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Die „Beginne mit dem Schlimmsten“-Regel verwandelt deine Einstellung zum Aufräumen komplett

Margarete Wolf4 Min. Lesezeit
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Die „Beginne mit dem Schlimmsten“-Regel verwandelt deine Einstellung zum Aufräumen komplett — Haushalt
In diesem Artikel

Unordnung schleicht sich heimlich in unseren Alltag, bis wir plötzlich mitten im Chaos stehen und nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Um Entscheidungsmüdigkeit zu vermeiden, empfehlen manche Expert:innen die „Beginne mit dem Schlimmsten“-Methode. Diese Idee, die auf Reddit gerade an Beliebtheit gewinnt, ähnelt dem bekannten Zeitmanagement-Prinzip „Eat the Frog“.

Die Theorie dahinter: Wenn du mit der schwierigsten Aufgabe startest, erscheint dir alles andere danach viel leichter. Profi-Organisator:innen bestätigen, dass dieser Ansatz wirklich effektiv sein kann, aber nicht für jede:n passt. Mit der härtesten Stelle zu beginnen kann das Aufschieben durchbrechen, birgt aber auch Herausforderungen. Wir haben eine Expertin gebeten, zu erklären, wie die Methode funktioniert, für wen sie geeignet ist und wann man besser einen anderen Weg wählt.

Was ist die „Beginne mit dem Schlimmsten“-Regel?

Mit der schwierigsten Aufräumaufgabe zu starten wirkt auf den ersten Blick einschüchternd – genau das ist aber der Punkt. „Die ‚Beginne mit dem Schlimmsten‘-Regel bedeutet, dass man mit den härtesten, komplexesten oder emotional belastendsten Aufgaben anfängt“, erklärt Lisa Hettinger, Gründerin von Clean Slate und zertifizierte Profi-Organisatorin. „Im Zeitmanagement basiert die Idee darauf, dass wenn du zuerst die härteste Aufgabe erledigst, der Rest viel weniger belastend wirkt und du leichter vorankommst.“

Der Unterschied wird schnell spürbar: Hast du eine große Aufgabe geschafft, erscheinen die kleineren viel leichter. „Wenn du schon 10 Kartons Papier aussortiert hast, ist das Aufräumen des Handtuchschranks ein Kinderspiel“, sagt Hettinger. „Und wenn du erst einmal einen ganzen Bastelraum organisiert hast, ist das Aufräumen eines Kinderbads schnell erledigt.“

Vorteile der „Beginne mit dem Schlimmsten“-Methode

Auch wenn es widersprüchlich klingt, lohnt es sich manchmal, direkt mit der schwierigsten Aufgabe zu starten. Hier sind die häufigsten Vorteile und für wen die Methode wirklich funktioniert.

Du durchbrichst die Angstbarriere

Was auf den ersten Blick nur ein überfüllter Schrank zu sein scheint, verbirgt oft Ängste rund um Erinnerungen und Gefühle. „Die ‚Beginne mit dem Schlimmsten‘-Methode durchbricht die sogenannte ‚Angstbarriere‘ – also die Angst, die uns am Handeln hindert“, erklärt Hettinger. „Gerade die schwierigsten Bereiche meiden wir oft wegen Angst, Unsicherheit oder Schuldgefühlen. Wenn wir diese überwinden, durchbrechen wir den Angstkreislauf und können mit Selbstvertrauen und Erfolgserlebnissen weitermachen.“

Verbessert deine Entscheidungsfähigkeit

Die Methode hilft auch, leichter Entscheidungen zu treffen. „Wenn wir mit den schwierigsten Bereichen starten, trainieren wir unseren Entscheidungs-'Muskel'“, sagt Hettinger. „Wenn du lernst, wie du dich bei Familienerbstücken entscheidest, fällt es dir später viel leichter, zu entscheiden, welche Rührschüssel du behältst.“ Sobald du bei weniger emotionalen Dingen ankommst, triffst du selbstbewusstere Entscheidungen.

Ideal für motivierte Menschen

Diese Strategie ist nicht für jede:n, aber für bestimmte Typen besonders effektiv. Hettinger sagt, die Methode funktioniert besonders gut bei Menschen, die:

  • schnell sichtbare Ergebnisse erzielen wollen
  • entschlossen und motiviert sind
  • emotional belastbar sind
  • gerne unter Druck arbeiten

Wenn du dich hier wiedererkennst, wird der Start mit der schwierigsten Aufgabe nicht erschöpfend, sondern eher beflügelnd sein – und dir helfen, auch die leichteren, langweiligeren Schritte durchzuziehen.

Mögliche Stolpersteine der Methode (und wie du sie meisterst)

Gefahr des Burnouts

Der intensive Start, der die Methode so effektiv macht, kann schnell zu Erschöpfung führen. „Die ‚Beginne mit dem Schlimmsten‘-Methode birgt ein hohes Burnout-Risiko“, warnt Hettinger. „Emotionale und körperlich anstrengende Aufgaben können die Energie schnell schwinden lassen.“ Wenn du dich fit fühlst, starte mit einem klaren Plan und gönn dir Pausen. Hettinger empfiehlt auch die Pomodoro-Technik (kurze, fokussierte Arbeitsphasen mit Pausen), um den Prozess weniger ermüdend zu gestalten.

Erhöhte Angst

Auch wenn du nicht erschöpft bist, kann die Methode Ängste verstärken – besonders bei Aufgaben, die sich über Tage oder Wochen ziehen. „Ein Dachboden voller seit 10 Jahren unberührter Kartons kann starke Ängste auslösen, die zu Aufschieben oder kompletter Blockade führen“, erklärt Hettinger. Dann ist es wichtig, nicht nur körperlich, sondern auch mental auf das Projekt vorbereitet zu sein.

„Da viele Gegenstände emotional bedeutsam sind, lohnt es sich, die emotionale Verarbeitung schon vor dem Aufräumen zu beginnen.“ Ohne klaren Plan oder mentale Vorbereitung kann der Start mit dem schwierigsten Teil auch nach hinten losgehen und das Gefühl verstärken, dass Aufräumen einfach zu viel ist.

Nicht ideal für sensiblere Typen

Wenn diese Methode bei dir nicht funktioniert, ist das völlig okay. Aufräumen ist keine Einheitslösung. Hettinger sagt, diese Strategie ist weniger geeignet für Menschen, die:

  • leicht überfordert sind
  • häufig unter Entscheidungsmüdigkeit leiden
  • niedrige Energielevels haben
  • sehr emotional oder nostalgisch sind

Aber das heißt nicht, dass du das Aufräumen aufgeben musst. Es gibt sanftere Methoden wie die 10-10-Methode, den „Clutter Audit“ (Unordnungs-Check) oder die „Grenzen-Methode“, die das Aufräumen weniger einschüchternd machen und langfristig leichter durchzuhalten sind.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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