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„Plötzlich war ich die andere Frau“ – Was in offenen Beziehungen wirklich wehtut

Schuster Borka4 Min. Lesezeit
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„Plötzlich war ich die andere Frau“ – Was in offenen Beziehungen wirklich wehtut — Beziehung
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Von außen wirkt eine offene Beziehung für viele gleichzeitig aufregend und beängstigend. Die Aussicht auf neue Abenteuer reizt – aber die Vorstellung von Eifersucht, Regeln und ständiger Kommunikation macht ebenso vielen Angst.

Die Realität sieht oft ganz anders aus. Wer es tatsächlich ausprobiert hat, berichtet immer wieder von derselben Überraschung: Am schwersten waren nicht die Probleme, mit denen man gerechnet hatte.

„Ich dachte, der Sex wäre der schwierige Teil. War er nicht.“

Lilla war 36, als sie und ihr Mann beschlossen, eine offene Beziehung auszuprobieren.

„Wir waren elf Jahre zusammen. Wir liebten uns, der Sex war gut, wir wollten uns nicht trennen. Wir waren einfach neugierig.“ Der Anfang lief überraschend gut.

„Als er sich zum ersten Mal mit einer anderen traf, dachte ich, ich würde den ganzen Abend mit Bauchweh zu Hause sitzen. Stattdessen habe ich eine Pizza bestellt und eine Serie geschaut.“

Die Schwierigkeit kam erst später.

„Es hat nicht wehgetan, dass er mit anderen Frauen geschlafen hat. Wehgetan hat, als er einer anderen Frau als Erster erzählte, dass er einen schlechten Tag hatte.“

In diesem Moment begriff Lilla, dass sie die emotionale Nähe weit mehr störte als die körperliche. „Sex lässt sich leichter teilen als Aufmerksamkeit. Das sagt einem vorher niemand.“

Ihre Beziehung blieb am Ende bestehen – aber sie führten neue Regeln ein. „Mir wurde klar: Ich hatte keine Angst, den Körper meines Mannes zu verlieren. Ich hatte Angst, meinen Platz in seinem Leben zu verlieren.“

„Es war demütigend zu merken, dass ich mit einer Zwanzigjährigen konkurrierte“

Eszter ist 42 und lebte drei Jahre lang in einer offenen Beziehung.

„Die ganze Idee kam von mir. Ich war die Fortschrittliche, die Liberale. Ich war überzeugt, dass Eifersucht nur eine gesellschaftliche Prägung ist.“

Lange Zeit, sagt sie, ging alles gut. „Dann lernte mein Partner eine Siebenundzwanzigjährige kennen.“

Ihre eigene Reaktion überraschte sie selbst.

„Da saß ich an einem Samstagabend, schaute mir Hautpflege-Videos an und fragte mich, ob ihre Haut wohl von Natur aus so straff ist.“ Heute lacht sie darüber, doch damals war es alles andere als lustig. „Das Schlimmste war nicht, dass sie jünger war als ich. Sondern dass ich plötzlich zu einer Frau wurde, mit der man sich vergleicht.“

Die Beziehung endete am Ende nicht deshalb, doch die Situation brachte Eszter dazu, vieles neu zu bewerten.

„Ich hielt mich für so modern. Dann merkte ich, dass ich mir genauso sehr wünsche, dass jemand mich wählt – vor allen anderen.“

Wer sich fragt, ob solche Gefühle normal sind, findet Antworten in unserem Beitrag über die Anzeichen von Eifersucht.

„Am schwersten war der Moment, in dem ich die andere Frau wurde“

Réka ist 33 und sagt, auf diese Situation habe sie nichts vorbereitet.

„Mein Partner und ich hatten vereinbart, dass wir uns beide mit anderen treffen dürfen. Auf dem Papier funktionierte alles.“

Nach einer Weile traf sich Réka jedoch regelmäßig mit einem Mann.

„Auch er lebte in einer offenen Beziehung. Es schien die ideale Konstellation.“

Dann veränderte sich an einem Abend etwas. „Er erzählte mir von seiner Freundin. Von ihren gemeinsamen Plänen, von der Wohnung, die sie kaufen wollten, von der Reise im Sommer. Und ich saß mit ihm im Bett und begriff plötzlich, dass ich nur eine Statistin in der Liebesgeschichte von jemand anderem war.“

Dieses Gefühl, sagt Réka, war viel schwerer auszuhalten als jede Eifersucht.

„Man denkt, in einer offenen Beziehung geht es um Freiheit. Manchmal geht es eher darum, sehr genau zu lernen, welchen Platz man im Leben eines anderen hat.“

Heute lebt sie monogam. „Die brutalste Erkenntnis war: Auch wenn dich mehrere Menschen lieben, heißt das noch lange nicht, dass du für irgendjemanden die erste Wahl bist.“

Ist der Sex wirklich das Schwierigste an einer offenen Beziehung?

Laut den Erfahrungen der drei Frauen nicht. Für sie war die emotionale Nähe – geteilte Aufmerksamkeit, gemeinsame Pläne, das Gefühl der ersten Wahl – deutlich schwerer zu verkraften als die körperliche Seite.

Warum tut emotionale Nähe mehr weh als Sex mit anderen?

Wie Lilla es beschreibt: Sex lässt sich leichter teilen als Aufmerksamkeit. Zu sehen, wie der Partner seine Sorgen zuerst mit jemand anderem teilt, kann sich wie der Verlust des eigenen Platzes im Leben des anderen anfühlen.

Bedeutet eine offene Beziehung automatisch mehr Freiheit?

Nicht unbedingt. Réka erlebte, dass es manchmal weniger um Freiheit geht und mehr darum, sehr genau zu spüren, welchen Platz man im Leben eines anderen tatsächlich einnimmt.

Kann man Eifersucht in offenen Beziehungen einfach abtrainieren?

Eszter war überzeugt, Eifersucht sei nur eine gesellschaftliche Prägung – bis ihre eigene Reaktion sie überraschte. Ihre Geschichte zeigt, dass der Wunsch, von jemandem gewählt zu werden, tiefer sitzen kann, als man erwartet.

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