Bien Logo

Nach der Trennung, vor dem Loslassen: Wenn nicht die Person fehlt, sondern das Dopamin-Gefühl

Margarete Wolf3 Min. Lesezeit
Teilen:
Nach der Trennung, vor dem Loslassen: Wenn nicht die Person fehlt, sondern das Dopamin-Gefühl — Lebensstil
In diesem Artikel

Wir stellen uns Trennungen oft als einen klaren Bruch vor. Als würde von einem Tag auf den anderen etwas enden, das bisher ganz selbstverständlich zu unserem Leben gehörte. Die Realität ist jedoch selten so eindeutig. Die Beziehung endet, doch die Gefühle oder zumindest die Erinnerung daran bleiben lange bei uns.

In den ersten Tagen denken viele automatisch, dass sie die andere Person vermissen. Die Gespräche, die gemeinsamen Erlebnisse und die Gewissheit, dass jemand immer da war. Doch es gibt einen weniger romantischen, aber sehr realen Grund, warum es so schwerfällt, eine Beziehung loszulassen – unser Gehirn.

Wenn die Beziehung zum Belohnungssystem wird

In einer Beziehung binden wir uns nicht nur emotional an jemanden. Unser Gehirn gewöhnt sich auch an die kleinen Belohnungen, die eine Beziehung mit sich bringt. Eine Nachricht, ein Treffen, ein aufmerksames Wort – all das sind Momente, die einen kleinen Dopaminschub auslösen und mit der Zeit fast unbemerkt zum Alltag werden.

Dopamin ist der Botenstoff im Gehirn, der mit Belohnung, Freude und Motivation verbunden ist. Mit der Zeit wird das ganz normal. Wir gewöhnen uns daran, dass jemand schreibt, sich für uns interessiert und wir wichtig für jemanden sind. Und dann hört das plötzlich auf.

Dann fehlt nicht nur die andere Person, sondern auch das ständige Belohnungsgefühl, das bisher unbemerkt unser Leben begleitet hat.

Paar umarmt sich im Bett

Warum fällt das Loslassen so schwer?

Nach der Trennung ertappen wir uns oft dabei, wie wir immer wieder das Profil der anderen Person anschauen, alte Nachrichten lesen oder heimlich darauf warten, dass sie doch noch schreibt. Nicht unbedingt, weil wir wirklich zurückwollen, sondern weil unser Gehirn noch an das Muster gewöhnt ist, das sich in der Beziehung entwickelt hat.

Der Dopaminmangel kann nämlich ein ähnliches Gefühl auslösen wie bei einer Sucht: Das System, das uns belohnt hat, verschwindet plötzlich, und unser Gehirn versucht, dieses Gefühl zurückzugewinnen.

Deshalb schließen viele die Beziehung nach der Trennung nicht wirklich ab. Sie lassen die Tür einen Spalt offen. Manchmal schreiben sie zurück, manchmal beginnen sie wieder zu reden, als wäre nur eine kurze Pause gewesen. Und es kommt sogar vor, dass sie sich bei einem Treffen durch die vertraute Nähe selbst im Schlafzimmer wiederfinden.

Solche Momente können leicht die Illusion wecken, dass es vielleicht doch noch nicht vorbei ist, dass jetzt alles anders wird.

Doch oft wollen wir nicht die andere Person zurück, sondern das Gefühl, das die Beziehung uns gegeben hat: Aufmerksamkeit, Nähe und das aufregende Kribbeln, wenn ihr Name auf dem Handy aufleuchtet.

Deshalb ist es so leicht, immer wieder zu versuchen, etwas aufzuwärmen, das eigentlich schon vorbei ist.

Paar genießt romantische Momente in der Küche

Wenn es endlich wirklich vorbei ist

Ein Abschluss passiert selten in einem einzigen großen Moment. Vielmehr ist es ein Prozess aus kleinen, stillen Veränderungen. Ein Tag, an dem wir nicht mehr so oft aufs Handy schauen. Ein Nachmittag, an dem die Vergangenheit nicht mehr unser Denken bestimmt.

