Wie alt warst du, als dir bewusst wurde, wie viel das Äußere zählt?
Stimmt die Aussage, dass schön zu sein so ist, als würde man das Leben auf leichtem Schwierigkeitsgrad spielen?
Geh du lieber nicht
Ich war noch sehr klein, als mir das klar wurde. Meine Tante schickte meine Schwester und mich zum Metzger und sagte, ich solle nicht an der Theke fragen, sondern meine Schwester, dann bekämen wir besseres Fleisch. Ich war ein Brillenkind mit braunen Haaren und abstehenden Ohren, meine Schwester ein blondes Engelchen. Ich weiß, meine Tante wollte nichts Böses – und sie hatte Recht, denn meine Schwester bekam wirklich das schönere Fleisch – doch dieser Satz ließ mich erkennen, dass ich nicht schön bin und zerstörte mein Selbstbewusstsein für lange Zeit.
Kalter Schock
Mit über 40 fühlte ich mich unsichtbar für die Gesellschaft – besonders für Männer. Ich klagte einer Freundin mein Leid, die sagte, ich solle nicht jammern, denn ich habe 40 Jahre lang die Vorteile von Schönheit genossen, sie hingegen war ihr Leben lang unattraktiv.
Die Strafe
Ich war sechs und in der ersten Klasse. Ich hatte mein Federmäppchen vergessen und ging schuldbewusst zur Lehrerin, die mit zusammengezogenen Augenbrauen schimpfte, warum ich so vergesslich sei und dass das nie wieder vorkommen dürfe. Danach kam die hübsche Pirike und gestand, dass sie ihre Hausaufgaben vergessen hatte. Die Lehrerin lächelte, streichelte ihr den Kopf und sagte: Kein Problem, das kann jedem mal passieren.

Schwere Folgen
Mit 16, nachdem ich durch eine Hormonbehandlung zugenommen hatte, begannen die Leute, mich zu übersehen. Da wurde mir klar, wie privilegiert mein Leben zuvor war. Alle lächelten mich an, halfen mir, ließen mich vor und waren freundlich. Jetzt schauten mich dieselben Menschen nicht einmal mehr an. Es fühlte sich an, als hätte ich eine Superkraft bekommen – die ich nie wollte – und wäre unsichtbar geworden.
Das Ideal
Ich war höchstens vier Jahre alt. Meine Mutter wünschte sich ihr Leben lang ein Kind, das sie einkleiden kann und das Fremde auf der Straße für sein hübsches Aussehen loben. Dann kam ich – ein rothaariges, sommersprossiges Mädchen, das alle für einen Jungen hielten. Meine Mutter war eine außergewöhnlich hübsche Frau, deren attraktives Äußeres ein großer Teil ihrer Identität war. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte, dass ihre Tochter ihr nicht ähnelte. Schon in meiner Kindheit spürte ich ihre Enttäuschung, weil ich nicht in ihr Ideal passte.
Die Noten
In der Schule bekamen der süße Kovács Bandi und die hübsche Füzessy Panka immer bessere Noten, als sie verdient hätten. Die arme Bárdos Eszter – ein wirklich unattraktives Mädchen – war die Klassenbeste, musste aber doppelt so hart für Anerkennung arbeiten.

Die Frisur
Bis ich 26 war, hatte ich nur einen „Helm“ als Frisur. Das kurze Cleopatra-Haar, von dem meine Mutter sagte, ich dürfte nur das tragen, weil:
„Mit dem Pony muss ich meine riesige Stirn verdecken, und mit den seitlich ins Gesicht gekämmten Haaren kaschiere ich mein Hamstergesicht.“
Mit 26 hatte ich einen Freund, der vorschlug, ich könnte mal eine andere Frisur ausprobieren, wenn ich mein ganzes Leben lang nur diese getragen hätte. (Seitdem hatte ich keinen Helm mehr.)
Erfolg
Wenn ich an meine Uni-Freunde denke, stelle ich fest: Wer gut aussieht, bekommt gute Jobs und arbeitet seitdem in hohen Positionen – unabhängig von familiärem Hintergrund, Schlagfertigkeit oder Intelligenz. Ihre Partner sind ebenfalls erfolgreich und attraktiv. Das trifft auf uns weniger schönen Menschen kaum zu.
Klar gesagt
Schon als Kind hörte ich von vielen Erwachsenen ganz offen, dass ich ein hässliches Kind sei.
Vorteile
Als ich durch eine Krankheit viel Gewicht verlor und Kollegen anfingen zu bemerken, wie gut ich aussah. Mit gesunder Ernährung hielt ich mein Gewicht und kaufte mir neue, schickere Kleidung, denn zu diesem Körper konnte ich mich modisch kleiden. Ich ließ mir blonde Strähnchen ins Haar machen und trug es offen, dazu schminkte ich mich stärker. Kollegen, die mich vorher kaum beachteten, suchten nun meine Gesellschaft und beförderten mich sogar. Dabei hatte ich jahrelang hart für diese Position gekämpft und schon aufgegeben – und dann wurde sie mir angeboten, als ich nichts dafür tat, außer besser auszusehen.











