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Ich lasse mein Kind zelten, weil ich ihm vertraue und weiß, dass es ihm guttut

Hagymásy Orsolya3 Min. Lesezeit
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Ich lasse mein Kind zelten, weil ich ihm vertraue und weiß, dass es ihm guttut — Familie

In unserer schnelllebigen, zielorientierten Welt beginnt die Entwicklung des "Ich" oft sehr früh. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Schon die neun Monate im Bauch der Mutter geben Experten Hinweise auf die äußeren und inneren Eigenschaften des Babys. Dazu kommen die Geburtserlebnisse, und dank Babytagebüchern und moderner Technik werden alle kleinen Momente minutengenau festgehalten. So haben wir inzwischen konkrete Daten, wann unser Kind bereit für das erste Camp ist.  

Doch statt dieser Fakten würde ich eine viel lebendigere Einschätzung bevorzugen.

Eine Mutter spürt tief im Herzen, wann ihr Kind reif für etwas ist. Die Frage ist eher, ob sie bereit ist, das anzunehmen und ihr Kind auf die erste eigenständige Expedition ziehen zu lassen.

Liebe Mütter, es bringt nichts, die Kleinsten auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit aufzuhalten. Diese Erfahrungen formen ihr Selbstbild und ihre Zukunft. Der große Rucksack auf ihren Schultern wird genau mit diesen Erlebnissen gefüllt.

Mit einem Kuscheltier und einem Plastikfernglas starten sie in die ersten Herausforderungen. Dank wertvoller eigener Erfahrungen weichen die Spielzeuge bald Freundschaft, Selbstvertrauen und Wissensdurst. Das ist eine lange Reise, und Jahre stehen ihnen zur Verfügung, um die Zutaten für die Realität zu sammeln. Wichtig ist, dass wir Eltern Wegweiser sind und keine Bremse.

Aber Schritt für Schritt!

Heutzutage heißen Camps schon Kinder ab 3 bis 5 Jahren mit offenen Armen willkommen. Wichtig ist, die äußeren und inneren Eigenschaften unseres Kindes zu respektieren. Hat man einen kleinen Träumer, ist ein Nachmittagsbastelcamp perfekt. Unser kleiner Tarzan, der den Dschungel überlebt, kann sich ruhig dem Zelten im Wald stellen.

Haben wir mit Aufmerksamkeit die passende Aktivität gewählt, vergessen wir nicht: Es sind Kinder! Die Zahnpastakappe landet immer an einem geheimnisvollen Ort, das Kleidungsetikett zeigt nur nach außen, und trotz mehrfacher Korrekturen wärmt die Decke nur das geliebte Schlafmaskottchen. Unausgesprochen gilt: Die Wasserkanne überschwemmt alles außer dem Glas, und die Socken finden sich nie als Paar.

Das abendliche, lang ersehnte Telefonat läuft nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Wahrscheinlich erfahren wir am Ende alles über das Rezept für Marshmallow am Lagerfeuer, während über das Essen und die nassen Kleider kaum ein Wort fällt. Und das ist gut so – diese paar Tage beeinflussen nicht die gesunde Ernährung oder das Aussehen unseres Kindes, dafür gibt es die restlichen 360 Tage.

Das Schönste an der ganzen Geschichte: Ihre Augen leuchten, sie sehnen sich nach Selbstständigkeit und erreichen beim abendlichen Lichtausmachen die höchste Stufe der Empathie, wenn sie ihr weinendes Kameradchen trösten.

Nach dem Telefonat sehen wir die andere Seite der Medaille: Die Enttäuschung der Daheimgebliebenen. Hier kommen Kino, Schwimmbad und andere fröhliche Aktivitäten ins Spiel, während wir uns die rhetorische Frage stellen: Hat sich das gelohnt? Mit jahrelanger Erfahrung sage ich: JA.

Tag für Tag bringen wir ihnen bei, wie man sich anzieht, sich am Tisch benimmt und im sozialen Leben zurechtkommt. Unser Ziel ist immer dasselbe: Unsere Kinder auf Selbstständigkeit vorzubereiten – nur denken wir nicht immer daran, dass das früher oder später wirklich passiert.

Loslassen, lieben und vertrauen. Das beste Reisegepäck für unsere kleinen Pfadfinder auf den Lebenswegen!

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