Mit der Zeit passt sich auch unser Gehirn an. Neue Routinen entstehen und andere Dinge machen wieder Freude. Und plötzlich merken wir, dass wir vielleicht gar nicht die andere Person am meisten betrauert haben, sondern das Gefühl, das wir mit ihr erlebt haben. Wenn dieses Gefühl langsam neue Plätze in unserem Leben findet, verwandelt sich auch die Leere. Was eine Zeit lang wie Abhängigkeit wirkte, wird schließlich nur noch eine abgeschlossene Geschichte sein.

Über die Autorin

Margarete Wolf

Margarete Wolf schreibt über Beziehungen, Familie und die stille emotionale Wetterlage, die beides prägt. Sie interessiert sich für das, was andere auslassen — die Schwiegereltern, den Hund, die Freundschaft, die in den Dreißigern komisch wurde — und nimmt es genauso ernst wie die großen Themen.

Passende Artikel

April: Der Monat der Trennungen – So überwindest du den Herzschmerz nach dem Beziehungsende — Lebensstil

April: Der Monat der Trennungen – So überwindest du den Herzschmerz nach dem Beziehungsende

Der Frühling steht für viele für einen Neuanfang, doch oft bringt er auch Abschiede mit sich. April wird deshalb häufig als Trennungsmonat bezeichnet – eine Chance zur Selbstfindung inklusive.

Deborah Keller
Bis zu 2 Jahre: So lange kann es wirklich dauern, einen Betrug zu verarbeiten – und kann die Beziehung danach noch funktionieren? — Lebensstil

Bis zu 2 Jahre: So lange kann es wirklich dauern, einen Betrug zu verarbeiten – und kann die Beziehung danach noch funktionieren?

Ein Seitensprung hinterlässt tiefe Wunden – doch die meisten Beziehungen scheitern nicht am Betrug selbst, sondern an der emotionalen Achterbahn danach. Was Experten raten.

Barbara Weber
„Mein Mann tat so, als würde er nicht sehen, dass ich Alkoholikerin bin" – Sucht in der Ehe — Lebensstil

„Mein Mann tat so, als würde er nicht sehen, dass ich Alkoholikerin bin" – Sucht in der Ehe

Drei Frauen sprechen offen über ihre Abhängigkeit – und darüber, welche Rolle ihre Männer dabei wirklich gespielt haben. Diese Geständnisse gehen unter die Haut.

Angela Fischer
Diese zwei Wörter sind die gefährlichsten, die du im Streit sagen kannst — Lebensstil

Diese zwei Wörter sind die gefährlichsten, die du im Streit sagen kannst

In jedem Streit gibt es Worte, die alles schlimmer machen – diese zwei kennt fast jeder. Warum „immer" und „nie" so gefährlich sind und was du stattdessen sagen solltest.

Margarete Wolf
Introvertiert im Sommer: So geht ihr als Paar damit um, wenn einer von euch viel geselliger ist — Lebensstil

Introvertiert im Sommer: So geht ihr als Paar damit um, wenn einer von euch viel geselliger ist

Wenn dein Partner den ganzen Sommer mit Grillfesten und Partys füllen will, du aber lieber die Ruhe genießt – so findet ihr eine Balance, die beiden guttut.

Margarete Wolf
„Ich wollte nur nicht mehr an ihn denken" – Warum die erste Beziehung nach einer Trennung so oft scheitert — Lebensstil

„Ich wollte nur nicht mehr an ihn denken" – Warum die erste Beziehung nach einer Trennung so oft scheitert

Nach einer Trennung in die nächste Beziehung stürzen – das klingt verlockend, endet aber selten gut. Frauen erzählen, warum es bei ihnen nicht funktioniert hat.

Angela Fischer