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Mütter im Minirock: Warum verurteilen wir Frauen, die nach der Geburt Frau bleiben?

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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Mütter im Minirock: Warum verurteilen wir Frauen, die nach der Geburt Frau bleiben? — Lebensstil
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Scrollt man durch Social Media, stolpert man fast täglich darüber: Unter dem Foto einer Mutter im engen Kleid, im Minirock oder in kurzen Shorts sammeln sich die immer gleichen Kommentare. „So sollte sich eine Mutter nicht anziehen.“ „Sie könnte auch mal an ihre Kinder denken.“ „Das passt einfach nicht mehr zu ihr.“

Irgendwie kommen wir mit einem simplen Gedanken bis heute nicht klar: Eine Mutter ist nicht nur Mutter, sondern auch Frau. Als wäre Mutterschaft gleichbedeutend mit Selbstaufgabe. Als müssten wir nach der Geburt automatisch unseren Körper, unsere Wünsche und unsere Weiblichkeit abgeben.

Als wäre Mutterschaft gleichbedeutend mit Selbstaufgabe. Als müssten wir nach der Geburt automatisch unseren Körper, unsere Wünsche und unsere Weiblichkeit abgeben.

Dabei verschwindet die Frau mit der Mutterschaft nicht. Wir hören nicht auf, ein Mensch mit eigenem Körper, eigenen Gefühlen und eigenen Sehnsüchten zu sein. Unser Körper bleibt derselbe – er trägt nur andere Erfahrungen in sich.

Geburt, Stillen, durchwachte Nächte hinterlassen Spuren. Aber dieser Körper gehört trotzdem uns. Nicht der Gemeinschaft, nicht der Gesellschaft. Nicht dem Nachbarn, der sich berechtigt fühlt zu kommentieren, wenn eine dreifache Mutter im Crop-Top ein Strandfoto postet. Und schon gar nicht der Person im Kommentarbereich, die findet: „So etwas zieht man nicht mehr an, wenn man Mutter geworden ist.“

Der Kern des Problems: Wir messen noch immer mit zweierlei Maß

Eine Mutter soll „nicht aufreizend sein, nicht sexy, sich nicht zur Schau stellen“ – doch wenn ihr Mann sie verlässt, lautet die erste Frage immer: „Warum wohl?“ Und die Antwort steckt oft schon im Achselzucken: „Sie hat sich sicher gehen lassen.“ „Sie war nicht mehr wie am Anfang.“

Verhält sich eine Mutter also weiterhin wie eine Frau, wird sie dafür verurteilt. Gleichzeitig gilt aber als ausgemacht, dass sie in dieser entsexualisierten Rolle auch keine Aufmerksamkeit oder Zuneigung erwarten darf. Diese gesellschaftliche Erwartung ist ein enger Käfig, in dem es keine richtige Antwort gibt. Nur Schuldgefühle und den Zwang, es allen recht zu machen.

Für viele klingt jetzt ein geradezu ketzerischer Satz: Es ist völlig in Ordnung, wenn eine Mutter weiterhin ein sexuelles Wesen ist. Sie muss sich nicht verstecken, ihre Miniröcke oder ausgeschnittenen Kleider nicht in die hinterste Ecke des Schranks verbannen, nur weil sie ein Kind bekommen hat.

Ein Kind großzuziehen bedeutet nicht, sich selbst aufgegeben zu haben. Weiblichkeit ist kein Schalter, den wir an der Schwelle zum Kreißsaal ausknipsen. Und sie ist auch nichts, das man geheim halten müsste. Sie gehört genauso zu uns wie die Mutterschaft selbst.

Natürlich geht das Sexualleben der Eltern die Kinder nichts an – weder das der Mütter noch das der Väter. Aber genauso wenig ist es gesund, ihnen zu vermitteln, dass Mütter keine Frauen mehr seien.

Wenn Kinder nie erleben, dass ihre Mutter ihren Körper genießen und ihre eigene Schönheit spüren darf, lernen sie etwas anderes: dass Weiblichkeit ein Ablaufdatum hat. Dass man sich, sobald man selbst Kinder bekommt, verstecken muss. Dass Mutter sein heißt, sich selbst in den Hintergrund zu stellen.

Genau deshalb sollten wir neu überdenken, was wir Müttern signalisieren – öffentlich, aber auch mit den beiläufigen Bemerkungen im Freundeskreis oder beim Familienessen. Mutterschaft ist keine Rolle, in der unsere Identität sich auflöst, sondern eine weitere Schicht.

Man kann ein liebevoller, fürsorglicher, hingebungsvoller Elternteil sein und gleichzeitig eine sexy, attraktive und selbstbewusste Frau bleiben. Und das ist nicht nur akzeptabel – es ist geradezu befreiend. Nicht der Minirock misst die Mutterschaft, und auch nicht die Gesellschaft. Sondern die Art, wie wir lieben, und die Art, wie wir wir selbst bleiben.

Warum werden Mütter für weibliche Kleidung so oft verurteilt?

Weil unsere Gesellschaft weiterhin mit zweierlei Maß misst und Mutterschaft oft mit Selbstaufgabe gleichsetzt. Dahinter steckt die Vorstellung, eine Mutter dürfe nicht länger als Frau sichtbar sein.

Verliert eine Frau mit der Geburt ihre Weiblichkeit?

Nein. Der Körper trägt zwar neue Erfahrungen in sich, doch die Frau verschwindet nicht. Weiblichkeit ist kein Schalter, den man im Kreißsaal ausknipst – sie bleibt Teil der Identität.

Ist es problematisch für Kinder, wenn ihre Mutter sich weiblich kleidet?

Nein. Problematisch ist eher das Gegenteil: Sehen Kinder nie, dass ihre Mutter ihren Körper und ihre Schönheit genießen darf, lernen sie, dass Weiblichkeit ein Ablaufdatum hat.

Woran misst sich gute Mutterschaft dann wirklich?

Nicht an der Kleidung und nicht am Urteil der Gesellschaft, sondern daran, wie wir lieben und ob wir dabei uns selbst treu bleiben.

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