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„Slow Summer“: der Luxus, den wir uns als Mütter garantiert nicht leisten können

Szabó Erzsébet6 Min. Lesezeit
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„Slow Summer“: der Luxus, den wir uns als Mütter garantiert nicht leisten können — Familie
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An den schwülen Sommertagen, wenn die Hitze regelrecht in der Wohnung hängt, sehnen wir uns fast alle nach einem tiefen Durchatmen. Nach einem langsameren Rhythmus, in dem wir den Zauber der wärmsten Monate des Jahres endlich genießen können.

Öffnen wir dann Social Media, springt uns sofort der aktuelle Trend entgegen: der scheinbar perfekte „Slow Summer“, der mit dampfendem Kaffee, Lesen in der Hängematte und spontanen, sorglosen Strandtagen lockt. Und beim Anblick dieser Bilder wird uns schnell klar, dass die Realität mit dieser ästhetischen, gefilterten Welt oft nicht das Geringste zu tun hat.

Die Sommerferien sind in Familien mit kleinen Kindern viel eher ein zermürbender logistischer Extremsport als ein stiller Rückzug nach innen. Und Langsamkeit ist ein so unerreichbarer Luxus, dass wir sie uns im Alltag schlicht nicht leisten können.

Der Slow Summer ist ein wunderbarer, privilegierter Zustand – für die glücklichen Ausnahmen bedeutet er tatsächlich Freiheit. Für berufstätige Mütter mit kleinen Kindern beginnt hier dagegen der knallharte Überlebensmodus. Sobald im Juni Schule und Kita schließen, bricht die gewohnte, halbwegs stabile Familienstruktur wie ein Kartenhaus zusammen – und lässt den Elternteil mit einem Berg plötzlicher Aufgaben allein.

Logistisches Jonglieren in der Falle der Excel-Tabellen

Statt fauler Tage wie aus einem romantischen Roman sieht unsere Realität eher so aus: Schon Mitte Februar führen wir komplizierte Excel-Tabellen und versuchen, auf die Goldwaage gelegt auszurechnen, welches Kind wann und in welchem Ferienlager eine Woche verbringt. Bei diesem gnadenlosen Jonglieren geht es vor allem darum, den knappen Rahmen des Jahresurlaubs mit zweieinhalb Monaten Ferien in Einklang zu bringen. Der Alltag füllt sich mit brennenden Fragen: Wer holt das Kind ab, wer bringt es hin, was ist der Plan B, wenn das Camp um drei Uhr nachmittags endet – während unsere Arbeitszeit im besten Fall bis mindestens vier geht?

Parallel dazu verdoppelt sich sofort auch die Menge an unsichtbarer Arbeit. Denn ohne die gewohnte Mensa in Schule oder Kita müssen wir uns um drei Mahlzeiten am Tag und um ein endloses Snack-Management kümmern – während die Wohnung unter Bergen von sandigen und nassen Klamotten verschwindet. Obendrein sind Camps und Programme mit erheblichen Extrakosten verbunden. Das heißt: Eigentlich müssten wir noch mehr arbeiten, um das alles überhaupt finanzieren zu können.

Vom einsamen Schlachtfeld zum flexiblen Alltag

Dieser Sommerdruck trifft besonders hart, wenn man mit einem oder mehreren kleinen Kindern zu Hause ist und den größten Teil des Tages völlig allein, ohne jede Hilfe, funktionieren muss. Ich steckte damals tief in dieser Situation, als der Papa meiner Tochter im Ausland arbeitete und ich hier mit einem fast sechs Monate lang unglaublich blähungsgeplagten, kaum zu beruhigenden Baby zurückblieb. Natürlich fühlte sich das Familienleben mit den Monaten und Jahren immer leichter und geschmeidiger an – aber dazu gehörte auch, dass ich schon damals unter so flexiblen Arbeitsbedingungen arbeiten durfte. Abgesehen von ein paar Terminen tagsüber kann ich mich abends, nachts oder eben im Morgengrauen an den Rechner setzen, was während der Sommerferien ein echter Segen ist.

