louis Theroux in seiner vielbeachteten Dokumentation.
In Inside the Manosphere deckt der berühmte – manche würden sagen berüchtigte – britische Journalist und Dokumentarfilmer auf, woher toxische Männlichkeit eigentlich kommt. Und das Ergebnis hat eingeschlagen.
Wie so oft taucht Theroux mitten hinein in eine Welt, die ihm fremd ist – diesmal die der frauenfeindlichen Online-Gurus. Mit scheinbar naiven Fragen bringt er die selbsternannten Alpha-Influencer dazu, ausführlich zu reden – und dabei mehr über sich preiszugeben, als ihnen lieb sein dürfte. Die Symbolfigur dieser Szene, Andrew Tate, lehnte einen Auftritt klugerweise ab. Doch über seine „Jünger“ bekommen wir trotzdem einen tiefen Einblick in die hässliche Welt der Manosphäre.
Was es angeblich heißt, ein Mann zu sein
Die porträtierten Männer sind reich geworden, indem sie jungen Männern erklären, was es bedeutet, „ein echter Mann zu sein“. Die Antwort ist immer dieselbe: Du bist reich, du bist muskulös und du hast so viele Frauen, wie du willst.
Denn Frauen seien dumm, nur zum Kochen, Haushalten und Kinderkriegen gut – und je mehr Männer sie hatten, desto wertloser seien sie. Auf den Punkt gebracht ist das ihre ganze Philosophie.
Das Problem dabei: Der Film entlarvt, dass diese Prediger selbst gar nicht so leben, wie sie es ihren Anhängern verkaufen.
Erstens haben sie längst nicht so viel Geld, wie sie behaupten. Und zweitens zerfällt das Macho-Image regelmäßig in der Gegenwart ihrer Freundinnen, Ehefrauen – oder Mütter. (Eine der verräterischsten Szenen: Ein „Alphamännchen“ wird von seiner Mutter zurechtgewiesen und wischt daraufhin brav den Boden.)
Was all diese professionellen Frauenhasser jedoch verbindet, ist etwas anderes: Tief in ihrem Inneren sind sie voller Verletzungen, die ihnen ausgerechnet schlechte Männer zugefügt haben – ihre Väter, oder das Fehlen eines Vaters. Toxische Männlichkeit funktioniert dabei wie ein trauriges Schneeballsystem. In das Leben dieser Influencer war kein Vater präsent, also wurden aus ihnen unsichere, überkompensierende Erwachsene – die ihre schädliche Weltsicht an andere unsichere Männer weiterreichen.
Wir haben die Doku zu mehreren geschaut, unter anderem mit einem Freund, der ebenfalls ohne Vater aufgewachsen ist. Er erzählte, dass ihm der Algorithmus diese „So wirst du ein Alphamann“-Videos ständig vorschlägt. Zum Glück ist er der Frauenfeindlichkeit nicht verfallen – aber er sagt, er wundere sich nicht, dass so viele auf den Zug aufspringen. Denn der erste Teil dessen, was die Pseudo-Machos predigen, stimmt eben: Viele Männer sind pleite, einsam und finden ihren Platz in der Gesellschaft nicht.
Das Problem, über das sie nicht reden (dürfen)
Über diese Probleme dürfen sie allerdings nicht sprechen, denn das gilt als Schwäche – und Schwäche passt nicht zum Mann.
Sie dürfen nicht zugeben, dass sie depressiv sind oder Ängste haben – kurz gesagt, sie dürfen gar nichts fühlen, denn Gefühle gelten als etwas Weibliches.
Und wer ist schuld? Nicht die Milliardäre, nicht die Politiker, nicht das System, das uns alle bewusst arm und ohnmächtig hält. Nein. Natürlich sind auch diesmal die Frauen an allem schuld – ausgerechnet die Frauen, die im Lauf der Geschichte stets am wenigsten Macht hatten.
Denn schuld an der männlichen Einsamkeit sei angeblich, dass Frauen heute studieren, arbeiten und eigenes Geld verdienen können – und deshalb nicht mehr den erstbesten Mann heiraten müssen, der ihren Weg kreuzt. Auch dass in unsicheren, wirtschaftlich schwierigen Zeiten weniger Kinder geboren werden, sei selbstverständlich die Schuld der Frauen. Die Männer haben das Gefühl, abgehängt zu werden – und das ist neu für sie, denn das Patriarchat hat bisher immer ihnen gedient.
Wir wissen nicht genau, auf wie viele junge Männer die Predigten der frauenfeindlichen Alphamännchen wirklich Einfluss haben. Eines aber lässt sich festhalten: Die Manosphäre ist nur ein Symptom eines viel tiefer liegenden Problems. Die Popularität von Figuren wie Andrew Tate ist die radikale Antwort darauf, wie schädlich das Patriarchat ist – nicht nur für Frauen, sondern auch für verletzliche junge Männer.
Worum geht es in Louis Therouxs Dokumentation über die Manosphäre?
In Inside the Manosphere taucht Louis Theroux in die Welt frauenfeindlicher Online-Gurus ein. Mit scheinbar naiven Fragen bringt er Alpha-Influencer dazu, sich selbst zu entlarven, und zeigt, woher toxische Männlichkeit kommt.
Was haben die frauenfeindlichen Influencer gemeinsam?
Laut dem Film sind sie tief im Inneren von Verletzungen geprägt, die ihnen meist ihre Väter oder das Fehlen eines Vaters zugefügt haben. Aus dieser Unsicherheit entsteht ein überkompensierendes, schädliches Weltbild, das sie weitergeben.
Warum sprechen diese Männer nicht über ihre eigenen Probleme?
Weil das in ihrer Welt als Schwäche gilt und nicht zum Bild eines „echten Mannes“ passt. Gefühle, Depressionen oder Ängste werden als etwas Weibliches abgetan – und damit tabuisiert.
Warum geben sie den Frauen die Schuld?
Statt Milliardäre, Politiker oder das System verantwortlich zu machen, richten sie ihre Wut gegen Frauen. Der Film zeigt jedoch, dass die Manosphäre nur ein Symptom eines tiefer liegenden Problems ist – eines Patriarchats, das auch jungen Männern schadet.











