Wurde dir auch schon mal von Männern vorgeworfen, deine Ansprüche seien zu hoch, obwohl es eigentlich andersherum war?
Tiefer als tief
Es macht mich fertig, wenn mir gesagt wird, ich hätte zu hohe Maßstäbe. Dabei muss ich erklären, dass meine Messlatte nicht hoch, sondern bodenständig ist – und trotzdem schaffen es die Männer oft nicht, sie zu überspringen. Sie stolpern eher drüber. Wenn ich die Frauen – und ihre Partner – in meinem Umfeld anschaue, liegt die Messlatte im Marianengraben, ja sogar in der Hölle.
Bist du dir sicher?
Einmal sagte mir ein Date, dass eine Frau, die länger als 15 Minuten vor dem Spiegel verbringt, bei ihm durchfällt. Das sei ein „rotes Warnsignal“, dass sie problematisch sei. Ich fragte, in welchem frauenfeindlichen Alpha-Männchen-Podcast er das gehört habe, doch er behauptete, es sei seine eigene Beobachtung. Für ihn waren alle Frauen, die sich ein bisschen Mühe mit ihrem Aussehen geben – Outfit, Frisur, Make-up – zu aufwendig. Denn wenn du so viel Zeit investierst, bist du schon über der 15-Minuten-Grenze.
Ich dachte darüber nach, wie Männer zu meinen Dates erschienen. Vielleicht zwei Jungs wirkten vorbereitet, bei allen anderen fielen mir nur ausgelatschte, schmutzige Jeans, fettige Haare und ungepflegte Nägel ein. Ich erwarte ja nicht, dass jemand im Smoking auftaucht, aber ein ordentliches Paar Schuhe statt Turnschuhen wäre schon nett. Wenn das ein „rotes Warnsignal“ ist, bitte sehr.

Die Pflegerin
Ich hatte schon mehrere Freunde, die erwarteten, dass ich ihre Wäsche wasche, sie mit Abendessen empfange, die Wohnung sauber halte und Hemden bügle. Emotional brauchten sie ständige Fürsorge, Lob und Verständnis. Sie taten fast nichts für mich. Deshalb verstehe ich nicht, warum ich als Singlefrau angeblich keine Beziehung finde, weil meine Erwartungen zu hoch wären. Ich würde mich schon freuen, wenn ich nicht ständig Putzfrau und Mutter für meinen Partner spielen müsste…
Wartung
Ich habe nie verstanden, warum meine Kollegen ständig darüber scherzen, wie teuer eine Frau ist. Auf Nachfrage nannten sie Friseur, Kosmetik, Nagelstudio, Wimpern, Cremes und Make-up – all das, was dauerhafte Pflege braucht. Ich fragte, wann sie das letzte Mal für eine Frau solche Ausgaben übernommen hätten. Sie schwiegen. Einer gab zu, er habe seiner Freundin mal eine Massage zu Weihnachten geschenkt. Da wurde mir klar: Für sie ist eine Frau „teuer“, mit der sie finanziell nicht mithalten können.

Golddigger
Ich erzählte in einer Runde von zwei Dates mit einem netten Typen, der mich aber nicht umgehauen hat. Weil er weder Auto noch Führerschein hatte, entschied ich mich gegen weitere Treffen. Die Männer in der Runde reagierten empört und nannten mich oberflächlich und unhöflich. Das Wort „Golddigger“ fiel sogar. Ich sagte ihnen, dass ich mit 19 meinen Führerschein gemacht habe, neben der Schule mit Sommerjobs das Geld dafür verdient habe. Mein erstes altes Auto kaufte ich nach dem Studium mit Kellnerjobs. Jetzt mit 37 habe ich ein vernünftiges Auto und finde es nicht unrealistisch, in einer Beziehung nicht der Fahrer für meinen Partner zu sein.
Mit diesem Typen sind wir nach dem ersten Date zu Fuß nach Hause gegangen (er hat mich begleitet), aber das zweite Treffen war am anderen Ende der Stadt. Nachts musste ich dann ein Taxi nehmen, weil er nur anbot, mit mir auf den Nachtbus zu warten. Mit 37 fahre ich keinen Nachtbus mehr, sorry. Golddigger? Welchen Schatz hätte ich bei einem Mann ohne Auto denn ausgraben sollen?
High Maintenance
Mein Bruder sagte, er habe genug von „High Maintenance“-Frauen. Ich fragte, was das sei, und er meinte, Frauen, die im Mittelpunkt stehen wollen und erwarten, dass alle auf sie achten. Ich dachte nach und stellte fest, dass ich nur eine solche Freundin kenne, aber mindestens ein Dutzend Männer mit diesem Verhalten. Wenn jemand ständige Aufmerksamkeit und Bewunderung fordert, dann sind es die Männer. Es interessiert sie nicht, was eine Frau sagt, aber sie erwarten, dass wir an ihren Lippen hängen.











