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„Habe ich das wirklich verdient?“ – Warum fühle ich mich nach einer guten Entscheidung manchmal schuldig?

Margarete Wolf3 Min. Lesezeit
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„Habe ich das wirklich verdient?“ – Warum fühle ich mich nach einer guten Entscheidung manchmal schuldig? — Lebensstil
In diesem Artikel

Vor einigen Monaten hatte ich ein Auge auf eine Kamera geworfen. Es war keine spontane Anschaffung. Wochenlang habe ich Tests, Videos und Vergleiche studiert. Ich habe durchgerechnet, wie oft ich sie nutzen würde, ob es sich lohnt und ob ich sie wirklich brauche. Typisch eine Entscheidung, die man immer wieder durchdenkt. Als ich sie schließlich kaufte, war die erste Reaktion natürlich Freude. Doch die hielt nicht lange, und ein anderer Gedanke kam auf: War das wirklich die richtige Entscheidung? Sogar kurz fragte ich mich, ob ich das wirklich „verdiene“. Ein seltsames Gefühl, denn alle Anzeichen sprachen für die Entscheidung. Ich hatte es mir leisten können und freute mich wirklich. Trotzdem war da dieses kleine Gefühl der Unsicherheit. Und wahrscheinlich bin ich damit nicht allein.

Wenn nach der Entscheidung das Grübeln beginnt

Oft denken wir, der schwierige Teil sei die Entscheidung selbst. Wir wägen lange ab, machen mentale Listen und vergleichen Optionen. Wenn wir uns endlich entschieden haben, erwarten wir logisch, dass die Sache erledigt ist. Doch gerade dann beginnt oft ein neuer Gedankengang. Wir fangen an, die Entscheidung zu hinterfragen. Habe ich wirklich alles bedacht? Habe ich etwas übersehen? Was wäre, wenn ich die andere Option gewählt hätte? Je mehr Energie wir in die Entscheidung gesteckt haben, desto leichter zweifeln wir im Nachhinein daran.

Frau denkt mit Handy in der Hand nach

Die Schattenseiten der Entscheidungen

Jede Entscheidung hat eine weniger sichtbare Seite: all die anderen Möglichkeiten, die wir nicht gewählt haben. Als ich mich für die Kamera entschied, ließ ich gleichzeitig alle anderen Optionen los. Das Geld hätte ich anders ausgeben können. Ich hätte noch ein Jahr warten können. Ich hätte ein günstigeres Modell wählen können. Diese Alternativen verschwinden jedoch nicht vollständig. Unser Gehirn bringt sie manchmal zurück, als wolle es überprüfen: War das wirklich die beste Wahl? Dabei entsteht leicht das seltsame Gefühl, vielleicht zu viel bekommen zu haben.

Abstraktes Treppen-Labyrinth

Die Falle des zu vielen Grübelns

Es gibt einen Punkt, an dem das Nachdenken nicht mehr hilft, sondern uns im Kreis drehen lässt. In der Psychologie nennt man das Grübeln oder Ruminieren, wenn wir eine Entscheidung immer wieder analysieren, ohne wirklich neue Antworten zu finden.

Dann suchen wir nicht unbedingt das echte Problem. Vielmehr versuchen wir, das beruhigende Gefühl zu finden, dass wir richtig entschieden haben.

Das Problem ist, dass die meisten Entscheidungen selten hundertprozentige Sicherheit bieten.

Silhouette einer Frau

Die Frage „Habe ich das verdient?“

Besonders interessant wird es, wenn die Entscheidung zu unseren Gunsten ausfällt. Wenn wir uns etwas kaufen, das wir uns gewünscht haben, wenn sich eine Chance gut entwickelt oder wenn wir uns endlich etwas gönnen. Dann taucht manchmal eine merkwürdige Frage auf: Habe ich das wirklich verdient? Oft geht es einfach darum, dass wir nach langem Überlegen eine Entscheidung getroffen haben, die für uns vorteilhaft ist – und das macht sie nicht automatisch „falsch“.

Junge Frau schreibt in ein Notizbuch

Vielleicht gehört Unsicherheit einfach zu Entscheidungen dazu

Wir möchten gern glauben, es gibt perfekte Entscheidungen. Solche, nach denen wir entspannt zurücklehnen können, weil wir sicher richtig gehandelt haben. Die Realität ist viel menschlicher. Nach den meisten Entscheidungen bleibt ein kleines Gefühl der Unsicherheit. Ein kleiner Gedanke daran, was auf dem anderen Weg gewesen wäre. Vielleicht zeigt das einfach, dass uns die Entscheidung wichtig war. Nicht jede gute Entscheidung lässt uns sofort vollkommen ruhig fühlen. Manchmal reicht es, den Schritt getan zu haben, der uns in dem Moment am besten erschien.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

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