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„Für unsere Freundschaft muss ich mir Zeit nehmen“ – Warum ich glaube, dass Freundschaft im Erwachsenenalter eine bewusste Entscheidung ist

Deborah Keller4 Min. Lesezeit
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„Für unsere Freundschaft muss ich mir Zeit nehmen“ – Warum ich glaube, dass Freundschaft im Erwachsenenalter eine bewusste Entscheidung ist — Lebensstil
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Im Laufe des Erwachsenwerdens und mit immer mehr Rollen – als Frau, Mutter, Partnerin, Berufstätige, oft alles gleichzeitig – neigen wir dazu, Dinge zurückzustellen, die wir vielleicht etwas unschön als „nicht zwingend notwendig" einstufen. Dazu zählt oft auch die Freundschaft.

Im hektischen Alltag bleibt nicht immer Zeit für lange Gespräche, Nachmittags-Treffen oder auch nur einen kurzen Anruf. Der Kontakt zu Freund:innen gerät manchmal ins Stocken, wird verschoben und schließlich vergessen – bis wir merken, dass Monate oder Jahre vergangen sind, ohne ein einziges „Wie geht’s dir?“.

Trotz solcher Erfahrungen bin ich überzeugt: Freundschaft im Erwachsenenalter lebt und atmet – nur anders. Nicht unsere Lebensphasen bestimmen, ob Freund:innen Platz haben, sondern unsere Entscheidungen. Jede Beziehung, in die wir Zeit investieren, zeigt, was uns wirklich wichtig ist.

Herausforderungen erwachsener Freundschaften: natürliche Veränderung oder Endstation?

In jungen Jahren entstehen Freundschaften fast von selbst. Schule, Internat, Universität oder der erste Job bieten regelmäßige Treffen, spontane Gespräche und gemeinsame Erlebnisse. Diese Lebensabschnitte schaffen fast automatisch Gelegenheiten zum Verbinden.

Doch mit der Zeit werden diese Begegnungen seltener und oft verdrängen Verpflichtungen ihren Platz. Gemeinsame Zeit entsteht nicht mehr von selbst, sondern muss bewusst geschaffen werden.

Das ist natürlich nicht einfach. Die größte Herausforderung erwachsener Freundschaften ist die Zeit – oder besser gesagt, ihr Mangel. Doch die eigentliche Frage ist für mich nicht, ob wir Zeit haben, sondern ob wir sie investieren wollen.

Ob wir uns eine halbe Stunde für jemanden nehmen, der uns wichtig ist, zeigt viel mehr unsere Absicht als unseren Kalender. „Keine Zeit haben“ bedeutet oft: „Das hat gerade keine Priorität“. Das ist völlig okay, aber es lohnt sich bewusst zu überlegen, welche Beziehungen wir so loslassen.

Neue Formen der Verbindung: Wann ein Kaffee reicht

Freundschaft im Erwachsenenalter beruht meiner Meinung nach nicht auf großen Gesten. Ein Kaffee am Samstagvormittag, eine Nachricht an einem schweren Tag, ein kurzer Anruf beim Kochen – das sind echte Verbindungen. Nicht die Menge zählt, sondern die Aufmerksamkeit. Ob wir im Leben der anderen präsent sind, wenn auch nicht täglich, so doch regelmäßig und ehrlich.

Viele denken, erwachsene Freundschaften seien weniger intensiv als in der Jugend. Ich empfinde sie eher als anders tief. Lebenserfahrungen, Freuden und Herausforderungen schaffen eine neue gemeinsame Sprache, wenn wir bereit sind, einander zuzuhören. Es braucht keine stundenlangen Treffen, es reicht zu wissen, dass jemand da ist, der uns versteht, zu dem wir vertrauensvoll gehen können und der auch für uns da ist.

Neue Freundschaften in neuen Lebenssituationen: Es ist nie zu spät, sich zu verbinden

Viele glauben, wahre Freundschaften finde man nur in der Jugend – und wenn niemand geblieben ist, habe man die Chance verpasst. Doch das Leben bietet viele neue Möglichkeiten, sich zu verbinden. Am Arbeitsplatz, in Elterninitiativen, Kursen, Online-Gruppen oder durch gemeinsame Hobbys entstehen Freundschaften, die in ihrer Tiefe den alten in nichts nachstehen.

Im Erwachsenenalter sehen wir oft klarer, wer wirklich nah an uns heran darf. Nicht die gemeinsame Vergangenheit, sondern gemeinsame Werte, ähnliche Lebensansichten und Offenheit füreinander werden wichtig.

Freundschaft basiert dann oft nicht mehr auf Zufall, sondern auf Absicht: dem echten Wunsch, sich kennenzulernen und zu halten.

Freundschaft ist eine Entscheidung – immer wieder

Freundschaft funktioniert nicht von allein – genauso wenig wie eine Partnerschaft. Im Erwachsenenalter braucht sie Zeit, Aufmerksamkeit, Fürsorge und ja, manchmal auch Kompromisse. Doch diese „kleinen“ Entscheidungen – anzurufen, zu schreiben, zum Kaffee zu gehen – weben langfristig ein starkes Netz zwischen zwei Menschen. Ein Netz, das hält, wenn es nötig ist, und zu dem man gerne zurückkehrt, wenn das Leben stürmischer wird.

Nicht jede Beziehung hält ewig, aber jene, in die wir bewusst Zeit investieren und in denen wir gegenseitig präsent sind, sind langfristige Kraftquellen. Denn gute Freundin zu sein und eine gute Freundin zu finden, ist in jedem Alter ein Geschenk – und auch eine bewusste Wahl.

Qualität zählt, nicht Quantität

Mit den Jahren sehe ich immer mehr: Es kommt nicht darauf an, wie viele Freund:innen wir haben, sondern wie tief die Verbindungen zu denen sind, die geblieben sind oder die wir unterwegs gefunden haben. Ein bis zwei Menschen, mit denen wir wirklich ehrlich sein können, mit denen wir lachen, zuhören und weinen dürfen, reichen oft, damit wir uns in dieser schnellen Welt nicht allein fühlen.

Ich glaube daran, dass Freundschaft kein Privileg der Jugend ist, sondern eine Beziehungsform, die auch im Erwachsenenalter Platz in unserem Leben hat – wenn wir ihr Raum geben. Freundschaft ist keine Erinnerung, die wir mitnehmen, sondern eine Entscheidung, die wir immer wieder treffen.

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