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So gute Kurzgeschichten habe ich lange nicht mehr gelesen. „Der Nevers-Schnitt“ ist mehr als nur eine starke Herbstlektüre

Deborah Keller3 Min. Lesezeit
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So gute Kurzgeschichten habe ich lange nicht mehr gelesen. „Der Nevers-Schnitt“ ist mehr als nur eine starke Herbstlektüre — Freizeit
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Am 8. September erschien Éva Péterfy-Nováks neuer Band, der schon mit seinem Titel ein starkes Bild weckt: Der Nevers-Schnitt bezieht sich auf eine legendäre Szene aus dem französischen Film Der Bucklige, in der die Hauptfigur ihren Gegner mit einem unerwarteten, unabwehrbaren Schwerthieb besiegt.

Die Autorin überträgt diese Bewegung in die Welt menschlicher Beziehungen: Es geht um emotionale Wunden, die nicht von Feinden, sondern von unseren Liebsten und Vertrauten stammen. Denn genau diese unerwarteten, tiefen „Schnitte“ sind oft die schwersten, über die wir kaum sprechen können.

Geschichten über Instinkte, Schweigen und alltägliche Tragödien

Die Kurzgeschichten im Band reichen von den Jahrzehnten des Sozialismus bis in die Gegenwart, sind dabei aber zeitlos. Sie stellen Fragen, die uns immer begleiten: Warum schweigen wir, wenn wir sprechen sollten? Wo liegt die Grenze zwischen Liebe und Verletzung? Was passiert, wenn eine Beziehung die Wahrheit nicht erträgt?

Freundschaften, Partnerschaften und familiäre Beziehungen verweben sich und lösen sich in den Geschichten oft an kleinen, alltäglichen Rissen auf. Der Band ist weder laut noch übertrieben – genau das macht ihn so kraftvoll. Weil er vertraut wirkt. Weil diese Sätze auch von uns handeln könnten.

Beim Arbeiten lesen? Selten klappt das – diesmal aber schon

Der Nevers-Schnitt enthält prägnante Texte, die einen Leser schon in einer einzigen Geschichte fesseln können.

Manchmal griff ich während der Arbeit nur „für eine Geschichte“ zum Buch. Doch nach dem ersten Absatz gab es kein Zurück mehr. Die Außenwelt verstummte, der Rhythmus verlangsamte sich, die Gedanken fokussierten sich neu. Nach einer Kurzgeschichte kehrt man zwar zu seinen Aufgaben zurück, aber verändert. Etwas bleibt zurück – ein Gefühl, ein innerer Dialog oder einfach eine seltsame, schöne Stille.

Die klare Stimme, der man nicht ausweichen kann

Éva Péterfy-Nováks Schreibstimme ist für mich immer mutig und konsequent. Sie scheut sich nicht vor schwierigen, oft tabuisierten Themen: Missbrauch, seelische Unterdrückung, gesellschaftliches Schweigen. Dabei schreibt sie nicht sensationsheischend, sondern mit tiefer Empathie, präzisen Worten und einem feinen, besonderen Humor. Auch dieser neue Band will nicht „groß herauskommen“, sondern einfach die Wahrheit sagen – und genau das macht ihn so stark.

Nicht nur eine Herbstlektüre – jederzeit ein großer Schatz

Obwohl Der Nevers-Schnitt perfekt zur Herbststimmung passt – mit heißem Tee, eingekuschelt unter der Decke, in Momenten der Einkehr und Einsamkeit –, empfehle ich die Lektüre unabhängig von der Jahreszeit. Diese Geschichten sprechen nicht die Kalenderzeit an, sondern das Innere.

Die Autorin stellt Fragen, die uns nicht loslassen: Was zerstört eine Beziehung endgültig? Wie wird Liebe zur Kontrolle? Wie kann die Geschichte eines Lebens auf wenigen Seiten erzählt werden und trotzdem den ganzen Tag bei uns bleiben?

Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern auch bewahren möchte

Der Band erschien am 8. September, und wer über die Webseite von Felhő Café Könyvek bestellt, erhält ein signiertes Exemplar. In unserer digitalisierten Welt macht das den Wert noch größer. Eine persönliche Geste, ein handgeschriebener Name, der Autorin und Leser näherbringt.

Das Buch selbst ist genauso: persönlich, nahbar, zum Nachdenken anregend. Der Nevers-Schnitt ist nicht nur eine Kurzgeschichtensammlung. Es ist ein innerer Spiegel. Ein Spiegel, in den man nicht immer leicht hineinschaut, der aber umso wichtiger ist. Denn wir alle sind auf irgendeine Weise Teil dieser Geschichten.

Ich empfehle es allen, die kluge, sensible und mutige Stimmen lieben – und auch denen, die für einen Moment aus dem Hamsterrad aussteigen möchten, zumindest für die Dauer einer Geschichte.

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