Es gibt diesen Moment Ende August, in dem die Sonne flacher steht und man beim Blick nach oben plötzlich sieht, was da über dem Tisch hängt: eine graugrüne Schicht aus Blütenstaub, ein paar Streifen von Regen, dunkle Punkte an der Vorderkante. Genau jetzt ist der beste Zeitpunkt für die Reinigung – nicht im Frühjahr. Denn was über den Winter feucht und verschmutzt eingerollt bleibt, arbeitet weiter. Und die Tage sind gerade noch warm und lang genug, dass der Stoff nach dem Waschen zuverlässig durchtrocknet.
Zuerst trocken, dann erst nass
Der wichtigste Schritt kommt vor dem Wasser. Markise ganz ausfahren, dann mit einer weichen Bürste oder einem Handbesen den losen Schmutz von oben nach unten abfegen, an der Unterseite ebenfalls. Wer das überspringt, verteilt Blütenstaub und Staub mit dem Wasser zu grauen Schlieren, die sich später schwer wieder herausbekommen. Spinnweben und Blätter an den Gelenkarmen gleich mit entfernen, dort sammelt sich der Dreck, der beim nächsten Regen wieder auf den Stoff läuft. Trockene Vogelspuren löst man am besten vorher an: ein feuchtes Tuch auflegen, zehn Minuten warten, dann abheben, statt zu schrubben.
Die schonende Wäsche
Markisenstoff ist meist Acryl mit einer Imprägnierung oder ein PVC-beschichtetes Gewebe. Beides mag lauwarmes Wasser und milde Seife – und beides mag keine Aggressivität. Ich mische einen Eimer lauwarmes Wasser mit einem Schuss Feinwaschmittel oder etwas Kernseife, mehr braucht es nicht. Damit den Stoff großflächig einweichen, kurz wirken lassen, dann mit einer weichen Bürste in geraden Bahnen arbeiten, ohne Druck und ohne Kreisen. Anschließend gründlich mit klarem Wasser nachspülen, bis kein Schaum mehr kommt: Seifenreste ziehen Schmutz an und sind der häufigste Grund für Flecken, die nach ein paar Wochen wieder auftauchen.
Was man besser lässt: Hochdruckreiniger, harte Wurzelbürsten, Chlorreiniger, Essigessenz in großer Menge, Entkalker und alles, was „kraftvoll“ verspricht. Der Druckstrahl kann Nähte und Beschichtung öffnen, scharfe Mittel lösen die Imprägnierung – und danach saugt sich der Stoff bei jedem Regen voll, statt Wasser abperlen zu lassen. Auch heißes Wasser ist unnötig. Bei sehr großen oder sehr hoch montierten Markisen ist eine Fachreinigung schlicht die vernünftigere Variante, weil man dort nicht sicher und nicht gleichmäßig arbeiten kann.
Dunkle Punkte, Grünbelag und Ränder
Kleine schwarze oder grünliche Punkte sind meist Algen oder Stockflecken – typisch an der Kante, die am häufigsten nass wird, und in Ecken, die im Schatten bleiben. Sie gehen selten komplett weg, lassen sich aber deutlich reduzieren: Stelle mit der Seifenlösung einweichen, sanft bürsten, spülen, trocknen lassen und bei Bedarf ein zweites Mal wiederholen. Mehrere milde Durchgänge bringen mehr als ein harter. Für Ränder am Volant hilft es, den Stoff nur streifenweise zu behandeln und immer bis zur Naht durchzuarbeiten, sonst entstehen sichtbare Übergänge. Wer die Gelegenheit nutzt, kann anschließend ein Imprägnierspray für Markisen- und Outdoorgewebe auf den vollständig trockenen Stoff geben – gleichmäßig, dünn, an einer unauffälligen Stelle vorher testen.
Wann darf die Markise wieder eingefahren werden?
Erst wenn sie komplett trocken ist, und zwar auf beiden Seiten und auch in den Falten und Säumen. Ein Stoff, der sich nur noch kühl anfühlt, ist häufig noch nicht durch – im Zweifel eine Stunde länger warten und den Saum zwischen den Fingern prüfen. Wird feuchter Stoff aufgerollt, entstehen genau die muffigen Stockflecken, gegen die man gerade gearbeitet hat. Deshalb lohnt sich ein Tag mit Sonne und Wind, und die Reinigung möglichst am Morgen, damit noch genug Trockenzeit bleibt.
Wie oft muss Markisenstoff überhaupt gereinigt werden?
Für die meisten Terrassen reicht ein gründlicher Durchgang pro Jahr, ergänzt durch regelmäßiges trockenes Abfegen. Wer unter Linden, Birken oder direkt an einer Straße sitzt, wird zweimal ranmüssen – im Frühsommer nach dem Blütenstaub und jetzt vor dem Einwintern. Entscheidend ist ohnehin die Zwischenpflege: Vogeldreck und Harzspritzer sofort abnehmen, die Markise nach Regen kurz ausgefahren trocknen lassen und sie bei Wind nicht draußen stehen lassen. Damit spart man sich die halbe Arbeit im nächsten Jahr.











