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„Er hustet, niest und hat eine laufende Nase – und sitzt trotzdem mir gegenüber.“ – Warum es wichtig ist, krank nicht ins Schönheitssalon zu gehen

Margarete Wolf4 Min. Lesezeit
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„Er hustet, niest und hat eine laufende Nase – und sitzt trotzdem mir gegenüber.“ – Warum es wichtig ist, krank nicht ins Schönheitssalon zu gehen — Gesundheit
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Ich habe es satt, dass wir es einfach hinnehmen, wenn jemand krank zur Arbeit oder zum Termin geht.

Als Beauty-Profi treffe ich täglich viele Menschen. Das gehört zu meinem Job, und ich mag es grundsätzlich. Jeden Tag begegne ich unterschiedlichen Persönlichkeiten, Lebenssituationen und Geschichten. Oft habe ich das Gefühl, nicht nur eine Dienstleistung zu bieten, sondern auch Aufmerksamkeit, Zeit und Fürsorge.

Für viele Kund:innen ist der Salon ein kleiner Rückzugsort, an dem sie abschalten und auftanken können – ein Ort, an dem endlich alles um sie geht. Das verstehe ich und respektiere es. Doch im Laufe der Jahre bin ich immer wieder auf ein Phänomen gestoßen, das zunehmend schwer zu ignorieren ist: immer öfter kommen Kund:innen krank zum Termin. Nicht nur leicht angeschlagen oder mit einem „vielleicht wird’s schlimmer“, sondern eindeutig krank.

Sie husten, niesen, sind heiser, die Nase läuft, sie klagen, dass es ihnen kaum besser geht – und sitzen trotzdem mir gegenüber.

Oft sagen sie sogar: „Ich weiß, dass ich krank bin, aber ich wollte den Termin nicht absagen.“ Egal ob Sturm, Frost oder Hitze – Haare, Nägel und Behandlung müssen sein. Um jeden Preis.

In mir wächst dann immer mehr der Gedanke: Warum ist das so selbstverständlich geworden? Warum akzeptieren wir das einfach? Ich muss das nicht stillschweigend hinnehmen. Lange Zeit habe ich geschwiegen, dachte, das gehört zum Job, zum Beruf dazu. Ich habe desinfiziert, gelüftet und versucht, den Termin so schnell wie möglich hinter mich zu bringen – während ich innerlich angespannt war: Werde ich diese Krankheit mit nach Hause nehmen? Werde ich in ein paar Tagen selbst ausfallen? Wie viele andere Kund:innen werden betroffen sein?

In der Beauty-Branche wird oft erwartet, dass wir uns anpassen. Dass wir lächeln. Dass wir nicht klagen. Als wäre unsere eigene Gesundheit zweitrangig. Dabei sind wir nicht weniger wichtig, nur weil wir eine Dienstleistung erbringen. Ich habe erkannt: Schweigen ist keine Lösung. Stille schützt weder mich noch die Menschen um mich herum. Wenn ich nicht spreche, unterstütze ich nur eine schlechte Praxis, die langfristig allen schadet.

Friseur wäscht Kundin die Haare

Ich habe das Recht, Grenzen zu setzen

Mit der Zeit wurde mir klar: Grenzen zu setzen ist kein Unhöflichkeit, sondern notwendig. Ich habe das Recht, unter sicheren Bedingungen zu arbeiten. Ich habe das Recht, mich nicht unnötigen Risiken auszusetzen, nur weil jemand seinen Termin nicht verschieben will. Ja, man darf sagen: „Es tut mir leid, aber so können wir die Leistung nicht erbringen.“ Ja, man darf eine kranke Person nach Hause schicken. Und ja, das ist völlig in Ordnung. Das ist keine Ablehnung, keine Strafe, kein persönlicher Angriff. Es ist Verantwortung für mich selbst, meine Kolleg:innen und alle anderen Kund:innen.

Maniküristin arbeitet mit Maske

„Nur eine kleine Erkältung“ ist kein harmloser Satz

Diesen Satz kennt fast jede:r. Und doch verursacht er so viele Probleme. Eine „kleine Erkältung“ reicht, um mehrere Tage krank zu sein. Um abgesagte Termine, Umplanungen und Einnahmeverluste. Um einen ganzen Arbeitsplan durcheinanderzubringen. Und oft wissen wir nicht einmal genau, womit wir es zu tun haben. Wir sind keine Ärzt:innen – und das müssen wir auch nicht sein.

Es zählt nur eins: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Schönheit geht nicht verloren. Haare laufen nicht weg. Nägel können warten. Gesundheit ist jedoch unersetzlich.

Kranke Frau schnäuzt sich in eine Decke gewickelt die Nase

Respekt muss gegenseitig sein

Ich tue alles, damit sich meine Kund:innen sicher fühlen. Ich arbeite mit sauberen Werkzeugen, halte Hygieneregeln ein, achte auf sie und höre zu. Das ist selbstverständlich. Genauso selbstverständlich sollte sein, dass Kund:innen ihre Krankheit nicht in den Salon bringen. Respekt ist keine Einbahnstraße. Man kann ihn nicht nur erwarten, man muss ihn auch geben. Respekt bedeutet auch, die Gesundheit anderer nicht für den eigenen Komfort zu riskieren.

Nahaufnahme einer weiblichen Hand, die etwas Händedesinfektionsgel aus einer Tube drückt

Es ist Zeit, offen darüber zu sprechen

Dieses Thema war lange tabu. Doch je mehr wir es aussprechen, desto leichter wird es, Veränderungen zu bewirken. Es wird normaler, Termine bei Krankheit abzusagen – und es wird weniger erwartet, dass Fachkräfte alles ertragen. Ich will nicht klagen. Ich möchte nur, dass wir endlich sagen: So geht es nicht. Schönheit ist wichtig. Das Aussehen zählt. Aber Gesundheit steht bei uns allen an erster Stelle. Und bei diesem Thema will ich nicht länger schweigen.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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