Wir wissen, dass Männer viel stärker auf ihre Ehefrauen angewiesen sind als umgekehrt – und manche Ehemänner sind sich dessen bewusst.
Ausgetauscht
Meine Scheidung liegt 15 Jahre zurück, und vor sechs Jahren habe ich wieder geheiratet. Trotzdem fiel es mir schwer zu akzeptieren, dass meine erste Frau sich in jemand anderen verliebte. (Mit ihm ist sie bis heute glücklich, er macht sie viel glücklicher, als ich es je konnte.) Jahre lang hat das mein Selbstvertrauen erschüttert, als sie ankündigte, sie sich scheiden lassen will. Und bis heute fürchte ich, dass auch meine jetzige Frau eines Tages dasselbe sagt. Wenn sie sagt: „Wir müssen reden“, gerate ich sofort in Panik.
Der Manager
Letztes Jahr wurde mir klar, wie unfähig ich ohne meine Frau funktioniere, als sie für eine Woche im Krankenhaus war. Ich wusste nicht, wer die Lehrer meiner Kinder sind oder wann welche Trainings und Kurse stattfinden. Ich hatte keine Ahnung, wie man die Waschmaschine oder den Induktionsherd bedient. Ich wusste nicht, was meine Kinder zum Frühstück, Snack oder Abendessen essen oder welchen Shampoo sie benutzen. Bis dahin dachte ich, ich wäre ein engagierter Vater, doch ich erkannte, dass ich kaum etwas über das Familienleben weiß und eher ein nutzloser Mitfahrer in unserem Team bin.
Investiert
Ich würde daran zerbrechen, wenn etwas scheitert, in das ich so viel Zeit und Energie gesteckt habe. Mein Stolz würde das nicht verkraften.

Die Rolle
Ich bin der Ehemann und Vater – mit großem E. Meine Rolle ist die des Familienversorgers: Beschützer, der dafür sorgt, dass es Frau und Kindern an nichts fehlt. Wenn meine Frau aus meinem Leben verschwände, würde ich alles verlieren: meinen Sinn, meine Identität, alles. Was bin ich ohne sie? Nichts.
Scham
Ich könnte nicht ertragen, auch nur daran zu denken, nicht gut genug für sie gewesen zu sein. Das würde mich zerreißen. Ebenso die Vorstellung, neu mit der Partnersuche anfangen zu müssen – auf keinen Fall! Ich hoffe nur, meine Frau merkt nicht, wie sehr ich fürchte, dass sie mich verlässt.
Allein
Mein soziales Leben organisiert meine Frau, ich habe keine eigenen Freunde. Wenn ich ausgehen will, planen meine Frau und meine Schwägerinnen alles und wir treffen uns mit meinen beiden Schwägern. Sogar den Tisch reservieren die Frauen, und oft fährt uns jemand, damit wir kein Taxi brauchen. Ich habe keine Geschwister, meine Eltern leben nicht mehr, deshalb hängen alle meine familiären Kontakte an der Familie meiner Frau. Als ITler arbeite ich seit Jahren von zu Hause, habe keine Kollegen. Ohne meine Frau wäre ich völlig allein. Ohne sie gibt es praktisch kein Leben für mich.
Das Damoklesschwert
Meine Ehe funktioniert nicht, wir passen nicht zusammen. Das sehen wir beide. Ich werde niemals die Trennung einleiten und fürchte mich davor, wann sie es tun wird. Es wird schrecklich weh tun, auch wenn ich weiß, dass es unvermeidlich ist.

Der Vertraute
Meine Frau ist die Einzige, der ich alles erzähle. Sie kennt mich am besten, vor ihr habe ich buchstäblich keine Geheimnisse. Ich stehe meinem Vater, meinem Bruder und meinen zwei besten Freunden nahe, aber es gibt Dinge, die ein Mann einem anderen Mann nicht erzählt. Vielleicht würden sie nicht urteilen, aber ich traue mich nicht, ihnen gegenüber so verletzlich ehrlich zu sein wie vor meiner Frau. Wenn sie mich verlässt, wäre ich völlig verloren, weil ich nicht wüsste, wie ich ohne meinen besten Freund klarkommen soll.
Der Zusammenbruch
Meine Ehe ist meine wichtigste Beziehung und die Basis meines Lebens. Wenn meine Partnerin entscheiden würde, dass sie das nicht mehr will, wäre das der größte Misserfolg meines Lebens. Ich habe es ernst gemeint, als ich ihr vor Gott, meiner Familie und unseren Freunden ewige Treue schwor – ich hoffe, sie auch…
Der Besuch
In meiner Ehe sind Liebe und Zärtlichkeit längst verloren, trotzdem fürchte ich, dass meine Frau mich verlässt. Wegen der Kinder. Ich will kein Vater sein, zu dem die Kinder nur zu Besuch kommen. Mir ist wichtig, im Alltag präsent zu sein. Ich habe auch Angst, dass meine Frau die Kinder unbewusst gegen mich beeinflusst. Am meisten fürchte ich, dass sie einen neuen Partner hat, der für meine Kinder die Vaterrolle übernimmt. Es ist ein Albtraum, wenn meine Kinder ihn nicht mögen – aber genauso schlimm, wenn sie ihn mögen. Es ist einfach schrecklich, nur daran zu denken. Ich bin Familienvater und Vater – ich weiß nicht, was aus mir wird, wenn ich an den Rand meiner Familie gedrängt werde. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, kaufe ich heute nach der Arbeit Blumen für meine Frau – einfach so, damit sie nicht auf die Idee kommt, sich von mir zu trennen.