Inzwischen arbeiten der Papa meiner Tochter und ich beide im Homeoffice, sodass wir vorausplanen und der Familie ganz freie Tage oder sogar Wochen schaffen können. Letztes Jahr fügten sich die Puzzleteile zum Beispiel so glücklich zusammen, dass ich, während meine Tochter eine Woche im Camp war, doppelt so viel arbeitete – in der Woche darauf, als sie zu Hause war, planten wir dagegen wunderbare Ausflüge, und ich musste nur ein paar Stunden vor dem Rechner sitzen.

Wenn ich an meine eigene glückliche Situation denke, frage ich mich sehr oft, wie andere Mütter diese gigantische Aufgabe eigentlich stemmen, die täglich acht oder zwölf Stunden fest außer Haus sind oder vielleicht sogar einen Zweitjob annehmen müssen.

Auch ich habe früher zu festen Zeiten und am Wochenende gearbeitet – aber lange vor der Familiengründung. Und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich das mit Kind in den Sommerferien hinbekommen würde. Genau deshalb sehe ich es so: Die größte Falle des Slow-Summer-Trends ist gar nicht, dass er für die meisten völlig unerreichbar ist, sondern das toxische Schuldgefühl, das er unbemerkt erzeugt. Er suggeriert nämlich: Wenn dein Sommer nicht aus Im-Gras-Liegen, Grillenzirpen-Lauschen und Wolken-Anstarren besteht, dann machst du etwas grundlegend falsch, verpasst die unwiederbringliche Kindheit und bist nicht genug in deinem eigenen Leben präsent. So wird der Sommer berufstätiger Mütter statt zur romantischen Idylle zu einer ständigen inneren Schuldspirale. Arbeitest du, ist das Problem, dass du nicht mit dem Kind am Strand bist. Bist du am Strand, kreist im Kopf die Frage, wie (und wann) du die liegengebliebenen Aufgaben nachholst.

Dabei bin ich sicher: Tief im Inneren wünschst auch du dir, deine freie Zeit in diesem herrlichen, verlangsamten Tempo zu verbringen. Und selbst wenn wochenlanges Nichtstun in der Hängematte unerreichbar ist – die täglichen zehnminütigen „Mikro-Verlangsamungen“ musst du dir erkämpfen. Wenn die Kinder endlich schlafen, setz dich, statt sofort das Chaos wegzuräumen oder E-Mails durchzuscrollen, mit einem kühlen Getränk auf den Balkon und tu einfach nichts. Sei einfach nur. Und trau dich, ein Bündnis mit anderen Müttern in deinem Umfeld zu schließen, die im selben Boot sitzen. Ein nachmittäglicher „Kindertausch“, bei dem eine von euch auf die Truppe aufpasst, während die andere ihre Sachen erledigt – und am nächsten Tag umgekehrt –, kann im Sommer ein echter Rettungsanker sein. Und sei ganz beruhigt: Wenn am Ende des Tages die Wohnung im Chaos versinkt, das Abendessen nicht bio ist, aber jedes Familienmitglied bei gesundem Verstand und in Liebe einschläft, dann war dieser Tag in Wahrheit erfolgreich – auch ohne perfekte Instagram-Fotos.

Was bedeutet „Slow Summer“ überhaupt?

Der Begriff steht für einen bewusst entschleunigten Sommer voller Ruhe, spontaner Strandtage und Nichtstun. In den sozialen Medien wird er als idyllischer, entspannter Lebensstil gefeiert.

Warum ist ein „Slow Summer“ für viele Mütter unrealistisch?

Sobald Schule und Kita schließen, fällt die gewohnte Betreuungsstruktur weg. Berufstätige Mütter müssen Urlaub, Camps, Mahlzeiten und Arbeitszeiten unter einen Hut bringen – von Langsamkeit bleibt da wenig übrig.

Warum erzeugt der Trend Schuldgefühle?

Er suggeriert, dass ein Sommer ohne Entspannung und ständige Präsenz bedeutet, die Kindheit zu verpassen. So entsteht eine innere Spirale, in der sich Mütter egal wie sie sich entscheiden schlecht fühlen.

Wie lässt sich trotzdem etwas Ruhe in den Alltag holen?

Schon tägliche zehnminütige „Mikro-Verlangsamungen“ helfen – einfach mal nichts tun, wenn die Kinder schlafen. Auch ein „Kindertausch“ mit anderen Müttern kann im Sommer entlastend wirken.

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