Lächelnde Babys, innige Momente, makellose Familienbilder – Social Media zeichnet ein Bild von Mutterschaft, das kaum Raum für Zweifel lässt. Die unausgesprochene Erwartung ist klar: Muttersein ist das Schönste der Welt, und man soll es von der ersten Sekunde an in vollen Zügen genießen. Doch die Realität ist für viele Frauen eine ganz andere. Manche fühlen sich in der Mutterrolle fremd, überfordert oder innerlich leer – und trauen sich nicht, darüber zu sprechen.
Drei Frauen erzählen, wie es sich anfühlt, wenn man das Muttersein nicht genießt – und warum dieses Schweigen so schwer wiegt.
„Ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht" – Anna, 34 Jahre
Nach der Geburt ihres ersten Kindes hatte Anna monatelang das Gefühl, in ein fremdes Leben gestolpert zu sein.
„Alle sagten mir, das wird die schönste Zeit meines Lebens. Ich hingegen war im reinen Überlebensmodus. Es war nicht so, dass ich eine schlechte Mutter war – aber ich genoss es einfach nicht. Und dieses Gefühl hat mir ein unglaubliches Schuldgefühl gemacht."
Lange Zeit sprach Anna mit niemandem darüber – nicht einmal mit ihrem Partner.
„Ich dachte, wenn ich zugebe, dass ich die Pflege unseres Kindes nicht wirklich genieße, dann bedeutet das, dass ich keine gute Mutter bin. Also spielte ich die Rolle. Ich lächelte, wenn Besuch kam, und war innerlich vollkommen erschöpft."
Den Wendepunkt brachte eine Freundin, die offen über ihre eigenen Schwierigkeiten sprach.
„In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nicht allein bin. Und mit der Zeit kam auch die Erkenntnis: Dass es mir schwerfällt, macht mich nicht zu einer schlechten Mutter."
„Ich liebte mein Kind – aber ich liebte mein Leben nicht mehr" – Réka, 29 Jahre
Rékas Geschichte handelt von einer anderen Art innerer Zerrissenheit. Nicht die Beziehung zu ihrem Kind war das Problem, sondern die Lebenssituation, in der sie sich plötzlich befand.
„Meinen Sohn habe ich abgöttisch geliebt. Das stand nie in Frage. Aber ich habe mich selbst verloren. Es gab keine einzige Stunde, die nur mir gehörte. Und das durfte man nicht sagen, weil sofort die Antwort kam: 'Das gehört eben dazu.'"
Réka versuchte lange, ihre Gefühle mit sich selbst auszumachen.
„Ich dachte, ich bin egoistisch. Dass eine gute Mutter nicht so denkt. Aber ich vermisste mein altes Leben, die Freiheit, die Spontaneität. Und genau dafür schämte ich mich."
Schließlich half ihr eine Paartherapie, auszusprechen, was sie brauchte.
„Es ging nicht darum, dass ich mein Kind weniger liebe. Es ging darum, dass ich auch eine eigene Identität brauche. Die musste ich neu aufbauen – und ich weiß nicht, ob mir das gelungen wäre, ohne meinem Partner gegenüber offen zu sein."
„Das Schwerste war, dass alle dachten, ich sei glücklich" – Eszter, 38 Jahre
Eszters Geschichte erzählt von einem langen inneren Kampf. Sie hat zwei Kinder, und in den ersten Jahren hatte sie durchgehend das Gefühl, nicht in das Bild zu passen, das andere von Mutterschaft zeichnen.
„Von außen war alles in Ordnung. Stabile Familie, gesunde Kinder, funktionierender Alltag. Aber innerlich hatte ich oft das Gefühl, dass das nicht mein Leben ist. Und das Schlimmste: Ich konnte es niemandem sagen."
Eszter sagt, dass gesellschaftliche Erwartungen ihre Situation besonders schwer gemacht haben.
„Wenn eine Mutter zugibt, dass es ihr schwerfällt, kommt sofort das Urteil: Warum hat sie dann überhaupt Kinder bekommen? Also schwieg ich lieber. Aber dieses Schweigen kann sehr einsam sein."
Erst in der Therapie konnte sie beginnen, ihre Gefühle zu verarbeiten.
„Dort habe ich verstanden, dass Ambivalenz nicht selten ist. Man kann seine Kinder lieben und gleichzeitig mit der Mutterrolle kämpfen. Beides kann gleichzeitig wahr sein – und das gilt besonders, wenn wir über die komplexen Gefühle rund um die Mutterschaft sprechen."
Diese drei Geschichten zeigen: Das Schweigen rund um die Schattenseiten der Mutterschaft kostet viele Frauen enorm viel Kraft. Wer sich in diesen Erfahrungen wiedererkennt, ist nicht allein – und es ist keine Schwäche, Hilfe zu suchen oder die eigenen Gefühle auszusprechen.











