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Die Lektion, die ich aus einem Platzregen gelernt habe – und wofür ich dankbar bin

Barbara Weber4 Min. Lesezeit
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Die Lektion, die ich aus einem Platzregen gelernt habe – und wofür ich dankbar bin — Lebensstil

Es war im Sommer, an einem Tag, an dem mein Kopf sowieso schon voll war und ich viel zu erledigen hatte. Ich dachte, ich hätte alles durchgeplant und müsste nur noch meinen Plan einhalten, dann wäre am Ende des Tages alles erledigt, und ich könnte jede Aufgabe von meiner Liste streichen.

Als ich nach einer erledigten Aufgabe nach Hause ging, war der Himmel schon verdächtig dunkel, aber ich dachte, ich sei schneller als der Sturm.

Spoiler: Das war ich nicht. Wenige Minuten später brach der Himmel auf, und bevor ich es realisierte, lief das Wasser in Strömen an mir herunter, meine Schuhe platschten, und meine Haare klebten mir im Gesicht. Einen Regenschirm hatte ich natürlich nicht dabei, denn als ich losging, war noch keine Spur von Regen, und ich glaubte nicht, dass mir die paar hundert Meter etwas anhaben könnten. Aber das war so ein Regen, der dich schon auf 20 Metern komplett durchnässt.

Mein erster Impuls war natürlich, die Welt zu hassen, die sich ganz offensichtlich gegen mich verschworen hatte und jetzt meine Pläne durchkreuzte. Denn zu Hause könnte ich nicht sofort mit der nächsten Aufgabe starten, sondern müsste erst duschen und meine Haare trocknen. Und überhaupt, wo blieb die Zeit? Die nächsten drei Minuten musste ich in nassen Socken herumtrödeln, ich hasste das alles, die Stadt, den Regen und die Menschen – besonders die mit Regenschirm, auch wenn deren Schuhe sicher auch schon nass waren. Wenigstens.

Während ich so vor mich hinmurrte, trat ich plötzlich in eine frisch entstandene Pfütze. Ich wollte gerade fluchen, als ich bemerkte, dass es eigentlich keinen Unterschied machte – mein Fuß war ohnehin schon so nass, dass die Pfütze bis zum Knöchel keinen Unterschied machte.

Und dann musste ich lachen.

Die Situation war so absurd, dass ich nichts anderes tun konnte, als über mein eigenes Missgeschick zu lachen. Und da ich schon dabei war, lachte ich auch über mich selbst, weil ich wenige Momente zuvor noch dachte, der Regen würde meinen Tag extra schwer machen. Weil sich ja alles um mich dreht, oder?

Ich musste einsehen: Der Regen ist nicht gegen mich, und ich kann sowieso nichts dagegen tun.

Und in dieser Erkenntnis lag eine seltsame Befreiung. Wenn ich die Kontrolle über die Situation nicht habe, warum sollte ich mich dann verrückt machen?

Ich begann, langsamer zu gehen. Ich blieb kurz stehen und beobachtete, wie die Regentropfen an meinem Arm herunterrollten. Ich hörte dem monotonen Trommeln des Regens auf dem Asphalt zu. Es fühlte sich an, als würde die Natur einfach nur ihren Lauf nehmen – und ich kann mich diesem Rhythmus anschließen oder dagegen ankämpfen, aber das wäre ein Kampf, den ich nicht gewinnen kann.

Zu Hause, beim Haare trocknen, dachte ich darüber nach, wie oft wir automatisch alles, was schiefgeht, als persönlichen Angriff empfinden. Als würde die Welt absichtlich gegen uns arbeiten und uns mit jedem Hindernis ärgern wollen. Dabei ist meistens niemand gegen uns. Der Regen fällt nicht, um unsere Frisur zu ruinieren, der Stau entsteht nicht, um uns aufzuhalten, und der verpasste Bus ist keine persönliche Kriegserklärung.

Wenn wir aber jede Kleinigkeit so erleben, als würde die Welt "mit uns spielen", schaden wir nur uns selbst. Wir verfangen uns im Selbstmitleid und kämpfen ständig gegen die Realität, anstatt einfach zu lernen, in ihr zu sein.

Dieser Regen hat mich gelehrt, dass es Momente gibt, in denen man die Kontrolle loslassen muss. Es ist keine Schwäche, sondern Weisheit zu erkennen, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Viel hilfreicher ist es, die Energie zu sparen, die wir sonst fürs Ärgern aufwenden, und uns einfach erlauben, im Moment zu sein.

Diese Haltung versuche ich seitdem mit mir zu tragen, und genau für diese Lektion bin ich dem Platzregen im Nachhinein dankbar. Eine Chance, die Dinge mit anderen Augen zu sehen und zu erkennen: Frieden beginnt oft genau dort, wo das krampfhafte Festhalten endet.

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