Das ist meiner Meinung nach eine richtig gute Nachricht, denn unsere mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie unser körperliches Wohlbefinden. Und seien wir ehrlich: Gerade die heutige Gesellschaft in Ungarn könnte mental wirklich einen besseren Ort gebrauchen.
Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen die Ursachen ihrer Konflikte suchen und ihr eigenes Verhalten besser verstehen wollen – und dadurch gesündere Beziehungen aufbauen.
Doch wie bei jedem Wissen ist auch Psychologie eine Kraft, die verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Problematisch wird es, wenn dieses Wissen – oder eher Halbwissen – nicht zur Selbstreflexion, sondern zur Steuerung und Manipulation anderer genutzt wird.
Ich frage mich manchmal, ob es heute noch Gespräche gibt, in denen nicht jemand klagt, er werde „gaslighted“, „narzisstisch behandelt“ oder es werde ihm „seine eigene Traumata projiziert“. Ich will nicht sagen, dass diese Begriffe nie zutreffen, aber wir scheinen sie ziemlich leichtfertig in unseren Alltag zu übernehmen.
So leichtfertig, dass ich mich frage: Erkennen wir wirklich immer so gut den Zustand des anderen, oder nutzen wir diese therapeutischen Begriffe eher, um unseren Standpunkt zu beweisen und Verantwortung abzuschieben?

Meine Geschichte mit psychologischer Manipulation
Ich habe selbst erlebt, wie irreführend dieses Phänomen sein kann. Bei einem früheren Job geriet ich in einen Konflikt mit einer Kollegin, die scheinbar sehr bewandert in psychologischen Themen war.
In unseren Gesprächen verwendete sie häufig Fachbegriffe und diagnostische Aussagen über mich. Mal sagte sie, ich würde Abwehrmechanismen nutzen, mal, ich hätte eine vermeidende Bindung und könne deshalb nicht gesund zusammenarbeiten.
Zunächst war ich ihr sogar dankbar, weil ich dachte, sie hilft mir, meine Fehler zu erkennen. Ich bewunderte, wie ruhig und konstruktiv sie auch in Konfliktsituationen blieb. Doch bald wurde mir klar, dass ihre „Feststellungen“ keine objektiven Fakten waren, sondern Werkzeuge, um mich zu verunsichern und ihren Willen durchzusetzen.
Das Gefährliche daran ist, dass die Sprache der Psychologie Autorität ausstrahlt. Wer diese Begriffe selbstbewusst nutzt, wirkt schnell kompetent – auch wenn er nur ein paar Bücher gelesen oder Videos geschaut hat.
In emotional belasteten Situationen – etwa bei einem Streit am Arbeitsplatz oder in einer Beziehung – ist es noch schwerer, klar zu sehen, besonders wenn man selbst unsicher oder verletzlich ist. Gerade dann verschwimmen oft die Grenzen, die laut Psychologie entscheidend für unser Wohlbefinden sind.
Wichtig ist zu verstehen, dass Psychologie vor allem der Selbstkenntnis dient und nicht der Diagnose anderer. Therapeutische Methoden und Begriffe funktionieren sicher nur in professionellen Händen – als Laie kann man leicht unbeabsichtigt Schaden anrichten. Und wenn wir selbst in einem Konflikt stecken, fällt es schwer, die andere Person objektiv zu sehen. Dann ist es viel hilfreicher, eine unabhängige Fachkraft wie einen Mediator oder Therapeuten hinzuzuziehen.
Und vielleicht das Wichtigste: Wenn wir verstanden werden wollen oder den anderen verstehen möchten, dann kommunizieren wir am besten einfach und menschlich. Statt mit psychologischen Fachbegriffen sagen wir, was wir fühlen, was wir brauchen oder was uns verletzt hat. Echtes Gespräch entsteht nicht durch Fachjargon, sondern durch ehrliche Worte.











