Meinungsbeitrag von Schuszter Borka
Lange Zeit dachte ich, das Problem liege bei mir. Wenn ich anderen von meiner Ehe erzählte, sah ich oft Neid in ihren Augen. Und ehrlich gesagt: Ich verstand sie. Auf dem Papier hatte ich alles, was man sich wünschen kann. Einen intelligenten, liebevollen, verlässlichen Mann. Einen Partner, der nicht trank, nicht fremdging, mich nicht verletzte. Jemand, der Verantwortung übernahm, im Alltag half und im Grunde ein wirklich guter Mensch war.
Wir hatten ein wunderschönes Kind. Ein gemütliches Zuhause. Keine großen Sprünge, aber auch keine Sorgen, wie wir die Rechnungen bezahlen sollten. Von außen betrachtet lebte ich genau das Leben, das sich viele erträumen. Und ich war trotzdem zutiefst unglücklich.
Lange wagte ich es nicht, das auszusprechen. Nicht einmal mir selbst gegenüber. Wie kann jemand klagen, der so viel hat? Was soll einen glücklich machen, wenn nicht das? Dieser Gedanke hielt mich jahrelang in einem Käfig aus Schuldgefühlen gefangen.
„Sei doch dankbar"
Jedes Mal, wenn sich in mir das Gefühl regte, nicht glücklich zu sein, kam sofort die innere Gegenstimme: Sei dankbar. Schau, was du alles hast. Andere würden alles dafür geben, so zu leben.
Dankbarkeit und Glück sind aber nicht dasselbe. Man kann für das dankbar sein, was man hat – und gleichzeitig tief unglücklich sein. Das zu begreifen hat mich sehr lange gebraucht.
Ich glaube, viele von uns stellen sich Glück als eine Art Checkliste vor. Den richtigen Partner finden. Ein Zuhause haben. Finanzielle Sicherheit. Eine Familie gründen. All das sind wichtige Dinge – keine Frage.
Aber irgendwann wurde mir klar: Glück entsteht nicht dadurch, dass man Punkte abhakt. Denn selbst wenn alle äußeren Bedingungen erfüllt sind, kann man sich selbst verlieren. Genau das ist mir passiert.
Jahrelang lebte ich ein Leben, das von außen makellos wirkte – aber in dem ich mich immer weniger zu Hause fühlte. Ich konnte nicht genau benennen, was fehlte. Ich spürte nur, dass ich mich jeden Tag ein kleines Stück weiter von der Person entfernte, die ich eigentlich bin.
Es lag nicht an meinem Mann. Nicht an unserem Kind. Nicht an der Wohnung oder unseren Umständen. Ich lebte einfach ein Leben, das sich nicht mehr wie meines anfühlte.
Was ist, wenn alles stimmt – und du trotzdem nicht glücklich bist?
Ich glaube, viele Menschen bleiben in solchen Situationen. Nicht weil sie sich wohlfühlen, sondern weil sie ihr Unglücklichsein als moralisches Versagen empfinden. Weil sie denken, es wäre undankbar, sich mehr zu wünschen. Dabei ist es das nicht.
Dankbarkeit darf nicht bedeuten, dass man sich selbst aufgibt. Und ein guter Mensch ist man nicht dadurch, dass man ein Leben lang in einer Rolle verharrt, in der man sich täglich ein Stück mehr verliert.
Als meine Ehe schließlich zu Ende ging, waren viele schockiert. Von außen hatte ja alles funktioniert. Ich selbst empfand – seltsamerweise – vor allem keine Trauer. Sondern Erleichterung. Als hätte ich nach langen Jahren endlich wieder frei geatmet.
Nicht weil das, was davor war, schlecht gewesen wäre. Sondern weil sich mir endlich die Möglichkeit öffnete, das zu finden, was wirklich zu mir gehört.
Seitdem denke ich oft darüber nach, wie leicht wir ein erfolgreiches Leben mit einem glücklichen Leben verwechseln. Manchmal fallen die beiden zusammen. Manchmal nicht. Und letztlich sind wir uns selbst gegenüber verantwortlich für unser eigenes Glück.











