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Was mich „Ein anderes Ich“ über Heilung und Loslassen gelehrt hat – meine Gedanken zur dritten Staffel

Szabó Erzsébet6 Min. Lesezeit
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Was mich „Ein anderes Ich“ über Heilung und Loslassen gelehrt hat – meine Gedanken zur dritten Staffel — Lebensstil
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Früher konnte mich keine einzige Serie wirklich vor den Bildschirm fesseln. Mich zog immer die stille Welt der Bücher stärker an – und ehrlich gesagt lässt mein Filmgedächtnis ohnehin zu wünschen übrig.

Dann kam irgendwann Ein anderes Ich in mein Leben, und plötzlich ertappte ich mich dabei, wie auch ich zu jenen gehörte, die fiebernd auf die Fortsetzung warten. Diese Geschichte hat mich aber nicht nur unterhalten, sie hat auch eine tiefe innere Reise in mir angestoßen: Nach der ersten Staffel begann ich 2022, Bücher über Familienaufstellung zu verschlingen, Podcasts zu hören – und schließlich ging ich zu meiner ersten Gruppenaufstellung, die mein Leben von Grund auf umkrempelte. Inzwischen habe ich mehr als hundert Aufstellungen hinter mir, und so wunderbare Türen mir die Methode auch geöffnet hat, habe ich zugleich gelernt: Für einen dauerhaften inneren Frieden und ein echtes Weiterkommen sind die individuelle Therapie und bewusste Selbstreflexion mindestens genauso unverzichtbar.

Wenn die Seele etwas mit sich selbst zu klären hat

Seit der ersten Staffel trage ich diesen befreienden Gedanken in mir: Nur weil es uns im Alltag gerade gut geht, heißt das nicht, dass da nicht vergrabene Geschichten schlummern, mit denen wir noch etwas zu klären haben – und erst recht dann, wenn es uns gerade nicht gut geht. Wir müssen jedenfalls nicht warten, bis unser Leben wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, um uns endlich um uns selbst und unsere Seele zu kümmern.

Natürlich ist der Entschluss nur der erste Schritt, und die Dynamik einer inneren Reise verläuft selten gleichmäßig – sie schwankt genau so, wie es auch die Macher der Serie über die Jahre gestaltet haben. Doch während ich in der zweiten Staffel hier und da das Gefühl hatte, das Ganze sei ein wenig zu märchenhaft, hat die dritte Staffel alle wieder auf den Boden zurückgeholt. Die letzten Folgen zeigten erneut wunderschön und feinfühlig die tragende Kraft weiblicher Freundschaft, unsere Verdrängungen, die geerbten Muster und die oft ganz unterschiedlichen Wege, auf denen wir das Glück suchen.

Als Zuschauerin und als jemand, der selbst auf einer Reise der Selbsterkenntnis ist, blieb bei mir dennoch ein kleines Gefühl des Mangels zurück. Manchmal hatte ich den Eindruck, als wollten die Drehbuchautoren allem krampfhaft eine tiefere Bedeutung geben. Als müsste hinter jedem körperlichen Symptom, hinter jeder kleinen Blockade sofort ein transgenerationales Familienmuster stecken, und als verberge sich hinter jeder zufälligen Begegnung ein kosmischer Zusammenhang. Ich vermute, das Ziel war zu zeigen, dass auch das möglich ist, dass sich auch dieser Weg lohnen kann – doch wegen der Kürze der Staffel wirkte diese Botschaft auf mich etwas überladen und dadurch wieder ein bisschen märchenhaft.

Auch wenn ich in letzter Zeit selbst unglaublich viel über meine eigenen Muster verstanden habe, von denen ich fest überzeugt war, sie längst aufgearbeitet und abgeschlossen zu haben, halte ich es für wichtig, es klar auszusprechen: Nicht auf jede unserer Fragen werden wir die Antwort in der Vergangenheit finden. Und schon gar nicht in einer mehrere hundert Jahre alten Familiengeschichte.

Heilung ist kein Handel mit dem Leben

Wenn ich die Kommentare lese, sehe ich, dass viele von der dritten Staffel enttäuscht waren. Ihnen waren es zu wenig konkrete Familienaufstellungen, und vor allem das Ende von Sevgis Geschichte nahmen sie schweren Herzens auf. Auch ich hätte gern noch mehr Aufstellungen gesehen – ich gebe es ruhig zu, gemeinsam mit der Mehrheit hätte ich problemlos eine ganze weitere Staffel damit verbringen können, nur diesen Prozessen zuzusehen. Und doch hätte dieses Ende ohne Sevgis Schicksal viel weniger gegeben.

