Wie verletzlich bist du wirklich?
Bestimmt hast du es auch schon erlebt, dass dich ein lange nicht gesehener Bekannter erwischt hat, als du nicht gerade in bester Stimmung warst, und du dir gezwungen ein Lächeln und Smalltalk abringen musstest. Du hast so getan, als wäre bei dir alles in Ordnung und keine Spur von Verletzlichkeit gezeigt. Die Menschen sehen das meist auf zwei Arten.
Die einen denken, sie wollen einem alten Bekannten nicht all ihre Sorgen aufbürden, weil es sinnlos erscheint, sich nur für ein paar Minuten zu öffnen und dann zwei Jahre auf ein mögliches Wiedersehen zu warten. Die andere Gruppe glaubt daran, dass wir in jedem Moment des Lebens verletzlich sein dürfen – auch wenn es anfangs unangenehm ist.
Keine Entscheidung ist richtig oder falsch, und beide haben ihre Argumente. Vielleicht finden wir hier einen goldenen Mittelweg: Auch in einem kurzen Gespräch können wir uns zeigen und unsere aktuellen Herausforderungen teilen.
So erleichtern wir nicht nur unsere Seele, sondern öffnen auch den anderen – und wer weiß, vielleicht kämpft er mit ähnlichen Problemen. Was aber sicher nicht weiterhilft, vor allem nicht zur persönlichen Entwicklung, ist das ständige erzwungene Lächeln.
Das erzwungene Lächeln und was dahintersteckt
Wenn ich mit jemandem spreche, konzentriere ich mich gern ganz auf ihn und zeige, dass ich offen bin. Ich lasse ihn so weit öffnen, wie er möchte. Vor unehrlichen Gesprächen flüchte ich, besonders wenn ich den Hintergrund kenne und weiß, dass die Person gerade eine schwere Zeit hat. Das ist für beide Seiten sehr anstrengend und verschlechtert nur den eigenen Gemütszustand.
Viele stempeln Menschen ab, nur weil sie traurig, manchmal mürrisch oder zurückgezogen sind. Dabei haben sie einfach keine Angst, ihre Gefühle zu zeigen. Natürlich funktioniert das nur, wenn sie niemanden verletzen. Bevor wir also ein negatives Urteil über die ständigen Lächelnden fällen, sollten wir versuchen, sie zu verstehen. So fällt die Kommunikation leichter, und vielleicht bringen wir sie sogar zu einer ehrlichen Äußerung.
Denn vermutlich liegt ihr größtes Problem darin, dass sie nicht zugeben können, verletzlich zu sein und auch nur Menschen sind.

Es entspringt einem Mangel an Selbstvertrauen
In uns wirkt ein starker Anpassungsdruck, aus dem es schwer ist auszubrechen. Das Lächeln ist eine Maske, die wir aufrechterhalten, damit das Bild, das andere von uns haben, nicht beschädigt wird. Selbst wenn es sich um die Meinung völlig fremder Menschen handelt.
Unter dem Anpassungsdruck verbirgt sich ein Mangel an Selbstvertrauen, der uns glauben macht, dass niemand uns so sehr lieben wird, wenn wir unsere Verletzlichkeit zeigen, wie wenn wir fröhlich und glücklich sind. Denn Menschen sind gern in Gesellschaft glücklicher Menschen.
Das ist ein Teufelskreis, denn tief im Inneren ist dieses Glück nie echt, und irgendwann kann sich niemand mehr mit jemandem identifizieren, der nie einen schlechten Moment hat. Das ist einfach nicht realistisch, nicht menschlich. Doch vor allem brauchen diese Menschen keine Ablehnung oder negative Kommentare, sondern viel eher Akzeptanz und Empathie. Wenn sie spüren, dass sie vor jemandem keine Maske tragen müssen, fällt es ihnen leichter, diese abzulegen und ihre verletzliche Seite zu zeigen.











