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Erschütternde Vergangenheit – In Irland wird das Verschwinden von fast 800 Säuglingen untersucht

Deborah Keller4 Min. Lesezeit
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Erschütternde Vergangenheit – In Irland wird das Verschwinden von fast 800 Säuglingen untersucht — Freizeit
In diesem Artikel

Ein Ort voller schrecklicher Geheimnisse wird enthüllt

Das von den Bon Secours Schwestern betriebene Heim war von 1925 bis 1961 in Betrieb und bot Frauen Zuflucht, die von der Gesellschaft stigmatisiert wurden – vor allem jungen, unverheiratet schwanger gewordenen Mädchen. Viele Babys erreichten nie ihren ersten Geburtstag.

Jetzt, über hundert Jahre später, hat endlich ein Prozess begonnen, der mit Respekt diesem schmerzhaften Kapitel ein Ende setzen will.

Am 14. Juli begann ein spezieller Bagger vorsichtig mit der Ausgrabung des 5.500 Quadratmeter großen Areals, das heute mitten in einem Wohngebiet liegt. Das Ziel des Teams ist nicht nur die Bergung der Überreste, sondern auch deren Identifizierung und eine würdige Neubeisetzung – so gut es möglich ist.

Eine Lokalhistorikerin folgt den schrecklichen Ereignissen

Ich bin sehr erleichtert, dass es endlich losgeht“, sagt Catherine Corless, die Lokalhistorikerin, deren unermüdliche Recherche diese erschütternde Geschichte ans Licht brachte. „Es war ein langer Weg, manchmal fast zu viel. Aber für mich und alle, die noch hoffen, ihre Liebsten zu finden, ist jetzt die Zeit der Freude.“

Corless’ Forschung brachte vor einem Jahrzehnt die Sache ins Rollen, als sie die Sterbeurkunden von 796 verstorbenen Kindern entdeckte – jedoch ohne Bestattungsregister.

Einige Kinder wurden in einem verlassenen unterirdischen Abwasserbehälter namenlos und unwürdig beigesetzt. Offiziell wurde der Fall lange Zeit ignoriert – bis 2014, als Corless ihre Ergebnisse veröffentlichte, die zunächst lokal, dann national und international Aufmerksamkeit erregten.

Tuam verstorbene Säuglinge

Die Ausgrabung kann bis zu zwei Jahre dauern

Die aktuelle Ausgrabung wurde vom Odait, dem offiziellen Büro für Interventionen in Tuam, organisiert und soll voraussichtlich zwei Jahre dauern. Der Leiter der Ausgrabung, Daniel MacSweeney, ehemaliger internationaler Delegierter des Roten Kreuzes, erklärt:

„Diese Arbeit erfordert kriminalistische Präzision – als würden wir einen Tatort untersuchen. In unserem Team sind auch Experten mit Erfahrung in kriminalistischen Ermittlungen. Finden wir Hinweise auf unnatürlichen Tod, sind wir verpflichtet, Polizei oder Gerichtsmediziner zu informieren.“

Extrem komplexe Arbeiten laufen

Vor Ort gibt es ein eigenes Labor und Büros, um erste Untersuchungen durchzuführen, bevor Proben an größere Labore geschickt werden. Einige Angehörige haben DNA-Proben bereitgestellt, um die Identifizierung zu unterstützen.

Das 18-köpfige internationale Expertenteam umfasst Vertreter aus Irland, Großbritannien, Australien, Kolumbien, Spanien und den USA. Die Bedingungen sind jedoch sehr komplex. Die Überreste müssen aus etwa zwei Metern Tiefe geborgen werden, das Grundwasser wird gefiltert, und es könnten auch Überreste von Opfern der Hungersnot und Arbeitshäuser aus dem 19. Jahrhundert in der Nähe liegen.

„Viele kleine Knochen sind miteinander verwoben, weil Wasser in die Erde gesickert ist. Ich hoffe sehr, dass wir sie trennen und zusammensetzen können.“

– sagt Corless.

Sie hat alle bisherigen Forschungsmaterialien an das Ausgrabungsteam übergeben und sagt über sie: „Sie sind die Besten ihres Fachs und genauso emotional engagiert wie ich. Auch sie wollen die Wahrheit erfahren.“

Lange herrschte Schweigen über die Vergangenheit

Das St. Mary’s Heim schloss 1961 seine Türen, das Gebäude wurde abgerissen, und heute steht dort eine Wohnsiedlung. Doch unter der Erde lebt eine schmerzhafte Geschichte weiter: Bereits 1975 fanden zwei Jungen menschliche Überreste im alten Abwasserbehälter, doch die Behörden reagierten damals nicht. Jahrzehntelang herrschte Schweigen, bis Corless’ beharrliche Arbeit dem Fall endlich staatliche Aufmerksamkeit verschaffte. Das gab Hoffnung für alle, die nach Gerechtigkeit und Frieden suchen.

Ein Film erzählt die Geschichte

Die Aufarbeitung ist nicht nur für Forscher und Familien Herzensangelegenheit: Ein Film über die Tragödie des Mutter- und Säuglingsheims in Tuam ist in Planung, mit Liam Neeson als Co-Produzent. Die Dreharbeiten beginnen noch dieses Jahr in Galway.

Die Geschichte des Mutter- und Säuglingsheims in Tuam ist schmerzhaft, aber eine wichtige Erinnerung daran, dass die dunkelste Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf. Die aktuelle Untersuchung und die würdige Erinnerung an die Opfer stehen nicht nur für die Suche nach Wahrheit, sondern auch für Hoffnung und Heilung – für alle, die dieses Grauen überlebt haben, und für jene, die noch immer nach ihren Liebsten suchen.

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