Denn genau hier liegt die wichtigste Lehre. Innere, seelische Heilung ist keine Wunderwaffe und auch kein rationaler Handel mit dem Leben. Sie funktioniert nicht so, dass das Leben dir im Gegenzug garantiert, dir werde nie wieder etwas Schlimmes zustoßen, wenn du nur hartnäckig genug an dir arbeitest, jedes Familienmuster aufdeckst, allen vergibst und jede Spannung loslässt.

Manchmal tust du alles, was menschlich und seelisch möglich ist, und die Dinge entwickeln sich trotzdem nicht so, wie du es dir wünschst. Und das ist nicht deine Schuld, nicht die Folge einer verpfuschten Selbsterkenntnis: So ist das Leben.

Innerer Frieden als wahre Endstation

Sevgis Geschichte wird gerade durch diese schmerzhafte Wahrheit so menschlich und erhebend. Sie wurde nicht im klassischen Hollywood-Sinne geheilt, und doch ging sie einen außerordentlich vollständigen Weg. Sie fand ihre Wurzeln, versöhnte sich mit ihren Eltern und deren Geschichte, erlebte die alles überwältigende Liebe, heiratete den auserwählten Mann und durfte – wenn auch nicht auf dem gewohnten Weg und herzzerreißend kurz – Mutter werden. Und als sie spürte, dass das Ende naht, wollte sie nicht zwischen kalten Krankenhauswänden sein, sondern umgeben von ihren Liebsten, an einem friedlichen, wunderschönen Ort. Ihr Ziel war nicht körperliche Unsterblichkeit, sondern das Finden des inneren Friedens.

Dieses Ende verleiht der gesamten Serie zudem einen wunderbaren Bogen, einen Rahmen. Während zu Beginn der ersten Staffel der Tod von Sevgis Vater die Frauen auf diesen gemeinsamen, tiefen Weg der Selbsterkenntnis führte, ist es am Ende der dritten Staffel Sevgis Abschied, der zum Katalysator wird und das Leben der Hinterbliebenen weiterträgt. Leyla, Fico und Ada tragen den Schmerz über Sevgis Verlust genau so weiter, wie Sevgi zeitlebens ihre eigenen Verluste getragen hat. Nur tun sie es bereits in einer anderen Qualität. Fico etwa lenkt, indem er sich um das kleine Mädchen kümmert, nicht nur seine Trauer in eine schöpferische Kraft um, sondern verbindet sich auch behutsam mit seinem eigenen, ohne Eltern aufgewachsenen, misshandelten, verletzten inneren Kind.

Am Ende hat uns diese Serie nicht die falsche Illusion geschenkt, wir würden schlagartig unverwundbar gegenüber Schwierigkeiten, sobald wir unsere Vergangenheit entschlüsseln. Vielmehr hat sie gezeigt: Wenn wir unsere eigenen Geschichten verstehen und integrieren, können wir viel bewusster und annehmender präsent sein für das, was das Schicksal uns vor die Füße legt.

Worum geht es in „Ein anderes Ich“?

Die Serie erzählt von der tragenden Kraft weiblicher Freundschaft und begleitet ihre Figuren auf einer tiefen Reise der Selbsterkenntnis – unter anderem durch das Thema der Familienaufstellung, geerbter Muster und der unterschiedlichen Wege, auf denen wir das Glück suchen.

Warum waren viele Zuschauer von der dritten Staffel enttäuscht?

Vielen fehlten die konkreten Familienaufstellungen, und vor allem das Ende von Sevgis Geschichte nahmen sie schweren Herzens auf. Für die Autorin gewinnt das Finale gerade durch Sevgis Schicksal jedoch enorm an Tiefe.

Was ist die zentrale Botschaft der dritten Staffel?

Dass Heilung kein Handel mit dem Leben ist. Selbst wenn wir alles Menschenmögliche tun, entwickeln sich die Dinge nicht immer nach unseren Wünschen – und das ist keine Schuld, sondern schlicht Teil des Lebens.

Kann Familienaufstellung allein zu innerem Frieden führen?

Laut der Autorin öffnet die Methode wunderbare Türen, doch für dauerhaften inneren Frieden und echtes Weiterkommen sind individuelle Therapie und bewusste Selbstreflexion mindestens ebenso wichtig.

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